Das Angebot zum "Duzen" fällt unter die Etiketteregel

  • Gruppen mit gleichen Interessen, wie zum Beispiel Freizeit- und Hobbygruppen oder Studenten ziehen in der Regel einvernehmlich das "Duzen" vor und es in dem Fall sinnvoll, sich nicht durch eine Verweigerung dieser Ansprache von der Gruppe auszuschließen.
  • Im Beruf sieht es da etwas anders aus. Besonders Berufsanfänger sollten sich an die Anrede "Sie" halten und zunächst vorsichtig beobachten, wie Kollegen in dem Unternehmen verfahren. Zweckmäßig ist, dass Sie sich beruflich an die Regel halten: "Nur dem ranghöheren Kollegen steht es zu, das "Duzen" anzubieten."

Bevor Sie ablehnen: Für und Wider prüfen

  • Das "Sie" bietet gegenüber einer anderen Person erst einmal eine Distanz. Mit dem "Sie" drückt jemand Diskretion und Respekt gegenüber der anderen Person aus. Allerdings wirkt das "Sie" auch formeller und unpersönlicher.
  • Allerdings bietet das "Sie" auch die Chance, eine Person in Ruhe kennenzulernen, bevor man ihr das vertraute "Du" anbietet, denn ein einmal gegenseitig akzeptiertes "Duzen" lässt sich kaum mehr rückgängig machen. Bedenken Sie immer, dass ein zu schnelles "Duzen" nicht gleichbedeutend mit der großen Freundschaft ist.
  • Einige Unternehmen bemühen sich, durch ein allgemein eingeführtes "Duzen" den Neuankömmlingen den Einstieg zu erleichtern. Die Integration von Mitarbeitern unterschiedlicher Nationalität und Altersgruppen wird dadurch erleichtert. Allerdings darf man nicht vergessen, dass es der Arbeitsplatz ist, bei dem es um Leistung geht.
  • Wer eine leitende Position innehat, sollte sich gut überlegen, ob er einem Teil der Belegschaft das "Duzen" anbietet und den anderen Teil "Siezt", denn dadurch könnte er ungewollte Emotionen schüren und den Eindruck eines Zweiklassen-Systems schaffen.

Sie können das "Duzen" mit den Kniggevorschriften ablehnen

  • Nach dem berühmten "Knigge" gibt es für den privaten und auch geschäftlichen Bereich einige Verhaltensvorschriften. Zum Beispiel steht im Berufsleben nur dem ranghöheren Mitarbeiter zu, das "Du" anzubieten. Auf gleicher Rangebene gebührt unter gleichgeschlechtlichen Personen dieses Recht dem älteren Mitarbeiter.
  • Möchten Sie als Vorgesetzter einer weiblichen Mitarbeiterin das "Du" anbieten wollen, lassen Sie es besser bleiben, denn es könnte als "Anmache" verstanden werden. Denn grundsätzlich gilt die Regel: "Die Frau darf dem Mann das "Du" anbieten.
  • Im privaten Bereich ist es so, dass zwar normalerweise die Frau dem Mann das "Du" anbietet, jedoch darf sie das nicht, wenn der Mann gesellschaftlich einen deutlich höheren Rang bekleidet. In dem Fall stände dem Mann das Duz-Angebot zu. Grundsätzlich kann aber der Ältere dem Jüngeren das "Du" anbieten.
  • Das Angebot zum "Duzen" können Sie sicherlich ablehnen, denn eine so vertrauensvolle Basis sollte auf beiden Seiten zu einem harmonischen Gefühl führen. Wichtig ist dabei nur, dass Sie dem Gegenüber deutlich zu verstehen geben, wie sehr Sie sich über das Angebot freuen und aus welchen Gründen es Ihnen schwerfällt, das "Du" anzunehmen. Bleiben Sie höflich, wenn Sie das "Du" ablehnen.
  • Es ist auch möglich, dass Sie sich für die Antwort eine Zeit der Überlegung erbitten. Teilen Sie in diesem Fall Ihrem Gegenüber mit, dass Ihnen dieses Angebot wichtig ist, dass Sie sich darüber freuen, aber auch darüber nachdenken müssen und deshalb etwas Zeit benötigen. Sie werden nach Ihren Überlegungen selbstständig auf den Menschen zugehen müssen, um die Situation dann,  mit entsprechenden Erklärungen höflich und freundlich zu klären.
  • Hin und wieder kann es notwendig werden, ein bereits länger dauerndes "Duzen" wieder zu canceln, um zum "Sie" zurückzukehren. Vor allem im Beruf könnte ein solches Vorgehen einmal wichtig werden. Seien Sie sich bewusst, dass Sie dadurch eine größere Distanz zu dem anderen aufbauen, als sie vor dem "Du" herrschte, denn Sie entziehen dem Gegenüber damit eine Vertrauensbasis.
  • Wenn Sie ein Angebot zum "Duzen" nicht möchten, können Sie es grundsätzlich ablehnen, denn auch Sie müssen sich im Umgang mit dem anderen wohlfühlen. Machen Sie es sich aber zur Regel, in einem solchen Moment höflich, freundlich und verbindlich die folgenden drei Absageninhalte gut zu formulieren:
  • Bringen Sie erstens Ihre Freude und Hochachtung über dieses Angebot zum Ausdruck und erklären Sie zweitens, aus welchen Gründen Sie das "Duzen" nicht annehmen können und bitten Sie drittens verbindlich, dass Ihre "Marotte", "Gründe" - oder sonstigen Erklärungen zur Ablehnung nicht das weitere, gute Umgangsverhältnis beeinflussen möge.

Zweckmäßig sind Formulierungen, die das Gegenüber gut dastehen lassen, weil Sie sich selber als altmodisch, zu konservativ oder unflexibel bezeichnen. Bewahren Sie stets einen respektvollen Umgang mit Ihrem Gegenüber.