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Sonnenblume: Aufbau der Blüte - wissenswerte Informationen zur Blume

Die Sonnenblume ist eine dekorative und beliebte Gartenpflanze. Besonders spektakulär ist der botanisch interessante Aufbau ihrer Blüte.

Der Aufbau der Blütenstände ist für Laien schwer verständlich, aber nicht minder bezaubernd.
Der Aufbau der Blütenstände ist für Laien schwer verständlich, aber nicht minder bezaubernd. © gnubier / Pixelio

Die Sonnenblume (Helianthus annuus) gehört zur Familie der Korbblütengewächse (Asteraceae). Ursprüngliche Heimat ist Nord- und Mittelamerika und bereits die Inka vergötterten die Pflanze. Seefahrer brachten um 1560 erste Samen nach Europa. Seither ist sie überall verbreitet und aus vielen Gärten nicht mehr wegzudenken.

Als Nutzpflanze spielt die Sonnenblume eine Rolle in der Ökologie, denn sie entzieht dem Boden Giftstoffe wie Schwermetalle. Darum sind so gut wie alle Teile der Pflanze giftig oder ungenießbar. Eine Ausnahme stellen die fettreichen Kerne der Pflanze dar, die in Vogelfuttermischungen enthalten sind, zum Backen verwendet werden, als Kaffeeersatz dienen oder hochwertiges Speiseöl liefern.

Sex auf Pflanzenart - Aufbau der Blüte

Bevor es um die Blüte der Sonnenblume geht, stellt sich die Frage, was ist eine Blüte überhaupt ist. Wie alle Lebewesen zeugen Pflanzen Nachkommen, indem sich männliche und weibliche Keimzellen vereinigen. Die Blüte ist ein Kurzspross, der als morphologische Einheit die Fortpflanzungsorgane enthält.

Bei einigen Pflanzenarten befinden sich männliche und weibliche Fortpflanzungsorgane auf unterschiedlichen Blüten oder sogar unterschiedlichen Individuen (Botaniker bezeichnen diese Blüten als zweihäusig). Die meisten, dazu gehören auch Sonnenblumen, sind einhäusig, ihre Blüten sind also zwittrig. Der allgemeine Aufbau einer einhäusigen Pflanzenblüte ist auf Grafik 1 zu sehen.

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© Fabian Löffler

Die eigentlichen Fortpflanzungsorgane, Staubblätter und Stempel, werden von einer Blütenhülle bestehend aus Kron- und Kelchblättern umgeben. Sie schützt die Sexualorgane beispielsweise vor Regen, besonders die Kronblätter dienen darüber hinaus oft dem Anlocken von Bestäubungspartnern wie Bienen.

Die Pollenkörner enthalten die männliche Keimzelle, im Stempel verborgen liegt die weibliche Eizelle in der Samenanlage. Gelangt ein Pollenkorn auf die Narbe, so wächst vom Pollenkorn aus eine röhrenförmige Struktur, der Pollenschlauch, bis zur Eizelle. Über diese gelangt die männliche Keimzelle zur Eizelle und kann diese befruchten.

Blüte oder Blume? Infloreszenz der Sonnenblume

Es wird Sie verwundern, aber was Sie bisher vermutlich als „Blüte“ der Sonnenblume bezeichnet haben, ist gar keine. In Wahrheit ist die „Blüte“ ein Blütenstand, Infloreszenz genannt. Sie setzt sich aus vielen Einzelblüten zusammen. Ähnliche Blütenstände kennen Sie vermutlich: Die Dolde der Karotte, die Rispe der Weinbeere oder die Traube bei Hyazinthen. Der Blütenstand der Korbblütler inklusive der Sonnenblume ist jedoch ganz besonders.

Die Einzelblüten sind winzig, sitzen auf einem verbreiterten, tellerartigen Blütenstandsboden und bilden den Blütenkorb, auch Köpfchen genannt. Der Blütenkorb wird umgeben von Hüllblättern (nicht verwechseln mit den Kelchblättern einer Blüte). Diese „Blütenstandshülle“ heißt Involucrum.

