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Hummeln sterben - warum?

Alle Hummeln eines Volkes sterben zum Winter. Nur Jungköniginnen überleben in der Winterstarre und gründen im Frühling einen neuen Staat.

Hummel beim Sammeln von Nektar.
Hummel beim Sammeln von Nektar.

Wenn Ihnen im sehr zeitigen Frühjahr eine besonders große Hummel begegnet, ist es eine Königin. Sie ist auf der Suche nach Nahrung und einem geeigneten Platz für ihr neues Volk. Die Tiere stärken sich am Nektar und an den Pollen der ersten Frühlingsblüten.

Wann sterben die kleinen Brummer?

Die Lebenserwartung von Insekten ist in der Regel nicht sehr hoch. Die Entwicklung bei Hummeln vom Ei, über Larve und Puppe bis zum Imago, dem ausgewachsenen Tier, nimmt je nach Art verschieden lange Zeit in Anspruch. Bis am Ende die fertige Hummel schlüpft dauert es etwa vier bis fünf Wochen (von der Art abhängig). 

Bei Honigbienen und Hummeln leben die meisten Individuen nicht länger als wenige Wochen. Es sind Arbeiterinnen des Insektenstaates, die fleißig und unermüdlich den Bau errichten, erhalten, verteidigen und putzen. Sie pflegen ihre Larven, suchen Nahrung und umhegen ihre Königin.

Nach etwa zwei Monaten dieses intensiven Lebens sterben Hummeln, manche auch schon nach vier Wochen. Sie und ihre Königin haben jedoch für Nachwuchs gesorgt.

Ein etwas längeres Leben ist den Jungköniginnen beschieden. Sie graben sich zum Winter im Boden ein, entweder im Komposthaufen oder im Laub am Waldrand. Hier überleben die Hummelköniginnen in der Winterstarre.

Im Frühjahr, je nach Art zwischen März und Mai, erscheinen die dicken Brummer und müssen nun schnell Nahrung und eine Unterkunft für den ersten Nachwuchs finden. Die Königinnen beginnen also ganz allein, ein Nest zu bauen und in den Zellen ihre ersten Hummelbabys heranzuziehen. Dafür dürfen sie einige Monate länger leben. 

Tote Hummeln unter Silberlinden

Haben Sie im Sommer schon einmal besonders viele tote Hummeln unter spät blühenden Linden gefunden? Das Phänomen ist nicht selten und stellte Wissenschaftler lange vor ein Rätsel.

Die Antwort ist einfach und traurig: Nicht etwa giftiger Nektar ist schuld, sondern ein zu einseitiges und vor allem mangelhaftes Nahrungsangebot. Die Hummeln sterben an Hunger.

Wie ist das möglich? Silberlinden (Tilia tomentosa) stammen aus Ostasien  und blühen etwa zwei bis vier Wochen nach unseren heimischen Linden (Tilia platyphyllos und Tilia cordata). Dort fanden die Hummeln reichlich Nektar, doch leider legen sich die Tiere nicht wie Bienen Vorräte an. Sie sind ständig auf Nektarpflanzen angewiesen.

Ist die Blüte unserer heimischen Linden vorbei, sind die Hummeln immer noch auf diese eingestellt. Spät blühende Silberlinden scheinen dann sehr verlockend. Leider suchen dann plötzlich viel mehr Hummeln an wenigen Bäumen Nahrung. Gleichzeitig blühen im Hochsommer kaum andere Pflanzen, die Nektar spenden. Das trifft auf dem Land und in der Stadt zu. 

Wissenschaftler fanden also heraus, dass Hummeln an Hunger sterben. Die erschöpften Tiere, vom Lindenduft angelockt, finden hier nicht mehr genug Nektar. Die Zahl der hungrigen Hummeln ist zu groß, als dass sie alle durch Silberlinden versorgt werden. Für den Rückflug oder eine weitere Suche reicht die Kraft am Ende nicht mehr. Die Hummeln verhungern.

Hummeln als Volk - so leben sie

Geeignete Orte für den Nestbau von Hummeln sind verlassene Mäuselöcher, Baumhöhlen, Nischen zwischen Steinhaufen und alle kleinen Höhlen, die trocken und geschützt liegen. Die Königin beginnt zunächst nur einige wenige Zellen (Tönnchen) zu bauen. Etwa ein Dutzend Eier werden gelegt.

Die schlüpfenden Arbeiterinnen helfen anschließend beim Ausbau des Nestes. Im Durchschnitt leben in Hummelvölkern während des Sommers 100 bis 200 Hummeln, bei manchen Arten 500 Tiere. Durch die geringe Anzahl bleiben die Hummelnester in der Natur oft unentdeckt. Die Brummer selbst sind nicht zu übersehen.

Hummel bei der Nahrungssuche.
Hummel bei der Nahrungssuche. © Heike Nedo

In Deutschland leben 36 verschiedene Arten. Zu erkennen sind sie alle an ihrem pelzigen Körper, der im Verhältnis zum Gewicht nur eine kleine Oberfläche hat. Darum sind einige Hummeln bereits bei zwei Grad Celsius unterwegs. Sie fliegen morgens früher aus als Bienen und sind abends länger unterwegs. Für die Bestäubung einiger Pflanzen ist das von großer Bedeutung.

Die häufigsten Arten sind Ackerhummel, Garten- und Steinhummel, Erdhummeln, Baum- und Wiesenhummel. Wobei die hier genannte Reihenfolge nicht als Hinweis auf die Häufigkeit zu verstehen ist.

Schon nach wenigen Wochen sterben die Hummelvölker. Die der Wiesenhummel verenden bereits im Juli, die der Ackerhummel leben bis zum Herbst. Bis dahin müssen sich die Jungköniginnen mit den Drohnen paaren, damit sie nach dem Winter in eine neue Hummelsaison starten.

Wenn Sie etwas Gutes für unsere heimischen Hummelarten tun möchten, gestalten Sie Ihren Garten oder Balkon insektenfreundlich. Viele Blumen und Kräuter aus alten Bauerngärten liefern viel Nektar und machen den Hummeln das Leben leichter. So sterben sie nicht an Hunger, sondern eines natürlichen Todes.

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