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Verlängerte Werkbank - eine Erklärung

Lohnintensive Arbeiten werden gern in Billiglohnländer verlagert.
Lohnintensive Arbeiten werden gern in Billiglohnländer verlagert.
Wenn ein Hersteller nicht alle Unternehmensbereiche von der Forschung über die Produktion bis zum Vertrieb abdecken möchte, kann er beispielsweise einen Fertigungsbetrieb beauftragen und diesen als verlängerte Werkbank nutzen. Wie wird diese Zusammenarbeit organisiert?

Mit Beginn der 1970er Jahre hat sich der Begriff "verlängerte Werkbank" im Sprachgebrauch etabliert. Die asiatischen Märkte öffneten sich Richtung Westen. Das eröffnete Unternehmen der westlichen Welt, Produkte in Lohnfertigung herstellen zu lassen und unter ihrem Namen zu vertreiben.

Auslagerungen der Produktion ins In- oder Ausland

  • Der Ausdruck "verlängerte Werkbank" beschreibt eine Produktionsauslagerung spezieller vor- oder nachgelagerter Arbeiten. Im Automobilbau sind Auslagerungen leicht nachvollziehbar.
  • Ein Karosseriehersteller kann die Lackierarbeiten einem Spezialbetrieb übertragen. Ein Automobilbauer verlagert die Fertigung des Armaturenbrettes auf einen externen Lieferanten. Von Lohnveredlung spricht man, wenn die Verlagerung ins Ausland stattfindet.

Verlängerte Werkbank - Lizenzen regeln Kooperationen

Geregelt werden unternehmerische Kooperationen unter anderem durch die Vergabe von Lizenzen. Diese lassen sich auch beschränken. Das ist beispielsweise über Gebrauchs-, Vertriebs-, Ausstattungs- oder Herstellungslizenzen möglich.

  • Als verlängerte Werkbank wird in der Regel ein Betrieb angesehen, welcher auf der Grundlage einer Herstellerlizenz produziert. Bei der Herstellungslizenz erteilt der Lizenzgeber die Berechtigung nur für die Produktion. Das Vertreiben der Produkte übernimmt er meist selbst.
  • Die Herstellungslizenz kombiniert mit einer Reimportvereinbarung verschafft dem Lizenzgeber einen Preisvorteil, da er die Kostenvorteile des jeweiligen Lizenznehmerlandes zum Ausbau seiner Wettbewerbsposition im Heimatmarkt nutzen kann. Er muss zudem nicht selbst vor Ort investieren.

Wer haftet bei dieser Form der Fertigung?

Ein Beispiel soll die Zusammenhänge deutlich machen:

  • Ein Unternehmen A betreibt einen Produktionsstandort, der über eine Zertifizierung verfügt. Weiterhin betreibt die Firma einen kleineren Standort B in der Nähe. Dorthin werden Produkte zur Weiterverarbeitung geliefert. Dann erhält diese A wieder zurück. Wenn der Standort B als alleiniger Produktionsstandort auftreten würde, müsste er selbst zertifiziert sein. Der Vorteil der verlängerten Werkbank besteht nun darin, das A in seinem Zertifikat B einschließt. Wird kein eigenes Zertifikat notwendig, sind die Zertifizierungskosten geringer.
  • Stellt sich noch die Frage, wer bei bloßer Auftragsfertigung für die Sicherheit der Produkte verantwortlich zeichnet. Im Allgemeinen ist der Hersteller für die Sicherheit seiner Produkte verantwortlich. Bei einer Fertigung (verlängerte Werkbank) führt nicht eine bloße Vertragsklausel zum Ausschluss einer Gewähr für Güte oder Beschaffenheit der Produkte. Eine Haftung lässt sich nur im Rahmen des Produkthaftungsgesetzes ausschließen oder nicht. 

Während Lieferanten gegebenenfalls eine Haftung ausschließen können, gibt es diese Möglichkeit für den Hersteller nicht. Als Hersteller eines Produkts wird jeder angesehen, der geschäftsmäßig seine Marke, seinen Namen oder andere Kennzeichen anbringt, was ihn als Hersteller ausweist.

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