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Seemeilen berechnen - so geht's

Die Seefahrt ist ein sehr spezielles Kapitel, denn nicht nur das Seemannsgarn, sondern auch Ausdrücke wie „Sparky“ (Funker), „Smutting“ (Bootsmann) oder „Luv“ (zum Wind gerichtete Seite) sind für Außenstehende kaum zu verstehen. Dennoch haben viele Ausdrücke Tradition aufgrund bestimmter Bezüge. Ebenso haben auch die Seemeilen ihren speziellen Bedeutungshintergrund und es ist gar nicht so schwer, eine Seemeile zu berechnen.

In der Seefahrt wird mit Seemeilen gerechnet.
In der Seefahrt wird mit Seemeilen gerechnet.

Die Seefahrt hat Geschichte

  • Die Seefahrt gab es schon zu Zeiten des Mittelpaläolithikums, also etwa 120.000 Jahre vor der Zeitrechnung. Dass zu der Zeit allerdings in Seemeilen gerechnet wurde, ist äußerst zweifelhaft, denn man kannte den Äquator noch nicht und der spielt zur Berechnung der Seemeilen eine große Rolle. Etwa 7000 Jahre v. Chr. begann man Schiffe zu bauen, die auf hohe See hinausfahren konnten. Dies war der Beginn der Hochseeschifffahrt.
  • Selbst um die Zeit 452, als der Hunnenkönig Attila in Italien eingefallen ist, gab es zwar eine Möglichkeit zur Navigation, doch ist nicht gesichert, dass sich die Wege in Seemeilen berechnen ließen. Bis ins 5. Jahrhundert hinein orientierten sich die Seefahrer an einer sogenannten Koppel-, Sicht- und Astronavigation. Die Koppelnavigation geht von der Verbindung bestimmter Orts-, Kurs- und Geschwindigkeitsbestimmungen aus. Die Wikinger z. B. beobachteten zur Navigation bis ins 7. Jahrhundert die Strömungen, den Wind und die Vögel.
  • Mit der Handelsglobalisierung im 15. und 16. Jahrhundert entstanden aus den Jahrtausende alten Handelsrouten erste Schifffahrtswege. Seefahrer, wie z. B. Ferdinand Magellan (1480-1521) und Christoph Kolumbus (1451 - 1506), zeichneten ihre Entdeckungen auf, Seekarten wurden genauer berechnet und man kann, was jedoch noch nicht belegt ist, davon ausgehen, dass etwa zur Zeit der großen Entdeckungen der Äquator berechnet wurde. In jedem Fall entstand um 700 n. Chr. ein erstes Seerecht, das für das Byzantische Reich sowie das heutige Europa rechtskräftig war und ist. Noch bis 1283 regelten Seefahrerexperten in der Funktion eines Richters juristische Fachfragen.
  • Etwa im 17. bis 18. Jahrhundert, so belegen Nachweise, wurden die nationalen Küstenlinien auf drei Seemeilen (etwa 5,5 km) begrenzt. Seit dieser Zeit ist belegt, dass Seefahrer ihre Schifffahrten nach Seemeilen berechnen. Übrigens: Eine Seemeile, die pro Stunde zurück gelegt wird, nennt sich im Messbereich der Geschwindigkeit „Knoten“. Doch wie erschließt sich die Berechnung einer Seemeile?

Eine Seemeile ist eine Bogenminute

  • Im Grunde ist der Ursprung der Seemeile sehr logisch, denn sie berechnet sich nach dem Äquator. Die Längengrade unterteilen den Äquator in 360 Grad. Außerdem gibt es 90 südliche und 90 nördliche Breitengrade, d.h. einschließlich des Äquators gibt es 181 Breitengrade. Sowohl die Bogenbreite von einem Breitengrad zum anderen als auch die Bogenbreite von einem Längengrad zum anderen, wird jeweils in Bogenminute gemessen.
  • Da die Erde eine Kugel ist, besteht ein Grad aus 60 Bogenminuten und eine Bogenminute aus 60 Bogensekunden. Die Breiten- und Längengrade unterteilen sich also noch feiner. Breitengrade Richtung Norden werden mit N, Breitengrade Richtung Süden mit S, Längengrade westlich des Meridians mit W und östlich des Meridians mit E bezeichnet. Eine Bogenminute entspricht dem zeitlichen Abstand von einem Grad zum anderen, also von Längen- bis Längengrad oder Breiten- bis Breitengrad.
  • Eine Meridianminute bemisst am Äquator 1842,90 m. Dieses Maß weicht an den Polen allerdings ab (1861,57 m). Misst man vom Erdmittelpunkt die Bogenminute am Äquator, ergibt sich eine Länge von 1855,31 m. Eine Seemeile bemisst sich nach der mittleren Bogenminuten-Länge vom Äquator ausgehend, Richtung Nord und Süd mit 1855,31 m. Der Abstand der Bogengrade zwischen zwei Breiten beträgt 111 km. Auf der Internationalen Hydrographischen Konferenz, die 1929 in Monaco statt fand, wurde beschlossen, das eine Seemeile 1.852 m sein sollen.

Berechnen Sie Seemeilen

  • Sie können festhalten, das ein Grad 60 Bogenminuten und damit 60 Seemeilen sind. Wenn eine Seemeile 1.852 m sind, wären 60 Seemeilen 111120 m, bzw. 111,12 km. Mit dieser einfachen Berechnung können Sie die Seemeilen schnell in m oder km umrechnen.
  • Eine andere Möglichkeit ist, dass Sie eine Überschlagsrechnung anstellen. D.h. wenn Sie hören, Sie werden z. B. noch 50 Seemeilen schippern, gehen Sie wie folgt vor: Multiplizieren Sie 50 x 2 und subtrahieren Sie 10 %. Also: 100 - 10 = 90. Kontrollieren Sie: 1852 x 50 = 92600. 92600 m sind 92,600 km.
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