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Die Kielbrust

Inhaltsverzeichnis

Kinder mit einer Kielbrust sollten frühzeitig einem Spezialisten vorgestellt werden.
Kinder mit einer Kielbrust sollten frühzeitig einem Spezialisten vorgestellt werden.
Die Kielbrust gehört zu den Deformierungen des Brustkorbs, die in der überwiegenden Zahl der Fälle angeboren sind. Sie äußert sich als Vorwölbung des Brustbeins in unterschiedlicher Ausprägung. Im Gegensatz zur Trichterbrust, bei der das Brustbein eingesunken ist, bereitet die Kielbrust in aller Regeln keine organischen Einschränkungen, wird jedoch meistens als kosmetisch störend empfunden. Je nach Ausprägung der Kielbrust kommen operative und konservative Behandlungsmaßnahmen in Betracht. Wenn Sie als Erwachsener an einer nennenswerten Kielbrust leiden und eine Korrektur wünschen, werden Sie an einer operativen Maßnahme kaum herumkommen.

Die Ursache der Kielbrust ist unbekannt

Die Kielbrust wird medizinisch als Pectus carinatum bezeichnet, umgangssprachlich auch als Hühnerbrust. Das ist auf die kielförmige Vorwölbung des Brustbeins zurückzuführen.

  • Die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Kind mit einer Kielbrust geboren wird, ist deutlich geringer als bei der Trichterbrust. Während auf circa 300 Geburten ein Kind mit einer Trichterbrust kommt, ist das bei der Kielbrust ein Kind auf circa 8000 Geburten. Beide Deformitäten treten bei Jungen häufiger auf, als bei Mädchen.
  • Sollte Ihr Kind mit einer Kielbrust geboren werden, erkennen Sie das vielleicht nicht sofort. In der überwiegenden Zahl der Fälle tritt die Deformierung erst mit der Pubertät in Erscheinung. In rund 50 Prozent der Fälle werden Kielbrustdeformierungen so erst nach dem 11. Lebensjahr bemerkt.
  • Bei der Kielbrust kommt es durch Wachstumsstörungen am Übergang zwischen den Rippen und dem Brustbein zu einer langsamen Vorwölbung des Brustbeins. Die Frage, was die Wachstumsstörungen verursacht, kann Ihnen kein Arzt beantworten. Der Auslöser ist bis heute unbekannt.
  • Zeigt Ihr Kind erste Anzeichen einer Kielbrust, kann sich das Brustbein im Wachstumsalter noch verändern. Die Wachstumsstörungen am Rippen-Brustbein-Übergang müssen nämlich nicht gleichmäßig verlaufen. Überwiegen sie auf einer Seite des Brustbeins, dreht sich das Brustbein langsam um die eigene Längsachse. Die Deformierung erscheint dadurch asymmetrisch. Auch zusätzliche Abknickungen des Brustbeins sind möglich.
  • Wenn Ihr Kind an einer Kielbrust leidet, muss auch der Wirbelsäule Aufmerksamkeit geschenkt werden. Über 20 Prozent der Betroffenen leiden nämlich gleichzeitig an einer Skoliose bzw. Seitverkrümmung der Wirbelsäule. Auch angeborene Herzfehler kommen bei Kielbrust-Kindern häufiger vor.

Die Kielbrust macht selten Herz-Lungen-Probleme

Durch die Einsenkung des Brustbeins bei der Trichterbrust kann es im ungünstigsten Fall für Herz und Lunge „zu eng“ werden. Die Deformierung des Brustkorbs kann zu einer Einschränkung der Lungenfunktion führen sowie die Pumpleistung des Herzens beeinträchtigen. Die Betroffenen sind weniger belastbar und ermüden bereits nach leichter, körperlicher Anstrengung.

  • Bei einer Kielbrust wird man Sie in dieser Hinsicht beruhigen können. Die Vorwölbung des Brustbeins nach vorne führt nur sehr selten zu Platzproblemen für Lunge und Herz.
  • Bei der Trichterbrust lässt sich das eingesunkene Brustbein in der Regel problemlos durch die Bekleidung kaschieren. Das ist im Fall der Kielbrust schon schwieriger, was zu einem erhöhten Leidensdruck führen kann. Sie sollten daher den nachteiligen Einfluss einer Kielbrust auf die psychosoziale Entwicklung Ihres Kindes nicht unterschätzen.
  • Die Kielbrust besitzt in der überwiegenden Zahl der Fälle keinen organischen Krankheitswert. Sie sollten sich bei den ersten Anzeichen einer Brustwanddeformierung aber trotzdem mit Ihrem Kinderarzt beraten. Eine frühzeitige Vorstellung Ihres Kindes in einer spezialisierten Kinderorthopädie oder Thoraxchirurgie ist anzustreben.

