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Montanbereich - Begriff und Industriezweig vorgestellt

"Krise im Montanbereich" - in den 60er Jahren waren derartige Schlagzeilen an der Tagesordnung. Der vormals blühende Industriezweig erlebte damals seinen allmählichen Niedergang mit dramatischen Folgen für die betroffenen Regionen. Doch was genau unter dem Begriff "Montanindustrie" zu verstehen ist, wissen viele Menschen gar nicht.

Glühend heiß - in den Hochöfen der Stahlindustrie wird flüssiges Roheisen produziert.
Glühend heiß - in den Hochöfen der Stahlindustrie wird flüssiges Roheisen produziert.

Vom Bergbau bis zur Stahlherstellung - der Begriff Montanbereich

Der Montanbereich ist in vielen Ländern ein wesentlicher Bestandteil der Volkswirtschaft. Der Begriff selbst ist jedoch eine urdeutsche Wortschöpfung. 

  • Wenn Sie den Ursprung des Begriffs "Montanbereich" kennen, wird auch schnell klar, worum es sich dabei handelt. Die Vorsilbe "Montan" leitet sich vom lateinischen Wort "mons" ab, zu deutsch "Berg". 
  • Unter den Begriff werden daher all jene Industriezweige zusammengefasst, in denen es um die Gewinnung, Aufbereitung und Weiterverarbeitung von Produkten aus dem Bergbau geht. Dazu zählt der Kohlen- und Erzbergbau ebenso wie die Eisen- und Stahlindustrie (auch häufig Schwerindustrie genannt).
  • Geprägt wurde der Begriff durch die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl, kurz EGKS genannt und in Deutschland auch unter dem Namen "Montanunion" bekannt. Dieser Wirtschaftsverband war ein Vorläufer der Europäischen Gemeinschaft und existierte von 1951 bis 2002. Mitgliedsstaaten waren  Deutschland, Belgien, Italien, Frankreich, Luxemburg und die Niederlande.

Angesiedelt hat sich die Montanindustrie vor allem dort, wo es reiche Vorkommen an Kohle oder Eisenerz gab - in Deutschland vor allem im Ruhrgebiet, dem Saarland und in Oberschlesien. Wenn Sie heute dorthin fahren, werden Sie überrascht sein: Aus monströsen Industrierevieren wurden blühende Landschaften.

Die deutsche Schwerindustrie früher und heute

Von der Erfindung des Hochofens bis zu seinem Niedergang ab den späten 50er Jahren erlebte der Montanbereich eine wechselvolle Geschichte.

  • Der Beginn der Montanindustrie fällt zeitgleich mit der einsetzenden Industrialisierung zusammen. Dafür können Sie ungefähr das Ende des 19. Jahrhunderts ansetzen. Damals wurden Hochöfen zur Roheisenherstellung erfunden und moderne Verfahren zur Stahlherstellung entwickelt. In der Folgezeit lösten große Stahlwerke nach und nach die kleinen handwerklichen Schmieden und vorindustriellen Eisenhütten ab.
  • Mit der industriellen Fertigung konnte man nun auch kostengünstig Produkte herstellen, die die Industrialisierung weiter vorantrieben: Eisenbahnschienen und Lokomotiven ebenso wie Baustahl für Hochhäuser oder andere Großbauten. Auch der deutsche Fahrzeugbau, wie Sie ihn heute kennen, wäre ohne die Montanindustrie nicht vorstellbar.
  • Gut 150 Jahre war die Eisen- und Stahlindustrie nicht nur in Deutschland, sondern auch in Großbritannien, Russland, den USA und vielen anderen Ländern der Wirtschaftsfaktor Nummer eins. In Industrierevieren wie dem Ruhrgebiet entstanden in der Nähe der Fabrikanlagen großflächige Arbeitersiedlungen und später Ballungszentren mit zusammenwachsenden Großstädten, in denen schließlich Millionen von Menschen lebten.
  • Vom Strukturwandel haben Sie sicher schon einmal gehört. In der deutschen Eisen- und Stahlindustrie setzte dieser tief greifende volkswirtschaftliche Umbruch mit der ersten Kohlekrise 1957 und 1958 ein. Während des Wirtschaftswunders der Nachkriegszeit war der Kohlebergbau staatlich subventioniert worden, um die große Nachfrage der Eisen- und Stahlindustrie zu befriedigen. Der Kohlemarkt war dadurch übersättigt, dazu kam der sinkende Ölpreis, der Erdöl zum vorrangigen Energielieferanten in Privathaushalten und Industrieanlagen machte.
  • Mit der Montanindustrie ging es in der Folgezeit steil bergab. Es kam zu einem großflächigen Zechensterben, der Schließung von Hochöfen und Stahlwerken und einem massiven Abbau von Arbeitsplätzen. In den letzten Jahrzehnten steigerte die Entwicklung extrem harter Hightech-Materialien aus Keramik oder Kunststoff das Absatzproblem der Eisen- und Stahlindustrie zusätzlich.
  • Das international bedeutendste Herstellerland von Stahl ist heute China. In Deutschland ist die Eisen- und Stahlindustrie nur noch auf einige wenige Standorte beispielsweise in Duisburg und Salzgitter konzentriert; die letzten deutschen Zechen schließen spätestens 2018. Mit einer jährlichen Produktion von über 40 Millionen Tonnen Stahl ist die Eisen- und Stahlindustrie dennoch ein Rückgrat der deutschen Volkswirtschaft und lässt Deutschland weltweit den siebten Platz in der Stahlherstellung einnehmen.
  • Langfristig war der Strukturwandel für die betroffenen Regionen positiv. Qualmende Schornsteine, monströse Industrieanlagen und schäbige Arbeitersiedlungen finden Sie dort heute nicht mehr. Ein klassisches Beispiel ist das Ruhrgebiet. Seit den 80er Jahren haben sich hier verstärkt Unternehmen der Informations- und Kommunikationstechnologie und Umwelttechnik angesiedelt, die neue Arbeitsplätze geschaffen haben.  Zugleich wurden Industriebrachen renaturiert, wodurch attraktive Naherholungsgebiete wie der Hoheward oder der Emscher Landschaftspark im nördlichen Ruhrgebiet entstanden.
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