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Kerosinverbrauch pro Passagier - Informatives

Nur dreieinhalb Liter Kerosinverbrauch auf einhundert Kilometer pro Passagier: Mit solchen Slogans werben Fluggesellschaften gerne, um ihre Umweltfreundlichkeit zu betonen. Verglichen mit anderen Verkehrsmitteln klingt dies zunächst auch phänomenal. Doch Vorsicht - die Geschichte hat mehr als nur einen Haken.

Einmal auftanken bitte - bei einem Verkehrsflugzeug sind das gleich Zigtausend Liter.
Einmal auftanken bitte - bei einem Verkehrsflugzeug sind das gleich Zigtausend Liter.

Kraftstoffverbrauch pro Passagier - die Verkehrsmittel im Vergleich

Auf weiten Entfernungen ist das Flugzeug das schnellste Verkehrsmittel. Der Kraftstoffverbrauch ist allerdings auch sehr hoch.

  • Einige Fluggesellschaften wie Air Berlin werben damit, dass der Kerosinverbrauch ihrer Flugzeuge insbesondere auf Langstrecken über 3000 Kilometer sehr gering ist. So verbrauchen moderne Verkehrsmaschinen heute auf der rund 6000 km langen Strecke von Frankfurt nach New York pro Passagier auf einhundert Kilometer nur rund 3,5 bis 3,7 Liter Kerosin.
  • Schlechter sind die Zahlen auf kürzeren Strecken, weil hier der hohe Treibstoffverbrauch in der Startphase stärker ins Gewicht fällt. Auf der Mittelstrecke ab 800 bis 3000 Kilometer liegt der durchschnittliche Kerosinverbrauch pro Passagier und 100 Kilometer bei vier bis fünf Liter und bei Kurzstreckenflügen unter 800 Kilometer bei sieben bis acht Liter.
  • Dennoch klingen diese Zahlen vor allem auf der Langstrecke mit dreieinhalb Litern auf einhundert Kilometer zunächst einmal vielversprechend. Nehmen Sie im Vergleich einen modernen Mittelklassewagen, der auf der Autobahn auf einhundert Kilometer circa acht Liter Benzin braucht.
  • Beachten müssen Sie hierbei allerdings, dass die Werte für den Flugverkehr deshalb so günstig sind, weil die Fluggesellschaften den Verbrauch auf den einzelnen Fluggast umlegen. Der Benzinverbrauch im Auto bezieht sich jedoch auf das Fahrzeug.
  • Anders ausgedrückt: Ein mit vier Personen besetzter Mittelklassewagen verbraucht auf der Autobahn nach dieser Rechnung pro Insasse nur zwei Liter Benzin auf einhundert Kilometer, mit etwas Kulanz wegen des höheren Gewichts zweieinhalb Liter. Im Gegenzug brauchen vier Fluggäste auf der Strecke nach New York auf einhundert Kilometer bereits viermal dreieinhalb Liter, also vierzehn Liter.
  • Bedenken müssen Sie auch den enormen Gesamtverbrauch an Kerosin auf weiten Flugstrecken. Ein voll besetzter Airbus verbrennt bei einer Reisegeschwindigkeit von 900 km/h rund 10000 Liter Kerosin in der Stunde. Bei der sechsstündigen Flugzeit von Frankfurt nach New York sind dies rund 60000 Liter Kerosin.
  • Noch schlechter als Flugzeuge kommen Kreuzfahrtschiffe weg. Ein mittelgroßes Schiff mit 2000 Passagieren verbraucht rund 200 Tonnen Öl am Tag. Bei einer sechstägigen Fahrt nach New York sind dies gigantische 1200 Tonnen oder 1,2 Millionen Liter Gesamtverbrauch. Im Vergleich: Ein Niedrigenergiehaus mit 120 Quadratmeter verbraucht im Jahr rund 700 Liter Heizöl. Mit 1,2 Millionen Litern könnten Sie demnach gut 1700 Häuser ein Jahr lang beheizen.
  • Am energiesparendsten sind Sie mit der Bahn unterwegs. Die Deutsche Bahn selbst gibt für den Fernverkehr 2,8 Liter Treibstoff bzw. Verbrauch äquivalenter Energieträger pro Fahrgast und einhundert Kilometer an; Umweltverbände gehen von einem etwas höheren Verbrauch von gut drei Litern aus.

Kerosinverbrauch und Umweltbelastung - einige Fakten

Der Kerosinverbrauch beim Fliegen ist das eine - noch belastender für die Umwelt sind jedoch der CO²-Ausstoß und andere klimaschädliche Faktoren.

  • Das bekannteste Treibhausgas ist Kohlendioxid (CO²). Es reichert sich in der Luft an und heizt die Atmosphäre auf. Während Auto, Bahn und Schiffe bei der Kraftstoffverbrennung das CO² bodennah freisetzen, geben Flugzeuge ihre Abgase in sehr großer Höhe und damit in einem hochsensiblen Bereich der Atmosphäre ab - der umweltschädigende Einfluss ist umso größer.
  • Hinzu kommt der Stickstoffausstoß von Jets, der sich in großer Höhe ebenfalls als extremes Treibhausgas auswirkt. Auch der Wasserdampf, der in jedem Verbrennungsmotor entsteht, spielt eine Rolle. Am Boden ist er harmlos, in großer Höhe lässt dieser Tröpfchenschleier jedoch die Wärmeabstrahlung der Erde nicht mehr entweichen.
  • Umweltverbände gehen daher davon aus, dass jeder Liter Treibstoff, den ein Flugzeug verbrennt, das Klima zwei- bis viermal so stark schädigt wie ein Liter Autokraftstoff.
  • Bei vielen Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften können Sie einen freiwilligen Klimaschutzbetrag zu Ihrer Flugreise hinzubuchen, der für Klimaschutzprojekte verwendet wird.
  • Alternativ können Sie auf der Website der Umweltschutzorganisation atmosfair die CO²-Emissionen Ihres Fluges berechnen und den Klimaschutzbetrag abbuchen lassen. Für Kurzstreckenflüge liegt der Beitrag bei mindestens sechs Euro, für die Strecke Frankfurt nach New York werden hin und zurück siebenundsechzig Euro berechnet.

Das Rad der Zeit lässt sich nicht zurückdrehen - unsere schnelllebige Gesellschaft kommt ohne Flugzeuge nicht mehr aus. Nutzen Sie dieses Verkehrsmittel dennoch der Umwelt zuliebe mit Bedacht.

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