Alle Kategorien
Suche

Darf man als Pilot eine Brille tragen? - Hinweise für die Berufseignung

Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass ein Pilot keine Brille tragen darf. Tatsächlich wird eine Fehlsichtigkeit in gewissem Rahmen bei der Bewerbung toleriert. Es gibt jedoch eine ganze Reihe anderer Voraussetzungen für die Ausbildung zum Berufspiloten. Dazu zählt neben einer körperlichen Eignung auch ein fundiertes Wissen in berufsrelevanten Schulfächern. Als Bewerber sollten Sie überdies einige Persönlichkeitsmerkmale mitbringen und den formellen Kriterien entsprechen.

Auch als Brillenträger dürfen Sie Pilot werden.
Auch als Brillenträger dürfen Sie Pilot werden.

Auch im Cockpit kann man eine Brille tragen

Kurz- oder Weitsichtigkeit ist kein Hinderungsgrund, um ein Flugzeug zu steuern. Ihre Fehlsichtigkeit muss allerdings im Rahmen bleiben und Ihr sonstiges Sehvermögen darf nicht beeinträchtigt sein.

  • Auch wenn Sie eine Brille oder Kontaktlinsen tragen, können Sie sich zum Piloten ausbilden lassen. Beim zugelassenen Grad Ihrer Fehlsichtigkeit sind die Regelungen der Fluggesellschaften nicht ganz einheitlich; in der Regel können Sie aber davon ausgehen, dass Sie mit einer geringen Kurz- oder Weitsichtigkeit bis zu +/- drei Dioptrien und einem Astigmatismus (Hornhautverkrümmung) bis zu zwei Dioptrien zur Ausbildung zugelassen werden.
  • Bei einer höheren Fehlsichtigkeit bis zu einem Grenzwert von +/- fünf Dioptrien und einem Astigmatismus über zwei Dioptrien erfolgt zumeist eine Einzelfallprüfung durch den Medizinischen Dienst der Flugunternehmen.
  • Auch bei einer noch höheren Fehlsichtigkeit müssen Sie den Traum vom Pilotenberuf nicht ad acta legen. Die meisten Fluglinien lassen auch Bewerber zu, die sich wegen ihrer Fehlsichtigkeit einer Laseroperation unterzogen haben. Voraussetzung ist allerdings, dass die Operation längere Zeit (meist ein Jahr) zurückliegt und unauffällig verlaufen ist.
  • Bei anderen, nicht durch eine Brille oder Operation korrigierbaren Sehschwächen haben Sie jedoch kaum Chancen, Berufspilot zu werden. Dazu gehören unter anderem Defizite in der räumlichen Wahrnehmung und eine Farbenfehlsichtigkeit wie beispielsweise die Rot-Grün-Blindheit.

Pilot werden - weitere körperliche Voraussetzungen

Ein gutes Sehvermögen ist nur ein kleiner Aspekt, um zur Ausbildung als Pilot zugelassen zu werden. Wenn Sie sich für diesen Beruf interessieren, kommen weitere körperliche Faktoren zum Tragen.

  • Zur Bewerbung zugelassen sind nur Personen, die eine Größe zwischen 165 und 198 Zentimeter haben und normalgewichtig sind.
  • Insgesamt sollten Sie bei guter körperlicher Verfassung sein. Sie dürfen insbesondere weder Herzprobleme noch einen abnormalen Blutdruck haben. Ebenso muss Ihr Hörvermögen gut sein. Da der Beruf des Flugkapitäns auch körperlich anstrengend ist, sollten Sie daneben eine gewisse Fitness mitbringen.
  • Ob Sie rundum gesund sind, wird während des zumeist mehrtägigen Eignungstests bei einer fliegerärztlichen Tauglichkeitsuntersuchung getestet. Die meisten Fluggesellschaften führen dabei einen Drogentest mittels Haarprobe durch.

Fachwissen und persönliche Fähigkeiten

Bei dem Eignungstest müssen Sie darüber hinaus Ihr Fachwissen in relevanten Bereichen und eine Vielzahl an Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmalen unter Beweis stellen.

  • Die Sprache im internationalen Flugverkehr ist Englisch. Als Bewerber müssen Sie daher fundierte Kenntnisse in dieser Fremdsprache mitbringen. Des Weiteren sollten Sie gut in Mathematik und Physik sein, technisches Verständnis haben und logisch denken können. 
  • Keine Sorge, Sie müssen kein „Überflieger“ sein, um diese Anforderungen zu erfüllen. Ein solides Wissen auf dem Niveau der gymnasialen Oberstufe reicht aus. Wenn Sie überprüfen wollen, ob Ihre Kenntnisse ausreichen, können Sie auf der Website der Lufthansa einen kurzen Online-Test machen. Nach der Annahme Ihrer Bewerbung erhalten Sie von den Fluggesellschaften weiterführende Materialien oder einen Zugangscode zum Online-Coaching, damit Sie sich auf den Eignungstest vorbereiten können.
  • Auch sogenannte „operationelle“ Fähigkeiten, die unabdingbar für jeden Flugkapitän sind, sollten Sie beherrschen. Dazu gehören eine sehr gute Konzentrationsfähigkeit, räumliches Orientierungsvermögen und die Fähigkeit zum Multitasking, also zur gleichzeitigen Bewältigung verschiedener Aufgaben.
  • Die Flugunternehmen legen daneben großen Wert auf  Persönlichkeitsmerkmale wie beispielsweise eine ausgeprägte emotionale Stabilität, Sozialkompetenz, Teamfähigkeit und Führungspotenzial.

Wer darf sich bewerben?

Wenn Sie sich zum Flugkapitän ausbilden lassen wollen, müssen Sie auch den formellen Kriterien entsprechen.

  • Bei den meisten Fluggesellschaften müssen Sie zum Zeitpunkt Ihrer Bewerbung mindestens 17 Jahre alt sein.
  • Für die Bewerbung bei einer deutschen Fluglinie ist die deutsche Staatsangehörigkeit nicht zwingend erforderlich. Allerdings müssen Sie entweder aus einem EU-Land stammen oder eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis für die Bundesrepublik Deutschland haben.
  • Sie müssen im Besitz eines für alle Länder gültigen Reisepasses sein.
  • Als Schulabschluss ist die allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife bzw. ein gleichwertiger ausländischer Abschluss erforderlich. Jüngere Bewerber, die noch kein Abitur gemacht haben, müssen ihrer Bewerbung das Zeugnis der 11. Klasse (beim G8-Gymnasium) bzw. der 12. Klasse (beim G9-Zweig) beilegen.
  • Die Fachhochschulreife reicht nur dann aus, wenn Sie bereits das Vordiplom an einer Fachhochschule oder Universität gemacht haben oder eine Mindestzahl von 60 bis 80 Credit-Points in Ihrem Studium erreicht haben.
  • Auch Ihr Verhalten im Straßenverkehr spielt bei der Zulassung zur Pilotenausbildung eine Rolle. Sie dürfen maximal drei Punkte beim Verkehrszentralregister in Flensburg haben, worunter kein Eintrag wegen des Konsums von Drogen oder Alkohol sein darf.
  • Einige Fluglinien verlangen darüber hinaus ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis.

Die Anforderungen für den anspruchsvollen Beruf des Piloten sind hoch, aber nicht unüberwindbar. Viel Glück bei der Bewerbung!

Teilen: