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Histrionische Persönlichkeit - Erklärung

Histrioniker übertreiben ihre Gefühle oft.
Histrioniker übertreiben ihre Gefühle oft.
Wenn Sie gern auffallen, die Aufmerksamkeit anderer brauchen und sich schnell zu wenig beachtet fühlen, können Sie unter einer histrionischen Persönlichkeit leiden. Sie verhalten sich auffallend, damit Sie wahrgenommen werden. Genau das kann andere auch abschrecken.

Betroffenen einer histrionischen Persönlichkeit ist es wichtig, von anderen wahrgenommen zu werden. Sie möchten im Leben der Menschen um sich herum eine bedeutende Rolle spielen.

Merkmale der histrionischen Persönlichkeit

Als Histrioniker möchten Sie, dass man Ihre Meinung hört und dass Sie ernst genommen werden. Andere sollen Ihnen signalisieren, dass sie gern mit Ihnen zusammen sind. Sie möchten Beziehungen zu anderen erhalten und Hilfe bekommen, wenn es Ihnen schlecht geht. Nun fragen Sie sich vielleicht, was daran so besonders ist, denn diese Wünsche hat nahezu jeder. Der Unterschied besteht in den Strategien, mit denen Sie die Aufmerksamkeit einfordern.

  • Gerade in der Kindheit sind der Kontakt zu den Eltern, deren Anerkennung und Unterstützung wichtig. Noch mehr als Erwachsene brauchen Kinder die Aufmerksamkeit anderer. Der entscheidende Punkt bei der Entwicklung einer histrionischen Persönlichkeit ist, dass diese Wünsche in der Kindheit und Jugend frustriert wurden.
  • Das heißt: Sie haben nicht genug Anerkennung bekommen, haben sich allein gelassen und nicht beachtet gefühlt. Vielleicht hatten Sie viele Geschwister, sodass Sie als Individuum in der Großfamilie untergegangen sind. Eine andere Ursache können Eltern sein, die wenig Zeit für ihre Kinder haben und viel arbeiten müssen. In diesen Fällen kann es passieren, dass Sie sich alleine gelassen gefühlt haben.
  • Sie hatten den Eindruck, nicht wichtig zu sein oder ignoriert zu werden. Beziehungen zu anderen haben Sie nicht als verlässlich empfunden. Sie haben gelernt, dass Kontakte auch schnell abbrechen können. Dies kann dann der Fall sein, wenn Sie als Kind oft umgezogen sind oder Sie oft allein waren und keine Freunde gefunden haben.
  • Daher haben Sie gelernt, sich auf eine bestimmte Weise zu verhalten, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Das heißt, Ihr Wunsch nach Aufmerksamkeit ist wie bei anderen Menschen auch ausgeprägt und verständlich sowie normal. Da Sie aber in Ihrer Biografie oft gemerkt haben, dass Sie diese Aufmerksamkeit nicht erhalten, haben Sie begonnen, diese aktiv einzufordern. Das unterscheidet sich von anderen und ist das Kernmerkmal der histrionischen Persönlichkeit.
  • Sie gehen indirekt davon aus, dass andere Sie von sich aus nicht genügend beachten. Daher denken Sie, dass Sie aktiv etwas für die Aufmerksamkeit anderer tun müssen. Sie bemühen sich, wichtig zu erscheinen und wollen auch, dass man Ihnen sagt, dass Sie bedeutend sind. Sie erhaschen Aufmerksamkeit, indem Sie sich vielleicht stark schminken, sehr attraktiv kleiden, Witze und Anekdoten anbringen und flirten. Dies tun Sie selbst dann, wenn es gerade nicht angemessen ist.
  • Sie dramatisieren aber auch, plustern triviale Dinge auf, haben eine auffallende und überzeichnete Mimik und drängen sich in den Vordergrund. Dies empfinden andere oft als grenzüberschreitend und unangenehm. Details und genaue Informationen gehen im Gespräch manchmal unter, weil sie nicht dramatisch genug sind. Sie wollen möglichst viel Effekt erzielen und vernachlässigen daher Tiefsinnigkeit oder Nachdenklichkeit.
  • Ihre Emotionen wirken auf andere eher aufgesetzt und übertrieben. Viele Histrioniker reagieren verärgert, wenn sie eine Zeit lang nicht beachtet wurden, etwa wenn der Partner sich mit jemand anderem unterhält. Auch Schmerzen und Leiden werden übertrieben dargestellt, um andere dazu zu bringen, sich zu kümmern.

Das histrionische Verhalten verändern

Ein wesentlicher Baustein der therapeutischen Arbeit ist das Aufklären der Biografie. Wenn es in Ihrem Leben häufig Situationen gab, in denen Sie sich nicht genug beachtet gefühlt haben, dann sollten diese bewusst gemacht werden. Wer gab Ihnen in der Kindheit zu wenig Zuwendung? Was hätten Sie sich gewünscht? Woran kann es liegen, dass Sie nicht genug Zuwendung erhalten haben?

  • Ebenso sollen Sie sich ihrer eigenen Wünsche bewusst werden. Menschen mit histrionischer Persönlichkeitsstörung achten oft sehr auf andere und orientieren sich an deren Werten, um akzeptiert zu werden. Eigene innere Wünsche werden vernachlässigt.
  • Um das manipulative Verhalten abzulegen, können Sie gezielt prüfen, was passiert, wenn Sie sich komplett anders handeln. Wenn Sie beispielsweise nach dem Kennenlernen anderen oft fantastische Geschichten erzählen und viel reden, dann testen Sie, was passiert, wenn Sie wenig reden. Stellen Sie also Kontakt zu anderen her (z.B. jemanden in einer Bar ansprechen oder online kennenlernen) und halten Sie sich dann bewusst zurück. Reden Sie weniger als sonst, vermeiden Sie es, Dinge aufzubauschen. Beobachten Sie, was dann passiert.
  • Häufig werden Sie erleben, dass die anderen Ihnen dennoch Aufmerksamkeit schenken. Viele freuen sich über einen guten Zuhörer und kommen auf Sie zu.
  • Wenn Sie mehr über die histrionische Persönlichkeit und Persönlichkeitsstörungen lesen, werden Sie sich bestimmt in vielem Wiedererkennen. Sich der Problematik bewusst zu werden, ist ein erster, wesentlicher Schritt. In den bereits erwähnten Verhaltenstests können Sie versuchen, bewusst einige typisch histrionische Verhaltensweisen „abzuschalten“ bzw. sich gegenteilig zu verhalten und prüfen, wie andere dann reagieren. So lernen Sie, dass Sie auch ohne viel Aufwand Beachtung finden.

Dennoch ist es nicht leicht, ein über Jahre oder Jahrzehnte ausgeübtes Verhalten zu ändern. Eine Selbsthilfegruppe oder ein auf Persönlichkeitsstörungen spezialisierter Therapeut hilft Ihnen dabei.

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