Operative Behandlung der Kielbrust

Bei entsprechender Ausprägung der Kielbrust ist ein korrigierender Eingriff auch bei Kindern und Jugendlichen ohne körperliche Beschwerden sinnvoll. Die Indikation ist dann nicht krankheitsbedingt gegeben, sondern psychisch-ästhetisch. Die Behandlungskosten werden in aller Regel von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen.

  • Die operative Korrektur der Trichterbrust erfolgt mittlerweile standardmäßig minimal-invasiv, d. h. über relativ kleine Hautschnitte erfolgt. Bei der Korrektur einer Kielbrust müssen Sie dagegen noch mit offenen Operationen am Brustkorb rechnen. Erste, gute Erfahrungen mit minimal-invasiven Eingriffen an der Kielbrust liegen zwar vor, sind aber keinesfalls Standard.
  • Damit das vorgewölbte Brustbein Ihres Kindes wieder in die richtige Position kommt, müssen seitlich am Brustbein Rippenstücke entfernt werden. Das Brustbein kann so in den Brustkorb eingepasst werden, wodurch die kielförmige Vorwölbung verschwindet.
  • Bei dem Eingriff werden schmale Metallbügel eingesetzt. Diese Bügel halten das Brustbein so lange in der gewünschten Position, bis es mit den „gekürzten“ Rippen wieder fest verheilt ist. Die Metallbügel müssen später entfernt werden, sodass sich Ihr Kind noch einem zweiten Eingriff unterziehen muss.
  • Die Korrekturergebnisse sind bei einem erfahrenen Operateur mit gutem räumlichen Vorstellungsvermögen sehr gut. Die Korrektur von Brustkorbdeformitäten ist aber keinesfalls Tagesgeschäft in jeder Kinderklinik. Möglichweise wird Ihnen ein Spezialist in einer weiter entfernt gelegenen Klinik empfohlen.
  • Den optimalen OP-Zeitpunkt entscheidet der Einzelfall. Vermutlich wird man Ihnen aber empfehlen, den Eingriff erst mit Abschluss des Wachstumsalters durchführen zu lassen.

Renaissance der konservativen Behandlung

Anders als bei der Trichterbrust erfahren die konservativen oder nicht-operativen Verfahren zur Behandlung einer Kielbrust derzeit einen Aufschwung.

  • Ob bei Ihrem Kind eine konservative Behandlung durchgeführt werden kann, hängt in erster Linie von Alter und der Ausprägung der Deformität ab.
  • Das Prinzip der nicht-operativen Behandlung beruht auf Kompression von außen. Hierzu muss Ihr Kind ein individuell angefertigtes Korsett tragen, das mit einer Pelotte versehen ist. Durch sanften Druck wird die kielförmige Vorwölbung so langsam zurück gedrückt. Die Behandlung ist zeitaufwendig und setzt für Ihr Kind und Sie viel Disziplin voraus. Das Korsett muss konsequent getragen werden.
  • Bei richtiger Indikationsstellung und guter Mitarbeit des Patienten können Sie ein sehr gutes Ergebnis erwarten, was Ihrem Kind die operative Korrektur erspart.
  • Sportarten, wie Krafttraining, ermöglichen das Kaschieren der Kielbrust mit entsprechendem Muskelaufbau. Durch gezielte Physiotherapie kann Ihr Kind zusätzlich eine Haltungsverbesserung erfahren, insbesondere bei gleichzeitig vorliegender Verkrümmung der Brustwirbelsäule. Auch dadurch ist also eine Teilkorrektur der Thoraxdeformität möglich.
  • Im Gegensatz zur Operation gilt bei einer konservativen Behandlung: Frühst möglich beginnen. Je früher nämlich mit dem Tragen des Kompressionskorsetts begonnen wird, umso erfolgsversprechender ist dessen Einsatz. Stellen Sie Ihr Kind also frühzeitig einem Spezialisten vor.

Zur Behandlung der Kielbrust bei Erwachsenen

Wenn Sie als Erwachsener eine Kielbrust haben, die - aus welchem Grund auch immer - bisher nicht korrigiert worden ist, ist eine Behandlung selbstverständlich auch möglich.

  • Sollte Ihre Kielbrust nur gering ausgeprägt sein, kommt zur Kaschierung ein Versuch mit einem gezielten Muskelaufbautraining in Betracht. Wenn Sie zusätzlich an einer Seitverkrümmung der Wirbelsäule leiden, wie das bei der Kielbrust häufig der Fall ist, sollte auch diese behandelt werden.
  • Ist Ihre Kielbrust ausgeprägt, kommen weitere, konservative Maßnahmen kaum in Betracht. Im Erwachsenenalter sind die Knochen nicht mehr so formbar, wie im Wachstumsalter, sodass beispielsweise eine Korsettbehandlung kaum Aussicht auf Erfolg hat.
  • Man wird Ihnen zumindest bei einer ausgeprägten Kielbrust im Erwachsenenalter zu einer operativen Maßnahme raten, vergleichbar mit der, die im Wachstumsalter durchgeführt wird.
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