Alle Kategorien
Suche

Höhlengleichnis richtig interpretieren

Höhlengleichnis richtig interpretieren2:21
Video von Jule Jansson 2:21

Das Höhlengleichnis von Platon diente diesem griechischen Philosophen einst dazu, seine Ideenlehre und seine Vorstellung von einem idealen Staat zu verdeutlichen. Auch heute noch wird es im Unterricht im Zusammenhang mit der Idee des Guten und der Frage "Was kann der Mensch erkennen?" genutzt.

Das Höhlengleichnis und wie es gedeutet werden kann

  • Bei der Frage "Was kann der Mensch erkennen" gibt Platon in seinem Höhlengleichnis vier Stufen der Erkenntnis vor.
  • In seinem Höhlengleichnis leben Gefangene von Kindheit an in einer Höhle und sind an Ketten gefesselt. Sie blicken auf eine Felswand, während hinter ihnen ein Feuer flackert, sodass sie nur die Schatten von Gegenständen, die man hinter ihnen vorbeiträgt, erkennen können. So eingeschränkt halten diese Menschen die Schattenbilder, das Einzige, was sie wahrnehmen können, für die Wirklichkeit, die "wahre Welt". Damit befinden sie sich laut Platon auf der ersten Stufe der Erkenntnis, nämlich der sinnlichen Wahrnehmung.
  • Nun werden einem der Gefangenen die Fesseln abgenommen und er wird umgedreht. Hierin sah Platon den ersten wesentlichen Aspekt einer (philosophischen) Erziehung. Nun sieht der Gefangene die Realität auf der Erde, die er nach einiger Zeit der Gewöhnung an das Licht für die Wirklichkeit hält. Aber er möchte zurück ins bequeme Dunkel, denn das Feuer blendet ihn.
  • Platon sieht darin den nur widerwillig angenommenen Lernprozess des Menschen, man muss ihn zu höherer Erkenntnis zwingen.
  • Anfangs hatte er in Form von Schatten nur ein Abbild der Welt, jetzt aber muss er selbst Erkenntnisse sammeln. Dies kann er symbolisch tun, indem er in Platons Gleichnis nach oben wandert und die Augen auf die Gestirne richtet und - laut Platon - die Idee des Guten, symbolisiert durch die Sonne, erkennt. Und speziell wird er erkennen, dass das Licht der Sonne die Schatten wirft, die er für die Wirklichkeit gehalten hatte.
  • Sein altes Leben in der Höhle wird er jetzt gewiss nicht wieder aufnehmen wollen, ja er wird den anderen sogar über die "wahre Welt" berichten wollen.
  • Der befreite Mensch kehrt also in die Höhle zurück, um den anderen Gefangenen zu berichten und diese ebenfalls zu befreien. Diese wehren sich jedoch, denn sie wollen in Bequemlichkeit in der Höhle verbleiben, statt Erkenntnisse zu sammeln. Sie lachen ihn sogar als "Geblendeten" aus.
  • Das Höhlengleichnis diente Platon als Erziehungskonzept, dessen höchstes Ziel die Idee des Guten im Erkenntnisprozess darstellt. Und im Text gibt er auch gleich eine Deutungshilfe: Das Sichtfenster bestimmt unsere Erkenntnis. Das beschränkte Sichtfeld kann den Fesseln ähnlich sein und das Feuer dem Sonnenlicht, jedoch liefern beide nur ein Abbild der tatsächlichen Welt.
  • Die Höhle steht in diesem Gleichnis steht für die von den Menschen sinnlich wahrnehmbare Welt. Der Aufstieg des befreiten Gefangenen für den Weg hinauf zur Erkenntnis, in Platons Fall der Idee des Guten, die im Höhlengleichnis mit der Sonne gleichgesetzt wird. 
  • Der Mensch soll also seine geistigen Fähigkeiten nicht nur auf das mit den Sinnen Wahrnehmbare, das ihn unmittelbar umgibt, konzentrieren, sondern auch darüber nachdenken, was sich hinter dieser sichtbaren Welt verbirgt, also auf den ideellen Ursprung der Dinge. Der Mensch soll also nach höherer Erkenntnis streben.

Verwandte Artikel