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Erlkönig - das Metrum ermitteln

Der "Erlkönig" von Johann Wolfgang von Goethe prägt sich auch durch seine rhythmische Gestaltung ins Gedächtnis. Wer jedoch das Metrum untersucht, stellt fest, dass es einige Unregelmäßigkeiten aufweist.

Goethes "Erlkönig" weist ein nicht ganz regelmäßiges Metrum auf.
Goethes "Erlkönig" weist ein nicht ganz regelmäßiges Metrum auf.

Als Ballade ist Goethes "Erlkönig" eine an mittelalterlichen Tanzliedern orientierte Form des Gedichts. Rhythmus spielt demnach eine wichtige Rolle, nicht nur formal, sondern auch, was die unheimliche, inhaltliche Wirkung betrifft.

Das Metrum beim "Erlkönig"

Um das Metrum zu ermitteln, ist es fast unerlässlich, sich das Gedicht "Der Erlkönig" laut vorzulesen. Für die metrische Analyse ist es aber auch wichtig, die metrische Struktur des Gedichts zu notieren, indem man den betonten und den unbetonten Silben jeweils ein eigenes Zeichen gibt (z. B. "x" für unbetonte und "X" für betonte Silben). Dabei kann man Folgendes feststellen:

  • Die Zeile endet jeweils nach jeder vierten beim Sprechen betonten Silbe, dabei geht (fast) jeder betonten Silbe eine unbetonte Silbe voran (Jambus), in Ausnahmefällen sind es auch zwei unbetonte Silben.
  • Als Versfuß ergibt sich also die Silbenfolge (unbetont-betont oder xX) oder auch (unbetont-unbetont-betont oder xxX). Je vier solcher Silbeneinheiten ergeben eine Verszeile, vier Verszeilen ergeben eine Strophe.
  • Insgesamt gibt es acht Strophen. Bestimmendes formales Element ist hier also die Wiederholung: Mehrere gleich strukturierte Einheiten ergeben die nächst größere Einheit, die wiederum die nächst größere ergibt.
  • Die Verse bestehen in der Regel aus neuen Silben, es gibt aber auch Verszeilen mit acht, zehn, elf oder gar zwölf Silben.

Formale Struktur beim "Erlkönig"

Auch wenn sich eine deutliche formale Struktur erkennen lässt, ist das Schema nicht streng eingehalten.

  • Der Jambus (unbetont-betont) ist zwar der grundlegende Versfuß, daneben sind aber auch - unregelmäßig verteilt - dreisilbige Versfüße zu finden.
  • Balladen wie der "Erlkönig" wurden ganz besonders im Hinblick auf den mündlichen Vortrag, also die gesprochene Sprache, verfasst.
  • In Verszeilen wie "Er hält ihn sicher, er hält ihn warm" wird im Vortrag die Doppelung der Silbe "er" (... sich-er, er ...) kaum wahrgenommen.
  • Möglicherweise ist gerade das nicht ganz strenge Einhalten der formalen Vorgabe für den lebendigen und nachhaltigen Eindruck verantwortlich, der von dieser Ballade Goethes ausgeht.

Kennzeichen der deutschen Ballade ist die Mehrstrophigkeit und der erzählende Inhalt. Ein bestimmtes Metrum ist jedoch nicht Wesensmerkmal der Ballade.

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