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Igel retten

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Die meisten Igel überstehen den Winter ohne menschliches Zutun.
Die meisten Igel überstehen den Winter ohne menschliches Zutun.
Jedes Jahr im Herbst: Igel, die sich ihre Futterreserven für den Winterschlaf anfressen. Als Wildtiere kommen die meisten Igel gut ohne den Menschen klar. Manchmal kann es aber sein, dass ein Igel Hilfe benötigt. Einen Igel zu retten, bedeutet jedoch eine große Verantwortung. Wollen Sie einem Igel helfen, sollten Sie sich daher genau überlegen, ob Sie dazu in der Lage sind.

Die meisten Igel bedürfen keiner Hilfe

Auch wenn die Verlockung groß ist: Die meisten Igel brauchen Ihre Hilfe nicht. Igel sind Wildtiere, die sich alleine versorgen können und nicht weiter gestört werden sollten. Nur wenige Igel sind tatsächlich auf Hilfe angewiesen.

  • Ist ein Igel verletzt oder krank, würde er ohne Hilfe wahrscheinlich den Winter nicht überstehen. Kranke Igel sehen häufig abgemagert aus, verhalten sich apathisch oder sind von Parasiten befallen. Haben Sie einen Igel in der Nähe einer viel befahrenen Straße gefunden, kann er von außen nicht sichtbare Verletzungen haben.
  • Igel können zwei Würfe im Jahr bekommen, einen im Sommer und einen im Herbst. Vor allem bei „Herbstigeln“ kann es vorkommen, dass sie sich in der verbleibenden Zeit bis zum Winterschlaf nicht genug Reserven „anfressen“ können. Als Faustregel gilt, dass ein Igel mindestens 700 g wiegen sollte, um erfolgreich überwintern zu können.

Es mag grausam erscheinen, aber der Tod ist Bestandteil der Natur. Dass kranke und schwache Tiere sterben, ist völlig normal. Sie sollten sich deshalb darüber im Klaren sein, dass Sie nicht jeden Igel werden retten können. Außerdem kann es sein, dass es in einigen Fällen besser ist, dem Tier unnötige Leiden zu ersparen und dieses vom Tierarzt erlösen zu lassen.

Retten oder nicht? - Frage des Gesetzes und Gewissens

Wenn Sie einen hilflosen Igel gefunden haben, sollten Sie mit der Gesetzeslage vertraut sein. Dürfen Sie einen Igel einfach so aus der Natur entnehmen und gesund pflegen?

  • Der Igel gehört zu den besonders geschützten Tierarten. Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet, dass geschützte Tier- und Pflanzenarten aus der Natur entnommen werden dürfen (BNatSchG, § 44).
  • Gleichzeitig regelt es auch, dass im Fall von verletzten Tieren eine Ausnahme gemacht werden darf (BNatSchG, § 45). Voraussetzung dafür ist die unverzügliche Auswilderung, sobald das Tier wieder gesund ist. Eine Meldepflicht besteht momentan nur für streng geschützte, nicht aber für besonders geschützte Arten. Allein weil die zuständigen Behörden Sie mit wertvollen Adressen versorgen können, sollten Sie einen Igelfund trotzdem melden.
  • Beachten Sie das Tierschutzgesetz. Es schreibt vor, dass Sie ein Tier unbedingt artgerecht halten müssen (TierSchG, § 2). Ist Ihnen das nicht möglich und findet sich auch sonst kein geeigneter Platz (z.B. in einer Igelstation), ist die Euthanasie einer tierschutzwidrigen Unterbringung vorzuziehen. Ansonsten würde ein Igel nur unnötig unter den falschen Haltungsbedingungen leiden.

Dem Igel Erste Hilfe leisten

Sie haben sich entschlossen, dem Igel zu helfen und können eine artgerechte Unterbringung gewährleisten? Dann können Sie mit dem Retten des Igels beginnen. Gehen Sie dabei wie folgt vor:

  1. Messen Sie die Körpertemperatur. Sie liegt bei gesunden Igeln bei 36 °C. Am einfachsten geht es, wenn Sie vorsichtig mit einem handelsüblichen Digitalthermometer die Rektaltemperatur messen.
  2. Wiegen Sie den Igel. Gesunde Igel wiegen zwischen 700 g - 1200 g.
  3. Stellen Sie das Geschlecht des Igels fest. Bei Weibchen befindet sich die Scheidenöffnung direkt unter dem Anus. Bei Männchen befindet sich der Penis (oft sieht man nur eine erhabene, häutige Stelle) mittig auf der hinteren Bauchseite.
  4. Erstellen Sie ein „Patientenblatt“. Darin halten Sie Fundort und Datum, Gewicht, Geschlecht, Körpertemperatur und alle weiteren nützlichen Infos fest. Hier können Sie später auch den „Behandlungsfortschritt“ erfassen.
  5. Bei einer Unterkühlung befüllen Sie eine Wärmflasche mit handwarmem (35 °C) Wasser und umwickeln dieses mit einem Handtuch. Legen Sie beides in einen Karton und setzen Sie den Igel darauf. Bedecken Sie den Igel mit einem weiteren Handtuch.
  6. Auf jeden Fall sollten Sie den Igel schnellstmöglich beim Tierarzt vorstellen. Er muss das Tier gründlich untersuchen und die nötige Therapie einleiten (z.B. Gabe von Medikamenten, Versorgung von Verletzungen, Behandlung eines Befalls mit Innenparasiten). Außenparasiten wie Zecken oder Fliegeneier können Sie selbst entfernen. Auch hier kann Ihnen der Tierarzt weiterhelfen.

Trauen Sie sich die Pflege des Igels (doch) nicht zu, geben Sie ihn lieber in erfahrene Hände, z.B. an eine Igelstation, ab.

Die richtige Unterkunft des stacheligen Tieres

Ist der Tierarztbesuch überstanden, müssen Sie für Ihren Schützling eine geeignete Unterbringung schaffen.

  • Freilauf in der Wohnung klingt zunächst verlockend, ist aber mit allerlei Gefahren verbunden. Daher sollten Sie ein Gehege bauen, das mindestens eine Grundfläche von 2 qm hat. Stellen Sie dieses in einem ruhigen Raum bei Zimmertemperatur und normaler Luftfeuchte auf. Ein guter Platz bietet außerdem ausreichend Tageslicht (wichtig für den Biorhythmus). Lüften Sie den Raum mehrmals täglich gut durch.
  • Kontakt zu anderen Haustieren ist verboten! Einerseits, um Krankheitsübertragungen zu verhindern, andererseits kann es ansonsten zur Abgewöhnung des natürlichen Schutzinstinktes kommen. Ist der Igel wieder in der Wildnis, hätte das fatale Folgen!

Ernährung von Igeln

Für die Ernährung von erwachsenen Igeln werden zwei Rezepte empfohlen (KAMPHUES ET AL. (2014) vgl. „Supplemente zur Tierernährung, 12. Auflage).

  • Die einfachste Methode ist die Ernährung mit Feucht-Alleinfuttermittel für Katzen, welches Sie mit 2% Weizenkleie ergänzen sollten. Einige Hersteller bieten spezielles Igelfutter an, das oft nicht angenommen wird und/oder unzureichend zusammengesetzt und daher nicht empfehlenswert ist.
  • Eine Variante, die Sie selbst herstellen können, besteht aus 60% Rindfleisch, 28,5% Vollei und 5% Maiskeimöl. Aus hygienischen Gründen erhitzen Sie alle Zutaten gut! Anschließend geben Sie 5% Weizenkleie hinzu.
  • Stets zur freien Verfügung reichen Sie Wasser. Auch Futter können Sie zunächst ohne Limit geben. Hat das Tier 800 - 900 g Körpermasse erreicht, sollten Sie die Futtermenge reduzieren, ansonsten kann es zu Verfettungen der Leber kommen.