Die Kelchblätter der eigentlichen Blüten sind reduziert oder zu einem Pappus umgebildet (einer Art „Flugorgan“, wie Sie es von der Pusteblume kennen). Die Frucht der Korbblütler ist eine Sonderform der Nuss, die Achäne. Bei dieser sind die Samenschale und die Fruchtschale miteinander verwachsen.

Das Aussehen der Blüten kann zwei Formen annehmen: Röhrenblüte oder Zungenblüte. Die fünf Kronblätter sind bei Röhrenblüten miteinander zu einer fünf-zipfeligen „Röhre“ verschmolzen, bei den Zungenblüten bilden die Kronblätter eine charakteristische „Zunge“. Bei einigen Korbblütlern kommen nur Röhren- (zum Beispiel Rainfarn) oder nur Zungenblüten (beispielhaft Löwenzahn) vor, bei anderen dagegen wird der Blütenstand aus beiden Blütenformen gebildet.

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© Fabian Löffler

Bei der Sonnenblume befinden sich die dunkelbraunen Röhrenblüten im Zentrum des Blütenstandes. Sie sind in Spiralen angeordnet, die auf der Fibonacci-Folge, basieren. Die randständigen Blüten sind Zungenblüten und haben ihre Fertilität weitgehend verloren. Ihre Aufgabe besteht darin, als weithin sichtbares Signal Bestäuber anzulocken.

Der Blütenkorb der Sonnenblume kann einen Durchmesser von bis zu 40 Zentimetern erreichen, einer der größten Blütenköpfe der Pflanzenwelt. Die Zungen der randständigen Blüten können, je nach Sorte, zehn Zentimeter lang werden. Durch die unfruchtbaren Zungen werden Insekten angelockt und in Richtung der fruchtbaren Röhrenblüten gelotst. Nur dort entwickelt sich deshalb später der Samen, der Sonnenblumenkern.

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© Fabian Löffler

Bleibt die Frage zu klären, was der Unterschied zwischen Blüte und Blume ist. Während die Blüte ein klar umgrenztes „Organ“, also eine morphologische Einheit, ist, bezeichnen Botaniker mit dem Begriff Blume eine bestäubungsökologische Einheit, also alle Teile einer Pflanze, die der Bestäubung dienlich sind.

Sie können den Blütenkorb der Sonnenblume daher als Blume bezeichnen (denn das gesamte Körbchen soll Bestäuber anlocken), wenn Sie von einer Blüte sprechen, ist damit jedoch nur eine einzelne Zungen- oder Röhrenblüte gemeint.

Steckbrief der Sonnenblume

Trivialname

Sonnenblume

Wissenschaftlicher Name

Helianthus annuus L.

Systematik

Familie: Korbblütler (Asteraceae)

Unterfamilie: Asteroideae

Tribus: Heliantheae

Gattung: Sonnenblumen (Helianthus)

Verwandtschaft

Nahe verwandt ist die tropische Nutzpflanze Topinambur (H. tuberosus)

Vegetative Merkmale

Einjährige, krautige Pflanze

Wuchs bis 2 Meter hoch

Blätter wechselständig, herzförmig, deutlich in Stiel und Spreite gegliedert

bis 40 Zentimeter lang und 35 Zentimeter breit

Rand gesägt

Stängel behaart  

Generative Merkmale

Blütenstand: typischer Aufbau der Asteroideae (Korbblütler mit Zungen- und Röhrenblüten)

Blütenköpfe im Durchmesser 10 bis 40 Zentimeter

randständige, gelbe Zungen-, zentrale, braune Röhrenblüten

Blütenkorb folgt stets dem Sonnenlicht; Frucht (Sonnenblumenkern) ist eine Achäne

Pappus nicht vorhanden, Korbboden dafür mit Spreublättern gesäumt

Aussaat

Dunkelkeimer; Samen entweder im Gewächshaus vorziehen, ansonsten Aussaat im Freien nach den Eisheiligen Ende Mai

Substrat und Pflege

Nährstoffreiche Blumenerde, Kompost

benötigt viel Wasser

einmal wöchentlich mit Grün- oder Gartenpflanzendünger versorgen oder organischen Langzeitdünger (Hornspäne, Blutmehl,…) verwenden

Blüte

Juli bis September

Samen können für die Aussaat im Folgejahr geerntet werden

leere Blütenstände, wenn nicht rückgeschnitten, sind im Winter ein Blickfang

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