Alle Kategorien
Suche

Fahrender Scholastikus - Erklärung

In Goethes Faust tritt Mephistopheles gekleidet wie ein fahrender Scholastikus hinter einem Ofen hervor. Als der Dichter das Werk schrieb, war sicher jedem klar, wie dieser angezogen war. Heute werden Sie etwas recherchieren müssen, um es herauszufinden. Auch ist die tiefere Bedeutung kaum noch bekannt.

Ein Scholastikus trug eine einfache Kutte.
Ein Scholastikus trug eine einfache Kutte.

Wissenswertes zu Scholastikus

Eine Recherche im Internet wird Sie immer wieder zu der erwähnten Textstelle im Faust führen, was Ihnen nicht weiterhilft. Aber es gibt ein paar Hinweise, die zum Ziel führen.

  • Nur wenige Zeilen nachdem Mephisto als fahrender Scholastikus auftritt, wird dieser von Faust als Skolast angesprochen. Beide Begriffe weisen auf die Skola hin.
  • "Skola" ist eine Schule und im Mittelalter wurden die Schüler dieser Einrichtung auf Mittellateinisch als "Scholastikus" bezeichnet, auf Deutsch als Scholar. Laut Brockhaus wurden darunter immer fahrende Schüler, Studenten oder auch Kleriker verstanden, die keine Festanstellung hatten. Laut Wissen.de ist auch Scholast für fahrende Schüler gebräuchlich gewesen.

Leben und Kleidung fahrender Schüler

Im Mittelalter wurde streng zwischen Vagabundieren und Herumziehen zum Zwecke der Ausbildung unterschieden. Handwerksgesellen auf der Walz waren daher an der Kleidung zu erkennen, ebenso auch Studenten.

  • Sie sollten sich den fahrenden Scholastikus nicht zu mobil vorstellen. Es galt als Fahrender, wer seinen Heimatort verlassen hat. Meist blieben die Studenten dann an einer Ausbildungsstätte. Diese war in der Regel ein Kloster, weshalb der Student die Kleidung eines Mönchs bzw. eines Laienbruders des Ordens trug. Kennzeichen waren die Kutte und ein Krummstab.
  • Die jungen Leute mussten meist im großen Stil Abschriften anfertigen und arbeiteten teilweise als Schreiber auf Markplätzen. Das Leben war einfach und eher ärmlich. Sie lebten in einfachen Herbergen oder in den Klöstern.
  • In der Literatur wurden sie aber als lustige Vagabunden dargestellt, die sich munter durch den Tag bettelten und ein recht lasterhaftes Leben führten. An dieses Bild dürfte Goethe angeknüpft haben als Mephisto in einer mönchsähnlichen Kleidung hinter dem Ofen vortrat.
Teilen: