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Vergessene Erfindungen - so funktioniert ein Flettner-Rotor

Zwei hohe Säulen auf einen Schiff und kein Dieselmotor? Anfang des letzten Jahrhunderts waren tatsächlich solche Schiffe mit sog. Flettner-Rotoren auf den Meeren unterwegs. Inzwischen gehört diese Antreibstechnik zu den (fast) vergessenen Erfindungen.

Heute wieder für Windkraft unterwegs - Flettner-Rotoren
Heute wieder für Windkraft unterwegs - Flettner-Rotoren © Andrea_Damm / Pixelio

Flettner-Rotoren - ein einzigartiger Schiffsantrieb

  • In den 1920er-Jahren konstruierte der Ingenieur Anton Flettner einen für Schiffe geeigneten Antrieb, der aus zwei aufrecht stehenden, rotierenden Zylindern bestand.
  • Sein Schiff "Buckau", das mit diesem Antrieb ausgestattet wurde, ist geradezu das Sinnbild für umweltfreundliche, aber leider (fast) vergessene Erfindungen dieser Art.
  • Der Antrieb mit rotierenden Zylindern basiert physikalisch auf dem sog. Magnus-Effekt, benannt nach Heinrich Magnus, der ihn Mitte des 19. Jahrhunderts untersuchte, allerdings bei Geschossen.
  • Das Prinzip ist, dass auf Körper, die sich in einer Strömung fortbewegen, egal, ob Luft oder Wasser, und sich gleichzeitig drehen, seitliche Kräfte wirken. Dieser Effekt ist übrigens auch bei angedrehten Bällen und Bananenflanken im Fußball bekannt.
  • Grund ist, dass auf beiden Seiten des Körpers Luft- bzw. Flüssigkeitsteilchen (durch Reibung) mitgerissen werden. Durch die Drehung bildet sich auf einer Seite ein Unterdruck, auf der anderen ein Überdruck aus - die Magnuskraft entsteht und drückt den Körper seitlich weg. Diese ablenkende Kraft treibt den Rotor (und natürlich das Schiff) an. Allerdings sind diese Schiffe auf seitliche Windbewegungen angewiesen. Wie beim Segeln auch muss also für die Fahrt die Windrichtung berücksichtigt werden - ein Zickzackkurs ist daher manchmal unausweichlich.
  • Dem US-Amerikaner Robert Fulton, der im eigentlichen Sinne kein Erfinder, sondern …

Vergessene Erfindungen? - Beim Flettner vielleicht doch nicht

  • In Zeiten billiger Kohle und preiswerten Schiffsdiesels gerieten die umweltfreundlichen Erfindungen Flettners jedoch nahezu in Vergessenheit - wie auch Segelschiffe als Transportmittel.
  • Erst im Jahr 1985 wurde die vergessene Idee vom Meeresforscher Cousteau wieder aufgegriffen. Er erweiterte das Forschungsschiff Alcyone um zwei Flettner-Rotoren (als Unterstützung). Es fährt heute noch für die Cousteau Society.
  • Im Jahr 2006 baute die Uni Flensburg einen (für die Freizeit geeigneten) Katamaran, den UniKat, der einen Flettner-Rotor als Antrieb besitzt. Besonders interessant ist hier, dass ein Elektromotor die Rotoren in Drehung versetzt, dessen Akkus mit Solarzellen aufgeladen werden. 
  • Das zweifelsohne interessanteste Projekt in Sachen "vergessene Erfindungen" ist jedoch das Frachtschiff "E-Ship", das mit vier Flettner-Rotoren den Dieselmotor unterstützt (und so für den Windradbauer Enercon) jede Menge Schiffsdiesel einspart.
  • Denkbar ist jedoch, dass diese umweltfreundliche Erfindung in Zeiten knapper (und teurer) werdender Energien wieder aus der Vergessenheit gehoben wird.
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