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Pfropfen - so veredeln Sie Obstbäume

Wenn Sie Ihre Obstbäume veredeln möchten, bietet sich dazu das Pfropfen an. Dies verbessert die Fruchtqualität und Sortenvielfalt.

Durchs Pfropfen erzielt man veredelte Sorten.
Durchs Pfropfen erzielt man veredelte Sorten.

Was Sie benötigen:

  • Sehr scharfes Veredelungsmesser
  • Bast oder anderes Veredelungsband
  • Wachs

Allgemeine Informationen zum Pfropfen

Pfropfung ist eine alte Kunst zur Veredelung von Pflanzen. Dabei setzen Sie eine Art Zweig eines besonders guten Obstbaums, der hochwertige Früchte trägt, auf den Stummelast eines anderen Obstbaums und verbinden diese. Veredeln können Sie Zierbäume, Obstbäume, Weinreben und Kakteen.

Pfropfung verbessert die Fruchtqualität und Sortenvielfalt, vermeidet Krankheiten der Bäume oder verschiebt die Reifezeit. Wichtig ist, dass Sie nur artverwandte Obstsorten pfropfen. Pfropfen Sie beispielsweise nur Apfelsorten untereinander und Sauerkirsche auf Süßkirsche.

Der Zweig des edlen Baumes, den Sie benötigen, nennt sich Edelreis. Der angesägte Stummelast des zu veredelnden Baumes, an den Sie das Edelreis anbringen, nennt sich Pfropfkopf. Bereits im Winter schneiden Sie das Edelreis auf mindestens zehn Zentimeter zu. Dieses darf nicht verwelkt sein und soll noch nicht ausgetrieben haben.

Der Baum, den Sie pfropfen möchten, darf keinesfalls zu alt sein. Bevorzugen Sie Äste mit einem Durchmesser von drei bis sechs Zentimetern. Je nach Region Ende April oder Anfang Mai, wenn die Rinde sich zu lösen beginnt, beginnen Sie mit dem Pfropfen.

Schneiden Sie den Baum zurecht. Dabei lassen Sie aber genügend Äste verbleiben, die dem Baum das Überleben sichern. Diese unedlen Zweige dürfen sich nicht in direkter Nachbarschaft mit den zu veredelnden Zweigen befinden. Das Edelreis sollte vier oder fünf Zugaugen haben.

So gehen Sie beim Pfropfen von Obstbäumen vor

  1. Kopulationsschnitt durchführen. Schneiden Sie mit dem Veredlungsmesser am Edelreis einen Kopulationsschnitt als Unterlage. Der Schnitt muss absolut glatt sein und in einer Ellipse eine Schnittfläche von circa vier Zentimetern Länge haben.
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    © Rüdiger Bäse
  2. Rinde lösen. Jetzt lösen Sie am Pfropfkopf die Rinde in der Länge der Fläche des Kopulationsschnitts am Edelreis. Hierbei dringen Sie bis zum Kambiumgewebe des Baums vor. Am besten geschieht dies, wenn Sie das Messer so tief in die Rinde einführen, bis Sie ein Knacken hören. Nun wissen Sie, dass Sie auf den Holzteil des Zweiges gestoßen sind.
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    © Rüdiger Bäse
  3. Rinde anheben. Heben Sie die Rinde vorsichtig an, klappen Sie jedoch nicht ganz auf.
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    © Rüdiger Bäse
  4. Edelreis hinter Rinde schieben. Schieben Sie das Edelreis mit der Spitze so weit hinter die Rinde, dass noch ein ungefähr fünf Millimeter langes Stück der Kopulationsfläche des Edelreises in Form eines Halbmondes zu sehen ist.
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    © Rüdiger Bäse
  5. Edelreis mit Bast befestigen. Verbinden Sie das Edelreis mit Bast. Die beiden ersten Bahnen legen Sie an den Schnittflächen des Pfropfkopfs eng an und ziehen diese straff an.
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    © Rüdiger Bäse
  6. Zugaugen freilassen. Achten Sie darauf, die Zugaugen frei zu lassen.
  7. Schnittflächen versiegeln. Anschließend versiegeln Sie die Schnittflächen am Edelreis und am Pfropfkopf. Dazu soll das Veredelungswachs streichfähig und nicht zu flüssig sein.
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    © Rüdiger Bäse

Folgende Punkte sind beim Veredeln wichtig

  • Vermeiden Sie, die Schnittflächen zu berühren.
  • Führen Sie das Pfropfen nicht an Regentagen durch, da sonst Wasser auf die Schnittflächen gelangt.
  • Befestigen Sie zusätzlich einen Stab am Pfropfkopf, um Vögeln einen Sitzplatz zu sichern. Ansonsten bricht das Edelreis ab.
  • Reißen Sie Triebe in der Nähe des Pfropfkopfs ab, diese rauben dem Edelreis Saft und Kraft.
  • Wässern Sie den Pfröpfling, falls große Trockenheit herrscht.
  • Kontrollieren Sie, ob die Edelsorten von Schädlingserregern befallen wurden und behandeln Sie diese gegebenenfalls.
  • Neue, unedle Triebe des Baumes entfernen Sie im Folgewinter oder veredeln diese wieder.

Falls Sie mit dem Resultat des Veredelns nicht zufrieden sind oder dies nicht gelungen ist, achten Sie darauf, beim nächsten Mal ein scharfes Veredelungsmesser zu verwenden. Kontrollieren Sie die Edelreiser, ob sie schon ausgetrieben hatten. Achten Sie auf eine gute Fixierung mit Bast oder einem anderen Veredelungsband und bemühen Sie sich, das Wachs sorgfältig zu verstreichen.

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