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Transzendenz - Definition

Inhaltsverzeichnis

Transzendenz kann auf viele Weisen definiert werden.
Transzendenz kann auf viele Weisen definiert werden.
Der Gedanke des Überschreitens von Grenzen, vor allem der eigenen, fasziniert den Menschen schon seit Jahrtausenden. Eine einzige feststehende Definition von Transzendenz gibt es zwar nicht, allerdings lässt sich diese natürlich in allgemeiner Hinsicht und im Hinblick auf die verschiedenen Auslegungsmöglichkeiten umschreiben.

Es gibt mehr als nur eine Definition von Transzendenz

  • Der Begriff "Transzendenz" geht auf die Lehren des christlichen Geistlichen Augustinus, der in der Spätantike lebte, zurück. Davor wurden mit dem lateinischen Verb "transcendere" nur alltägliche Vorgänge bezeichnet, beispielsweise für „übertreffen“ in Bezug auf sportliche Leistungen. Doch außer ihm beschäftigten sich auch griechische Philosophen und andere Religionen mit dieser Art von Thematik. Die Ideen von Augustinus und Platon können somit als die Ausgangspunkte für alle folgenden Überlegungen zur Transzendenz und deren Definition in der westlichen Welt gelten.
  • Als allgemeine Definition könnte man Transzendenz als einen Vorgang des Überschreitens beschreiben, bei dem es entweder dem Menschen gelingt, über die Grenzen seiner Erkenntnisfähigkeit hinaus zu gehen oder bei dem ein sich außerhalb der menschlichen Erkenntnisfähigkeit befindender Bereich in den hineinwirkt, der durch den Menschen erlebbar ist.
  • Transzendenz wurde zu unterschiedlichen Epochen und durch unterschiedliche Philosophen und Geistliche immer wieder neu und abweichend definiert. Die Hauptdeutungen sind entweder religiöser Natur und umschreiben meist Wege zum Göttlichen und zum anderen philosophischer Art, wobei es um die Bemühung geht, die Beschaffenheit der Welt erklärbar zu machen.

Unterschiedliche Sichtweisen und Interpretationen in der Philosophie

  • In Platons Ideenlehre geht es um die Existenz einer Wirklichkeitsebene, die der Mensch nur auf geistige Weise erfassen kann und die neben dem sinnlich Erfassbaren besteht. In der geistigen Ebene sollen Urbilder der Dinge existieren, deren unvollkommene und fehlerhafte Abbilder sich in unserer Wirklichkeit befinden. Dabei haben diese Urbilder teil an den sinnlich erfassbaren Dingen, wodurch beide Bereiche miteinander verbunden werden.
  • Aristoteles war Schüler des Platon und sah die Ideenlehre seines Lehrers als falsch an. Für ihn waren beide Wirklichkeiten strikt getrennt und somit ohne jede Verbindung. Die Transzendenz sah er darin, dass es, zusätzlich zu den beiden Bereichen, einen sich nicht bewegenden "Beweger" geben müsste, den der Mensch nicht erfassen kann und von dem die Bewegung ausgegangen ist.
  • Kant beschrieb in seiner "Kritik der reinen Vernunft" das Transzendente als etwas, das jenseits der menschlichen Vernunft liegen würde und daher mit der Entwicklung von Theorien nicht erfassbar sei. Somit handle es sich um etwas, das ausschließlich durch Glauben erreichbar wird. Zusätzlich führte er den Begriff des "Transzendentalen" ein, womit er das bezeichnete, was der Fähigkeit zur Erkenntnis des Menschen zugrunde liegt.
  • Karl Jaspers sah in dem Begriff gar ein anderes Wort für Gott. So wie er griffen immer wieder Philosophen auf das Göttliche zurück, um eine Definition zu ermöglichen.

Religiöse Sichtweisen

In den meisten Religionen ist das Prinzip der Transzendenz zu finden. Meist wird auch dabei von verschiedenen Bereichen ausgegangen, die sich wechselseitig beeinflussen (Diesseits-Jenseits, Mensch-Gottheit).

  • Im Buddhismus gibt es Samsara und Nirwana. Samsara wird als Kreislauf zwischen fortlaufender Wiedergeburt und Sterben beschrieben, aus dem der Mensch durch Erleuchtung zur Glückseligkeit (Nirwana) gelangen kann. Dabei wächst er über sich hinaus, empfindet beispielsweise keinen Neid oder Gier mehr.
  • Im Hinduismus gibt es den Zustand der Glückseligkeit (Sat-Chit-Ananda). Die unterschiedlichen Bereiche werden "Sat" (sinnlich Erfassbares) und "Chit" (nur mit dem Geist Erfassbares) genannt. Ananda ist die Glückseligkeit. Unter anderem soll, um dies zu erreichen, durch verschiedene Arten von Yoga die Befreiung aus dem "Ich-Bewusstsein" erfolgen können.
  • Der rein monotheistisch ausgerichtete Islam geht von der absoluten Transzendenz Gottes aus. Die Grenzüberschreitung erfolgt dabei von der göttlichen Seite aus. Der Mensch kann sich hingeben und soll durch Beschäftigung und Verinnerlichung mit dem Koran eine erhabene Sichtweise von der Welt und des Wirken Gottes erreichen können.
  • Im Christentum setzte Kirchenvater Augustinus in der Spätantike erstmals die Bezeichnung "transzendent" in religiöser Hinsicht ein, wobei er die Ideen Platons aufgriff. Dabei ging er davon aus, dass Gott ein allmächtiges Wesen ist und den Menschen sowie alles Weltliche und Vergängliche übersteigt, also transzendent ist. Für den Menschen sah er die Möglichkeit, über einen Weg der Erkenntnis eine höhere Wirklichkeitsebene und so letztendlich Gott zu erreichen.

Äußerst komplexe und zahlreiche Überlegungen vieler Religionen, Weltanschauungen und bedeutender Denker seit der Antike in wenigen Worten wiederzugeben, ist natürlich nur begrenzt möglich. Um ein umfassenderes Bild von Definitionsmöglichkeiten der Transzendenz zu erhalten, ist es daher notwendig, sich mit den Werken der betreffenden Philosophen und Religionstheoretikern bzw. Inhalten der Glaubensrichtungen zu befassen.

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