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Charakterisierung der Wilhelm-Tell-Figuren - Überblick

Charakterisierung der Wilhelm-Tell-Figuren - Überblick2:03
Video von Jule Jansson 2:03

Das Drama „Wilhelm Tell“ von Friedrich Schiller verarbeitet die Legende eines Schweizer Freiheitskämpfers, der im 14. Jahrhundert gelebt haben soll. Schiller hat als Autor den Figuren seines Stückes verschiedene Funktionen zugewiesen. Beachten Sie deshalb die Charakterisierung der wichtigsten Personen im Werk.

Wilhelm Tell -  Zusammenfassung

Merken Sie sich: 1804 fand die Uraufführung des Dramas statt. Es entstand unter dem Eindruck der Französischen Revolution. Im „Wilhelm Tell“ finden Sie nicht nur einzelne Passagen, die an die Geschehnisse in Frankreich erinnern. Auch Kritik und die Suche nach alternativen Lösungen sind verarbeitet. Die verschiedenen Figuren verdeutlichen die unterschiedlichen Positionen.

  • Der Schauplatz ist die Schweiz. Die Bewohner des Stückes haben jahrhundertelang unabhängig und frei gelebt und nur den Kaiser als obersten Herrn anerkannt, das heißt, sie genossen Reichsunmittelbarkeit. Die österreichischen Habsburger wollen dies ändern und versuchen, die alten Lehensverhältnisse zu missachten und die Schweiz in ihren zentralistisch regierten Staat einzugliedern.
  • Dagegen wehren sich die Bewohner der Landes. Hermann Gessler, welcher von den Habsburgern als Reichsvogt eingesetzt wurde, regiert sie mit Willkür und Gewalt. Beim Lesen des Dramas werden Sie feststellen, dass er dabei mit Wilhelm Tell aneinander gerät, der seine Heimat, wie viele andere, verteidigen möchte.

Charakterisierung der Hauptfigur

  1. Die Hauptperson ist Wilhelm Tell. Er lebt mit seiner Frau und den Söhnen friedlich und unabhängig in seinem eigenen Haus, ist Lastträger, Fährmann und ein hervorragender Bogenschütze. Wilhelm Tell wird als Mann der Tat beschrieben, der für sich und seine Familie gut sorgt: „Die Axt im Haus erspart den Zimmermann.“ (3. Aufzug, 1. Szene)
  2. Beachten Sie: Trotz aller Unabhängigkeit besitzt Tell ein starkes Gerechtigkeitsempfinden. Er hilft den unterdrückten Landsleuten, wenn dies nötig ist. Schon in der Eröffnungsszene unterstützt er den Flüchtling Baumgarten bei der Flucht, indem er ihn über den See fährt.
  3. Aber bedenken Sie: An der politischen Verschwörung der anderen Bewohner aus den Schweizer Kantonen beteiligt er sich nicht. Die treffen sich zum Rütli-Schwur, den Sie in der zweiten Szene des zweiten Aufzuges nachlesen können. Erst als der Vogt Gessler ihn zwingt, mit einem Bogen einen Apfel vom Kopf des eigenen Sohnes zu schießen, sinnt der gutmütige und zurückgezogene Privatmann Tell auf Rache. Er tötet Gessler.

Funktion anderer Figuren

  1. Schweizer Bürger: Unter der Führung von Werner Stauffacher, Walter Fürst und Arnold von Melchtal wehren sich die Landsleute gegen die Fremdherrschaft. Beachten Sie die vielen Andeutungen auf die Französische Revolution. Beispielsweise erinnert der Rütli-Schwur an den Ballhausschwur: „Eine Grenze hat Tyrannenmacht.“ (2. Aufzug, 2. Szene)
  2. Bedenken Sie allerdings, dass die Figuren in der Szene den blutigen Ereignissen in Frankreich eine Absage erteilen. Ihnen geht es nicht um den Umsturz aller bisherigen Werte, sondern um die Wiederherstellung ihrer alten Freiheit: „Die alten Rechte … wollen wir bewahren. Nicht ungezügelt nach dem Neuen greifen. Wer einen Herrn hat, dien ihm pflichtgemäß.“
  3. Habsburger: Vor allem Hermann Gessler, der Reichsvogt, verkörpert die Fremdherrschaft. Er regiert mit Willkür über die Menschen und stellt unsinnige Gesetzte auf. Seine Grausamkeit gipfelt in der Apfel-Szene, in der er Tell zwingt, auf seinen eigenen Sohn zu schießen.
  4. Adel: Bei der Charakterisierung des heimischen Adels erkennen Sie dessen Uneinigkeit. Während der alte Freiherr von Attinghausen auf der Seite des Volkes ist und dessen Rechte achtet, orientiert sich sein Neffe Rudenz nach Österreich und möchte sich mit den Habsburgern verbünden. Der Adel zeigt sich als überholt. Merken Sie sich: Er ist nicht beim Rütli-Bund vertreten: „Was braucht’s des Edelmanns? Lasst’s uns allein vollenden.“ (1. Aufzug, 4. Szene)
  5. Frauen: Bei der Charakterisierung der Frauen sollten Sie sich merken, dass die handelnden Personen des Stückes ausschließlich Männer sind, was dem damaligen Rollenverständnis entspricht. Die Frauen agieren als Beraterinnen im Hintergrund, hier kommt ihnen allerdings eine wichtige Funktion zu. Gertrud, die Frau von Werner Stauffacher, animiert ihren Mann erst dazu, gegen die Willkürherrschaft aufzustehen. Und auch Rudenz lässt sich von seiner angebeteten Berta von Bruneck überzeugen, nicht mit den Habsburgern zusammenzuarbeiten.

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