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Die Beziehung zwischen Faust und Mephisto - Interpretationsansätze

Der sogenannte Fauststoff hat Goethe sein Leben lang begleitet. Zwischen den beiden Protagonisten Faust und Mephisto herrscht eine besondere Beziehung. Diese lässt sich anhand der Handlung interpretieren.

Fausts Pakt mit Mephisto, also dem Teufel, ist legendär.
Fausts Pakt mit Mephisto, also dem Teufel, ist legendär.

Faust - Goethes bekannte Tragödie

  • Über einen Zeitraum von etwa 60 Jahren arbeitete Goethe immer wieder an der Geschichte um Faust (auch Doktor Faustus). Dabei handelt es sich um einen wissbegierigen Mann, der nur schwer damit zurechtkommt, dass sich manche Dinge der Wissenschaft nicht erschließen. Er will wissen, "was die Welt im Innersten zusammenhält", und wünscht sich insgeheim eine gewisse Gottesgleichheit.
  • Da schließt Mephisto, der Teufel, im Himmel mit Gott eine Wette ab. Er glaubt, dass der Mensch am Ende nicht viel mehr als ein Tier ist, und will Gott beweisen, dass er einen guten, intelligenten und tugendhaften Mann wie Faust ins Verderben führen kann. Gott hält dagegen. Mephisto erscheint Faust zunächst als Pudel, offenbart sich aber schon bald. Er versichert dem Doktor, dass er ihm zeit seines Lebens alle Wünsche erfüllen und ihm Liebesglück bescheren werde, wenn er dafür nach Fausts Tod dessen Seele erhalte.
  • Faust willigt ein, fortan sind die beiden Gefährten. Mephisto versucht nun, dem wissbegierigen Doktor die weltlichen Freuden näher zu bringen. Als sich Faust von bloßen Festen nicht begeistern lässt, besorgt der Teufel ihm einen Zaubertrank, der ihn wieder jung und begehrenswert machen soll. Faust nimmt den Trank zu sich und versucht daraufhin, ein unschuldiges Mädchen namens Gretchen für sich zu gewinnen.
  • Gretchen ist sehr tugendhaft, aber mit Mephistos Hilfe gelingt es Faust, sie zu verführen. Durch den unehelichen Fehltritt wird sie schwanger und verliert ihr Ansehen. Verzweifelt ertränkt sie ihr neugeborenes Kind und wird dafür zum Tode verurteilt. Faust überredet Mephisto, sie mit ihm gemeinsam zu befreien, doch das will Gretchen nicht. Noch im Kerker betet sie zu Gott, ihre Seele zu retten, wodurch sie erlöst wird. Faust und Mephisto bleiben allein zurück.

Sie sehen, dass die Geschichte von Faust von der ersten Begegnung an eng mit der von Mephisto verwoben ist. Aber was für eine Beziehung herrscht nun zwischen den beiden?

Die Beziehung zwischen Mephisto und dem Protagonisten

Zu sagen, die beiden wären einfach Freunde oder Gefährten, ist viel zu kurz gegriffen. Auch Geschäftspartner trifft es nicht - obwohl "Glück gegen Seele" eigentlich einen Handel darstellt. Dennoch müssen Sie stärker abstrahieren, wenn Sie die Beziehung zwischen den beiden verstehen möchten.

  • Zu Anfang der Tragödie ist Faust ein gelehrter und belesener, aber unglücklicher Mann. Er ist unzufrieden mit der Begrenztheit seines Wissens, er wünscht sich mehr.
  • Dies ist der Punkt, an dem Mephisto ansetzt - aber nicht mit dem Versprechen, ihm mehr Wissen, sondern mehr "Spaß" zu verschaffen. Versuchen Sie nun, Mephisto nicht als Lebewesen zu sehen, sondern als etwas, das aus Faust selbst kommt.
  • Er sieht ein, dass er nicht die letzten Geheimnisse der Welt aufdecken kann. Enttäuscht von der Wissenschaft zieht er sich ins Weltliche zurück. Er will gewissermaßen nachholen, was er an die Wissenschaft verschwendet hat - vor allem sein Leibesglück.
  • Hierfür verkauft er nun Stück für Stück seine gute Seele. Zunächst gibt er sich der Eitelkeit hin, indem er sich künstlich verjüngt. Dann will er unbedingt eine Jungfrau verführen. Um an sie heranzukommen, nimmt er einen Schmuckdiebstahl und einen Einbruch in Kauf.
  • So wird das Sündenregister des Doktor Faust immer größer und er sinkt - aus Gottes Sicht - immer tiefer. Doch alles schlechte, was vom Doktor ausgeht, wird in der Tragödie von Mephisto ausgeführt.
  • So ist er es, der dafür sorgt, dass Faust wieder jünger ist, er macht ihn mit Gretchen bekannt, er verschafft den beiden schlussendlich Zutritt zum Kerker, um sie zu befreien.

Man kann es in der Interpretation so darstellen, dass Mephisto die böse Seite von Faust ist - der Teil von ihm, der sich nicht um Moral und Anstand kümmert. Durch Fausts anfängliche Enttäuschung von der Wissenschaft und seine Sinnsuche erstarkt diese böse Seite immer mehr. Schließlich wird das ganze Leben des Doktors von Mephisto, also seiner bösen Seite, bestimmt. Und so ist schließlich auch die Beziehung der beiden zu charakterisieren: Mephisto ist der Teufel in Faust, seine schlechte Seite. Je mehr er sie erstarken lässt, desto mehr führt sie ihn in den Abgrund.

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