Warum reicht "normales" Löschen nicht?

Wenn Sie auf einem Windows-PC eine Datei löschen, landet diese im Normalfall im Papierkorb. Wenn Sie den Papierkorb dann leeren, ist die Datei doch eigentlich endgültig gelöscht, oder? Nein, ist sie nicht.

  • Windows verwaltet die Dateien auf dem PC im sogenannten File Allocation Table (FAT). Dabei handelt es sich gewissermaßen um das Inhaltsverzeichnis der Festplatte bzw. des Datenträgers.
  • Wenn Sie eine Datei löschen - und hinterher noch den Papierkorb - wird nicht die Datei gelöscht, sondern nur der Eintrag in der FAT. Das wäre das Gleiche, als wenn Sie im Inhaltsverzeichnis eines Buches eine Seitenzahl herausstreichen würden. Die Seite im Buch existiert weiterhin. Sie kann jetzt nur nicht mehr gefunden werden, solange man nur im Inhaltsverzeichnis nachschaut. Beim Durchblättern des Buches könnten Sie die Seite wieder aufschlagen und ganz normal lesen.
  • Mit einem speziellen Programm ist es problemlos möglich, ein neues Inhaltsverzeichnis zu erstellen und damit gelöschte Dateien, die sich vorher im (vermeintlich) freien Speicher befunden haben, wieder sichtbar zu machen.
  • Was für Festplattenlaufwerke gilt, trifft prinzipiell auch auf USB-Sticks und Speicherkarten zu.

So können Sie freien Speicher tatsächlich löschen

  • Wenn Sie zu wirklich 100% sichergehen wollen, dass der freie Speicher nicht zu rekonstruieren ist, bleibt Ihnen nur die physikalische Zerstörung der Festplatte bzw. Speicherkarte. Auch ein Magnet würde nicht sicher zum gewünschten Ergebnis führen.
  • Um freien Speicher tatsächlich sicher zu löschen, muss er mehrfach überschrieben werden. Dies ist die einzige Möglichkeit, eine Rekonstruktion der ursprünglichen Daten zuverlässig zu verhindern.
  • Ein mehrfaches Überschreiben ist notwendig, da bei einem einfachen Überschreiben immer noch Reste des bisherigen Inhalts des Speichers zurückbleiben, die theoretisch ebenfalls noch rekonstruierbar wären.
  • Jenseits aller Geheimdienst- und Verschwörungstheorien wird es höchstens dem geheimsten Geheimdienst mit einem immens hohen Aufwand möglich sein, Daten aus einem Speicher zu rekonstruieren, der wenigstens 2 mal neu überschrieben wurde. Im Normalfall sind die Daten bereits dann zuverlässig gelöscht.

So gehen Sie zum sicheren Löschen vor

  1. Leeren Sie den Papierkorb. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, deaktivieren Sie die Auslagerungsdatei bzw. den Virtuellen Arbeitsspeicher. Wie das geht, erfahren Sie, wenn Sie im Startmenü auf "Hilfe und Support" klicken und dann "Virtueller Speicher" in das Fragefeld eingeben.
  2. Das Löschen des freien Speichers ist eine gute Gelegenheit, mal auf der Festplatte aufzuräumen. Löschen Sie alle temporären und nicht mehr benötigten Dateien. Sie können auch das Windows-Programm "Datenträgerbereinigung" ausführen.
  3. Laden Sie sich ein Programm zum Löschen des freien Speichers aus dem Internet herunter. Hier bietet sich z. B. das Programm "Eraser" an. Hiermit können Sie mit verschiedenen Löschmethoden löschen. Außerdem eignet sich das Programm auch, um einzelne Dateien sicher zu löschen.
  4. Wenn Sie einen Datenträger komplett löschen wollen, laden Sie das Programm "DBAN" herunter. Alle Datenlöschprogramme haben gemeinsam, dass sie den fraglichen Speicher mehrfach mit zufälligen Daten beschreiben.
  5. Installieren Sie das jeweilige Programm und führen es aus. Wählen Sie eine Löschmethode, die nicht mehr als 7 Schreibzyklen ausführt. Dies ist im Normalfall absolut ausreichend. Lediglich für - mittlerweile antiquierte - Datensicherungssysteme (Bandlaufwerke) kann das Löschen mit 35 Zyklen noch etwas mehr Sicherheit bringen.

Planen Sie genügend Zeit ein. Das Löschen des freien Speichers auf einer Festplatte kann je nach Größe durchaus auch mehrere Tage dauern.