Unter keinen Umständen sollten Sie Milch verabreichen! Auch vom Sammeln und Füttern von Insekten, Schnecken und anderem Kleingetier ist abzuraten. Sie tragen oft Parasiten in sich und schwächen daher mehr, als dass sie nützen würden.

Endlich geschafft - die Auswilderung steht bevor

Ist der Igel wieder gesund, können Sie ihn auswildern. Auch bei diesem letzten Schritt sollten Sie einige Dinge beachten.

  • Grundsätzlich können Sie einen Igel mit einem Gewicht von 700 g und mehr, bis kurz vor Einsetzen des Winterschlafs aussetzen. Igel aus dem Sommerwurf, die zwischen 500 und 600 g schwer und ansonsten gesund sind, können Sie bereits im Frühherbst in die Freiheit entlassen. Sie haben dann noch genug Zeit, um sich die erforderlichen Reserven für den Winterschlaf selbst anzufressen.
  • Igel, die erst später das erforderliche Gewicht erreichen, sollten Sie nicht im Winter aussetzen. Stattdessen sollten Sie sie in einem geeigneten Quartier (Mindestfläche 4 qm) überwintern lassen.
  • Möglich ist die Überwinterung ohne Winterschlaf. Die Temperatur sollte dann nicht unter 20 °C sinken. Entscheiden Sie sich, dem Igel einen „kontrollierten“ Winterschlaf zu ermöglichen, darf die Temperatur keinesfalls über 6 °C steigen. Ansonsten verbrauchen die Igel zu viel Energie. Minusgrade werden, ein kuscheliges Nest vorausgesetzt, dagegen gut toleriert. Spätestens im Frühjahr muss dann aber auch für die „Nachzügler“ die Entlassung in die Freiheit erfolgen!
  • Machen Sie sich klar, dass oberstes Ziel die Auswilderung ist. Wenn Sie einen Igel nicht wieder auswildern können, nehmen Sie ihn nicht dauerhaft auf! Eine permanente Haltung in menschlicher Obhut würde für ein solches Wildtier stets Leid bedeuten.
  • Im besten Fall setzen Sie den gesunden Igel dort aus, wo Sie ihn gefunden haben. Wenn Sie der Meinung sind, dass es dort zu viele Gefahren gibt, können Sie für den Igel ein neues Revier suchen. Eine Auswilderung im eigenen Garten ist daher ebenso möglich. Sie sollte aber nur langsam geschehen, etwa durch ein „Eingewöhnungsgehege“.
  • Wichtig ist, dass Sie Ihren Garten "igelfreundlich" gestalten sollten. In Reisighaufen finden Igel nicht nur Versteckmöglichkeiten, sondern auch Nahrung. Löcher von rund 10 cm Durchmesser im Zaun ermöglichen dem Igel einen sicheren Wechsel zu Nachbargrundstücken. Achten Sie darauf, gefährliche Fallen zu entschärfen. Gartenteiche sollten einen Ausstieg besitzen und Kellertreppen mit Ziegelsteinen „erklimmbar“ gemacht werden.
  • Ist der Igel in Ihrem Garten erfolgreich „angekommen“, sollten Sie ihm noch zwei Wochen lang Futter und Wasser anbieten. Danach kann er sich selbst versorgen.

Wenn Sie einen Igel retten möchten, übernehmen Sie große Verantwortung. Mit etwas Mut und viel Geduld können Sie für den Umwelt- und Naturschutz aktiv werden. Handeln Sie dabei aber nicht aus falscher Tierliebe. Igel sind keine Haustiere. Mit viel Liebe und Hingabe werden die meisten Aufzuchtversuche jedoch erfolgreich sein und für Sie zu einem unvergesslichen Erlebnis werden.

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