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Land der Dichter und Denker - Begriffserklärung

Das Land der Dichter und Denker - dies ist eine gängige Bezeichnung für Deutschland. Viele fragen sich allerdings, woher und von wem sie stammt und was genau sie bedeutet. Die Antwort ist einfach: Deutschland gilt seit jeher als Land der Vielschreiber.

Friedrich Schiller ist einer der bekanntesten deutschen Dichter.
Friedrich Schiller ist einer der bekanntesten deutschen Dichter.

Deutschland - ein dehnbarer Begriff

Deutschland in seiner heutigen Form gibt es erst seit der Wende bzw. seit nach dem Zweiten Weltkrieg, als aus den Trümmern ebenjener militärischen Auseinandersetzungen die BRD und die DDR hervorgingen. Vor dem Dritten Reich wurden sowohl Staatsgebiet als auch Bezeichnung immer mal wieder umgestaltet. Es gab die Weimarer Republik und davor das Deutsche Kaiserreich. Die Bezeichnung "Land der Dichter und Denker" geht auf eine noch frühere Staatsform des Landes zurück, doch sie ist heute noch anwendbar, weil es eben das Volk der Deutschen war, das mit diesem Begriff gemeint war.

Dichter und Denker - Herkunft des Begriffes

Es ist nicht ganz klar, wer sich den Begriff "Dichter und Denker" für die Deutschen ausgedacht hat. Es gibt drei Personen, denen die erste Formulierung der Wortkombination zugeschrieben wird.

  • Der erste ist Johann Musäus, selbst Deutscher, der im 18. Jahrhundert lebte und unter anderem Literaturkritiker war. In seinem Werk "Volksmärchen der Deutschen" schrieb er: "Was wäre das enthusiastische Volk unserer Denker, Dichter, Schweber, Seher ohne die glücklichen Einflüsse der Fantasie?"
  • Sie sehen, dass die bekannte Formulierung hier bereits vorkommt, aber nicht in ihrer heutigen Form. Aufgegriffen wurde sie von Anne Louise de Staël in ihrem Werk "De l'Allemagne", das in Frankreich verboten wurde. Es kontrastierte das damals von Napoléon regierte Frankreich zu einem idealisierten und freien Deutschland, in dem eben gedichtet und gedacht werden durfte.
  • Zu guter Letzt war es der schlesische Literaturkritiker Wolfgang Menzel, der formulierte, dass die Deutschen zwar sonst nicht viel täten, aber mit Vorliebe dichten und denken würden. Er gilt bis heute als Urheber der berühmt gewordenen Formulierung.

Die Bedeutung des geflügelten Wortes

Dass Deutschland als Land der Dichter und Denker bezeichnet wird, hat natürlich triftige Gründe. So wurde nicht nur der Buchdruck in Deutschland erfunden, sondern auch viele klassische und bis heute hoch gerühmte Schriftsteller sowie Wissenschaftler und Erfinder haben ihre Wurzeln in Deutschland: Schiller, Goethe, Nietzsche, Heine, Einstein, Diesel, Gutenberg, von Siemens - die Liste ließe sich endlos fortführen. Natürlich haben andere Länder berühmte Persönlichkeiten in ebenso großer Zahl hervorgebracht, aber in Deutschland häufen sich eben die Schreibenden und die Erfindenden. In den vergangenen Jahrzehnten hat dieses Image allerdings stark gelitten, vor allem unter den Deutschen selbst. So werden immer wieder Stimmen laut, die hinterfragen, ob ein Land, in dem das Dschungelcamp für den Grimmepreis nominiert wird, noch ein Land der Dichter und Denker sein kann. Dadurch geht verloren, dass die Bezeichnung früher durchaus auch kritisch gemeint war, denn sie stellte die Deutschen auch als verkopft und arrogant dar. So ist die heutige Gesellschaft der Deutschen vielleicht sogar angenehmer als die damalige und Persönlichkeiten wie Kehlmann (österreichisch-deutscher Schriftsteller) und Grünberg (Physik-Nobelpreis 2007) zeigen, dass auch heute noch viel gedichtet und gedacht wird.

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