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Was bedeutet "Komplexe"? - Eine Begriffserklärung

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Drei ohne Komplexe.
Drei ohne Komplexe. © siepmannH / Pixelio
Gerne sagt man im Alltag, jemand habe Komplexe. Meistens geht es darum, dass sich jemand für etwas schämt. Was bedeutet der Begriff "Komplexe" in diesem Zusammenhang?

Der Begriff „Komplexe“ stammt aus der Psychologie und wird meistens dann verwendet, wenn einer Person etwas unangenehm ist, oder man unzufrieden mit sich selbst ist. Dies beeinflusst das Denken und Handeln der Person.

Was es bedeutet, Komplexe zu haben

  • Das Wort "Komplex" bedeutet, dass es es sich hier um gewisse Verflechtungen oder die Verbindung mehrerer einzelner Elemente handelt. Dabei werden beispielsweise Wahrnehmungen oder Gedanken zu einer Art Gesamteindruck verschmolzen.
  • Solche Komplexe können auch dann auftreten, wenn Sie einen bestimmten Wunsch haben, aber diesem nicht nachkommen, etwa weil Sie Sorge vor Kritik haben oder Angst davor haben, etwas falsch zu machen. Genauso können moralische Gründe dazu führen, dass Sie nicht so handeln, wie Sie es eigentlich wollen.
  • Das kann beispielsweise dann der Fall sein, wenn jemand während einer Konfliktsituation viel Kritik erfährt und gerne einmal kontern würde, dies aber nicht tut, weil er fürchtet, nicht schlagfertig zu sein oder die Sorge hat, das Gegenüber damit noch mehr zu reizen und die Situation zu verschärfen. Hier entstehen Komplexe - eigentlich brodelt es im Inneren des Betroffenen weiter, er würde gerne einmal seine Meinung sagen, unterdrückt dies aber.
  • Wenn derjenige dann auch in anderen Situationen den Drang zu kontern unterdrückt, dann kann sich dieses Muster verfestigen. Das bedeutet, dass es der Person dann irgendwann kaum noch möglich ist, sich anders zu verhalten. Es wird also scheinbar ganz normal, Kritik hinzunehmen und sich nicht zu wehren.
  • Auch später, wenn in vielen anderen Lebensbereichen eine Weiterentwicklung stattgefunden hat, kann derjenige sich bei Kritik aufgrund dieses Komplexes immer noch hilflos fühlen und nicht dazu imstande sein, sich adäquat zu äußern.

Was man gegen Komplexe tun kann

  • Um diesen inneren Konflikt zu überwinden, muss der Gegensatz zwischen den widersprüchlichen inneren Wünschen aufgelöst werden. Das bedeutet, dass die ursprüngliche Situation also noch einmal neu bewertet werden muss, damit es später möglich ist, nicht mehr aufgrund eines Komplexes immer gleich zu handeln, sondern sich bewusst und frei für ein Verhalten (Kritik hinnehmen oder widersprechen) entscheiden zu können.
  • Auf den Psychoanalytiker Sigmund Freud geht auch die Annahme zurück, dass ein Komplex nie ganz ausgeschaltet werden kann. Stattdessen sollte die Situation, die zu dem inneren Konflikt geführt hat, als ein prägender Moment erkannt werden, der auch Erfahrungen für das weitere Leben beinhaltet. Sie können also aus Situationen, in denen Sie zwei entgegengesetzte Wünsche haben, lernen, ohne sich auch in Zukunft immer gleich entscheiden zu müssen.
  • Übertragen auf das Beispiel bedeutet dies, dass jemand sich zwar früher einmal dazu entschieden hat, Kritik still hinzunehmen, aber er sich deswegen nicht immer wieder so verhalten muss. Dabei hilft es, sich diese Widersprüche zwischen innerem Ärger und Sorge vor den Folgen, wenn der eigene Ärger gezeigt wird, bewusst zu machen. So ist es möglich, sich in ähnlichen Situationen selbst zu hinterfragen, wie man reagieren möchte, ohne sich durch Komplexe zu einem bestimmten Verhalten gedrängt zu fühlen.

Ein bekanntes Beispiel - Minderwertigkeitskomplexe

  • Minderwertigkeitskomplexe zu haben bedeutet, sich anderen gegenüber generell unterlegen zu fühlen. Ursache können Situationen sein, in denen sich Betroffene als schwach erlebt haben, weil sie ihre Ziele nicht erreicht haben. Wenn dies mehrfach geschehen ist, kann sich das Gefühl, weniger wert zu sein, verfestigen.
  • Folge der Minderwertigkeitskomplexe sind Versuche, diesen zu kompensieren. Dies bedeutet, dass Betroffene zu Aggressionen neigen, um anderen Respekt einzuflößen, um sich anderen überlegen fühlen zu können. Genauso kann das Anhäufen von als wertvoll angesehenen Gütern (Statussymbolen) oder eine generelle Geringschätzung anderer ("Arroganz") auftreten.
  • Dabei hilft es, Ansprüche an sich selbst herauszuarbeiten und zu hinterfragen. Ursache des Minderwertigkeitskomplexes kann es nämlich sein, etwa von den Eltern, die zu hohe Erwartungen an ihr Kind hatten, unrealistische Ideale übernommen zu haben, die gar nicht erfüllt werden können.
helpster.de Autor:in
Andrea Nittel-Neubert
Andrea Nittel-NeubertAndrea war im Personalwesen tätig und hat dadurch einen professionellen Blick auf die Aspekte von Beruf & Karriere. Durch ihr Studium in der klinischen Psychologie kann sie nicht nur Karrieretipps geben, sondern auch in den Bereichen Liebe & Beziehungen weiterhelfen.
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