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Klingelhöschen bei Kindern anwenden - so geht's

Wenn Ihr Kind über sieben Jahre alt und nachts noch nicht trocken ist, sollten Sie darüber nachdenken, ein Klingelhöschen auszuprobieren. Ein Klingelhöschen kann Ihrem Kind helfen, auch nachts zu realisieren, dass es zur Toilette gehen muss, denn bereits beim ersten Urintropfen, der in das Höschen gelangt, beginnen elektronische Sensoren, die sich in diesem Höschen befinden, Alarm zu schlagen, damit Ihr Kind aufwacht und spürt, dass es zur Toilette muss. Aber überfallen Sie Ihr Kind auf keinen Fall mit der Tatsache, dass es nun plötzlich ein Klingelhöschen tragen muss, sondern geben Sie Ihrem Kind die Chance, selber hinter dieser Entscheidung zu stehen.

Helfen Sie Ihrem Kind, beruhigt einzuschlafen.
Helfen Sie Ihrem Kind, beruhigt einzuschlafen.

Ein Kingelhöschen ist nicht für Kleinkinder geeignet

  • Kinder brauchen unterschiedlich viel Zeit, um auch nachts ihre Schließmuskeln unter Kontrolle zu bekommen. Machen Sie sich deshalb keine Sorgen, wenn Ihr Kind im Kleinkindalter, bis zu drei oder vier Jahren noch immer das Bett nass macht. Je älter Ihr Kind wird, umsomehr wird es durch sein Unterbewusstsein die Nervensignale spüren lernen und aufwachen, wenn es zur Toilette gehen muss.
  • Sie können dieses "Wahrnehmen der Nervensignale" ohne Klingelhöschen unterstützen, indem Sie mit Ihrem Kind vor dem Schlafengehen immer wieder besprechen, dass es auch nachts zur Toilette gehen kann. Informieren Sie Ihr Kind darüber, dass Sie es einmal in der Nacht auf die Toilette setzen werden. Viele Kleinkinder wachen bei dieser nächtlichen Prozedur nicht einmal richtig auf, sondern realisieren nur im Unterbewusstsein, das sie gerade auf der Toilette sitzen.
  • Wenn Ihr Kind zum ersten Mal das Bett trocken gelassen hat, ist das für Ihr Kind ein guter Antrieb, weiterhin nachts trocken bleiben zu wollen und Sie werden es von nun an gemeinsam auch ohne Klingelhöschen schaffen. Sowie Ihr Kind vierzehn Tage nacheinander das Bett trocken gelassen hat, können Sie davon ausgehen, dass dies nun dauerhaft sein wird. Sollte Ihr Kind jedoch nach geraumer Zeit wieder rückfällig werden oder es bis zum 7, bzw. 8. Lebensjahr nicht geschafft haben, nachts trocken zu bleiben, kann ärztliche Hilfe notwendig werden.
  • Bedenken Sie, dass Ihr Kind sich jeden Morgen, wenn das Bett wieder nass geworden ist, äußerst schlecht fühlt, denn die Situation wird es nicht nur schambesetzt, sondern auch als sehr deprimierend empfinden. Gehen Sie also behutsam vor. Erklären Sie Ihrem Kind, dass Sie gemeinsam, schauen, wollen, was man tun kann und verabreden Sie, ein "Blasentagebuch" zu führen. Das bedeutet, dass Sie 14 bis 21 Tage lang aufschreiben, wann das Bett trocken geblieben und wann es nass geworden ist.
  • Bereiten Sie Ihr Kind auf eine körperliche Untersuchung bei einem guten (Kinder-)Urologen vor. Der Urologe kann aus Ihrem Blasentagebuch schon vieles ableiten und wird anhand weiterer Untersuchungen feststellen, ob körperliche oder psychische Ursachen der Grund für das nächtliche Einnässen sind. Je nachdem, was der Arzt feststellt, kann es sein, dass er Ihrem Kind ein Klingelhöschen verschreibt oder, was für Jungen manchmal geeigneter sein kann, eine Klingelmatte.

Die Kontrolle über die Blase muss man erlernen

  • Bereits mit der Geburt beginnt der Lernprozess, indem das Gehirn immer mehr Nervenzellen miteinander verknüpft. Diese Lernprozesse verlaufen bei jedem Kind unterschiedlich. Zwar lassen sich die Lernprozesse unterstützen, jedoch nicht beschleunigen. Auch das Gehirn muss lernen, innere Organe, wie zum Beispiel die Blase, kontrolliert zu steuern.
  • Ein Kind kann nur seine Blase kontrollieren, wenn es lernt, auf einige Muskel- und Nervensignale im Körper zu reagieren. D.h. das Gehirn muss die Signale richtig zuordnen. Dazu müssen vier Körperfunktionen ausgereift sein: 1. muss das Kind gelernt haben, welche Signale zum Aufwachen animieren. 2. der Hormonhaushalt muss trainiert werden, die Urinproduktion nachts zu reduzieren. 3. die Kontrollfähigkeit über den Schließmuskel muss entwickelt sein. 4. Die Beckenbodenmuskulatur benötigt eine gewisse Stabilität.
  • Die Ursachen für das nächtliche Einnässen können sehr vielfältig sein, z. B. weil das Kind zuvor viel harntreibende Getränke zu sich genommen und noch keine Kontrolle über den Schließmuskel hat oder weil vielleicht eine Schlafapnoe vorliegt, also ein kurzfristiger Kontrollverlust durch Sauerstoffmangel oder weil eine Infektion vorliegt. Auch Fehlbildungen im Harnbereich oder eine Zuckerkrankheit können das Bettnässen begünstigen. Eine körperliche Untersuchung ist daher unumgänglich.
  • Sollte der Arzt eine "sekundäre Enuresis" bescheinigen, dann bedeutet das, das Ihr Kind unter einem psychischen Druck leidet. Ob in dem Fall ein Klingelhöschen zu empfehlen ist, oder besser eine andere Vorgehensweise, wird Ihr Arzt mit Ihnen besprechen. Vergessen Sie nie, dass Bettnässen für Kinder einen großen Leidensdruck bedeutet.

Ein Klingelhöschen ist ein elektronisches Wecksignal

  • So ein Klingelhöschen ist mit Sensoren ausgestattet, die beim ersten Feuchtigkeitskontakt zu klingeln beginnen. Kinder, die nicht darauf vorbereitet sind, können sich erschrecken, benommen aufwachen und dann durch diese "Schrecksituation" doch ins Bett nässen. Wenn Ihnen der Arzt ein Klingelhöschen verschrieben hat, sollten sie es mit Ihrem Kind besprechen und vor dem ersten Gebrauch gemeinsam mit einem Wassertropfen ausprobieren.
  • Erklären Sie Ihrem Kind, dass dieses Klingelhöschen nur eine Hilfestellung bedeutet und sicher bald seine Funktion verlieren wird. Auf keinen Fall dürfen Sie mit einer Maßnahme, wie dem Einsatz einer Klingelhose oder Klingelmatte drohen, denn Strafe hat Ihr Kind nicht verdient, denn es nässt nicht ein, weil es Sie ärgern möchte, sondern weil es Hilfe braucht. Bringen Sie Geduld auf, während Ihr Kind lernt, mit dem Klingelhöschen umzugehen. Es kann einige Wochen dauern.



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