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Fingerhaut kauen - die Sucht verstehen und überwinden

Wer nervös ist, knabbert häufiger am Finger.
Wer nervös ist, knabbert häufiger am Finger.
Wenn Sie auf der Fingerhaut kauen, sieht man dies Ihren Händen an. Sogar blutige Stellen sind eine Folge. Gegen das Knibbeln an den Nägeln und der umgebenden Haut helfen bittere Nagellacke oder eine Analyse des eigenen Verhaltens.

Das Nägelkauen ist als Onychophagie bekannt. Betroffene knabbern an den Fingernägeln, beißen diese ab oder essen die Nägel. Die umgebende Haut kann ebenso einbezogen sein (Perionychophagie). Schwere Formen gelten als selbstschädigendes Verhalten, das heißt, eine Autoaggression (Aggression gegen sich selbst). Leichtes Kauen an der Fingerhaut ist eine erworbene Verhaltensstörung oder eine nervöse Reaktion auf Stress.

Warum Betroffene an den Fingern kauen

Das Knabbern an den Nägeln oder der Fingerhaut ist weit verbreitet. Am häufigsten sind Jugendliche und Kinder betroffen. Jedes dritte Kind und fast die Hälfte der Jugendlichen knibbeln an den Nägeln. Frauen und Männer knabbern gleich häufig. Experten sehen dieses Verhalten bei jungen Menschen als unbedenklich an. Kauen Ihre Kinder gelegentlich an den Nägeln, müssen Sie sich keine Sorgen machen. Nur wenn sich Betroffene die Finger blutig beißen oder das Verhalten im Erwachsenenalter immer extremer wird, sollten Sie dagegen vorgehen. Bei häufigem Knabbern können gesundheitliche Probleme auftreten, etwa Verformungen der Nägel, Nagelbettentzündungen oder Magen-Darm-Beschwerden durch die unverdaulichen, heruntergeschluckten Nägel.

  • Psychologen sehen eine Verbindung zwischen dem Fingerhautkauen und einer allgemeinen Nervosität. Wer häufiger aufgeregt und überreizt ist, knabbert mit einer größeren Wahrscheinlichkeit an den Nägeln. Patienten mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) zeigen dieses Verhalten sehr oft.
  • Ursache ist die Muskelanspannung, die bei Stress entsteht. Wenn Sie sich gestresst fühlen, schüttet Ihr Körper Stresshormone aus. Diese sorgen für eine verstärkte Durchblutung der Muskeln. Es entsteht eine muskuläre Anspannung, die sich in Verhaltensweisen wie dem Nagelkauen entlädt. Das Kauen entspannt und beschäftigt.
  • Es besteht eine Komorbidität mit Angststörungen. Das heißt, wenn Sie unter einer Angststörung leiden (zum Beispiel soziale Ängste, Phobien), ist das Risiko höher, dass Sie an den Nägeln oder dem Nagelbett kauen, weil die Angst wie eine Stresssituation wirkt.
  • Unterschätzen Sie Ihre Vorbildwirkung nicht. Kinder übernehmen Verhaltensweisen von ihren Eltern. Kauen Sie selbst an den Nägeln, kann Ihr Kind das übernehmen. Dies bezeichnen Psychologen als Modelllernen.
  • Für manche Betroffene ist das Kauen ein Ersatz für die Maniküre. Anstatt die Nägel oder die Nagelhaut zu schneiden, knabbern Sie Kanten und zu lange Partien ab. Dabei handelt es sich um ein bewusstes Verhalten. Diese Angewohnheit nahm ihren Anfang beim gelegentlichen Knabbern und wurde zum Ersatz des Nägelschneidens.
  • In seltenen Fällen kann eine Borderline-Störung oder eine Psychose dahinterstecken. In diesem Fall ist das Knabbern sehr stark ausgeprägt und es kommen weitere Symptome hinzu, etwa Wahnvorstellungen, Ritzen oder extreme Stimmungsschwankungen.

Was gegen das Kauen an der Fingerhaut hilft

  • Wenn Ihre Kinder auf der Fingerhaut kauen, sollten Sie nicht schimpfen. Sprechen Sie in Ruhe mit Ihrem Kind und zeigen Sie ihm die negativen Folgen des Knibbelns auf (Schmerzen, unschöne Hände). Die Kleinen hören häufig nach einer Weile von alleine mit dem Knabbern auf.
  • Alternativ können Sie einen bitter schmeckenden Nagellack aus der Apotheke auf die Nägel auftragen. Der Geschmack ist unangenehm, sodass Ihr Kind den Finger aus dem Mund zurückzieht. Der Nagellack ist ebenso für Erwachsene geeignet, die sich das Nagelkauen abgewöhnen wollen.
  • Frauen sollten sich ihre Nägel mit Gel verstärken lassen. Gelnägel sind so hart, dass Sie keinen Ansatzpunkt zum Knabbern finden.
  • In schweren Fällen, wenn diese Tipps nicht helfen, ist eine Verhaltenstherapie sinnvoll. Experten wenden die Reaktionsumkehr (Habit Reversal Training) an. Hierbei lernen Sie ein alternatives Verhaltensmuster, mit dem Sie das Kauen an der Nagelhaut ersetzen.
  • Sie analysieren, in welchen Situationen Sie knibbeln, wann und wie Sie dies tun. Im zweiten Schritt trainieren Sie eine Ersatzhandlung, etwa das starke Schließen der Faust. Entspannungstechniken begleiten die Therapie. Beim autogenen Training oder der progressiven Muskelentspannung bauen Sie Stress ab und kommen zur Ruhe.

Es gibt viele Möglichkeiten, das Knabbern an der Fingerhaut zu beenden. Finden Sie heraus, welche Methode Ihnen am besten hilft.

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