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Teil deine Träume! - Gibt es Traum Sharing?

Träume sind Manifestationen des puren Unterbewusstseins. Sie sind der unverfälschteste Ausdruck des eigenen Selbst. Ein gemeinsamer, ein geteilter Traum ist seit jeher eine faszinierende Vorstellung, denn wer gemeinsam träumt, der verschmilzt für die Traumzeit zu einem Meta-Unterbewusstsein. In den Traum eines anderen zu reisen bedeutet, in dessen Seele zu reisen. Einen Traum mit jemand anderem zu teilen bedeutet, das gleiche Unterbewusstsein zu leben. Filme wie "A Nightmare on Elm Street" und "Inception" wollen von der realen Möglichkeit des sogenannten "Traum Sharing" überzeugen. Was ist dran? Sind Träume wirklich teilbar?

Gemeinsames Träumen ist eine faszinierende Vorstellung.
Gemeinsames Träumen ist eine faszinierende Vorstellung.

Mysterium Traumwelt und seine Wechselwirkungen mit der Realität

Trotz unaufhaltsamer Fortschritte in Psychologie und Forschung bleibt die Traumwelt ein Mysterium.

  • Fest steht heute: Lebewesen träumen. Inwieweit sich menschliche Träume wohl von denen anderer Lebewesen unterscheiden? Wenn man von den kognitiven Fähigkeiten des Menschen ausgeht, dann unterscheiden sie sich voraussichtlich durch das menschliche Bewusstsein darüber, dass Träume existieren - und irreal sind. Oder nicht?
  • Die australischen Ureinwohner gehen als animistische Kultur vom Gegenteil aus. Für sie existiert die Welt nur als Ganzes: Wachwelt und Traumwelt sind unweigerliche Teile desselben Kreises. Beide Welten beeinflussen einander, sodass Träume die Realität erst formen. 
  • Die Wissenschaften nehmen demgegenüber an, Träume würden die Geschehnisse der "realen Welt" verarbeiten. Dass ein Zusammenhang zwischen Realität und Traum besteht, streiten auch sie nicht ab. Wie aber ist es nun? Steht wie im Geiste der animistischen Völker zuerst der Traum und danach das Erlebnis oder ist es, wie die Wissenschaft sagt, andersherum?
  • Vermutlich keins von beidem. Ein kurzes Beispiel: Träume können dem Träumenden ein ungutes Gefühl bereiten. Man ist den gesamten nächsten Tag verhalten - der Traum nimmt so Einfluss darauf, was der Träumer in der Realität des Folgetags erlebt. Auf der anderen Seite kann der Träumende nur von Einzelelementen träumen, die einen Vorbezug zu seiner Realität haben. Ohne Traum also keine zukünftige Realität und ohne vergangene Realität kein Traum. Von einer einseitigen Einflussnahme kann nicht die Rede sein. Die Wechselwirkung ist unumstritten. In Träumen beginnen Verantwortungen, so sagte es schon William Butler Yeats.
  • Würden Sie Einfluss auf Ihre Träume nehmen können, dann könnten Sie demzufolge wechselseitigen Einfluss auf Ihre Realität nehmen. Könnten Sie den Traum eines anderen teilen, dann könnten Sie Ihren realen Horizont erweitern. Ihre Folgerealität würde sich dadurch für immer verändern.

Vielleicht macht gerade das den Gedanken des "Traum Sharing" so interessant, dass mit ihm ganze Filme gefüllt werden können.

Filmreifer Traum - "Nightmare on Elm Street" und "Inception"

  • Der Kulthorrorfilm "A Nightmare on Elm Street" thematisierte es schon in den 80ern: die Reise in denselben Traum. Eine Clique Jugendlicher begegnet im Traum täglich derselben Gestalt: Freddy Krueger sucht sie alle heim. Sein Ziel: Er will sie als Rache an ihren Eltern umbringen. Die haben ihn in Anarchie nämlich Jahre zuvor wegen Kindesmissbrauch verbrannt. Um den Traumreisenden zu besiegen, begeben sich die Freunde selbst auf eine Traumreise. Eine träumt, alle anderen sind eingeladen. Unter Hypnose gesetzt finden sie sich im selben Traum wieder und ziehen gemeinsam in den Kampf gegen den Traumgeist.
  • Im Erfolgsschlager "Inception" machen Leonardo DiCaprio und Co. das Konzept "Traum Sharing" nach: Einer konstruiert einen Traum, alle anderen werden angestöpselt, nehmen Chemikalien ein und reisen hinein. Reinigung des Unterbewusstseins während des Traums ist hier nicht angesagt: Anders als in "Nightmare on Elm Street" geht es hier nicht ohne Kontrolle. Die Psyche der Reisenden muss daher schon vor der Reise sauber sein. Ist sie es nicht, verlieren die Reisenden die Kontrolle. Ein unreines Unterbewusstsein bringt demzufolge alle Beteiligten in Lebensgefahr. 
  • Was beide gemein haben? Die Träumenden im geteilten Traum wissen, dass sie zusammen träumen. "Traum Sharing" ohne das Bewusstsein darüber funktioniert offenbar nicht. Der Fachmann spricht beim Träumen im Bewusstsein über das Träumen von einem luziden Traum.

Moment mal - geht das überhaupt, wo Träume doch der Ausdruck des Unterbewusstseins sind?

Luzides Träumen - auf ins "Traum Sharing"

Real ist zumindest eins: das Träumen im Wissen davon, dass man träumt.

  • Luzides Träumen ist aktiv trainierbar. Sie können sich beispielsweise mehrmals am Tag Ihre Finger ansehen und dazu immer wieder den Satz wiederholen: "Ich bin wach!" Wichtig ist, dass Sie an nichts anderes denken - nehmen Sie Ihre Finger oder das, was auch immer Sie sich ansehen, in jeder Einzelheit wahr und leeren Sie Ihren Kopf. Je öfter Sie eine derartige Übung in Ihren Alltag integrieren, desto wahrscheinlicher wird sie sich eines Nachts in Ihre Träume schleichen. Sobald das geschieht, sind Sie am Ziel: Haben Sie sich die Situation im Wachzustand gut genug eingeprägt, dann werden Sie im Traum bemerken, dass Sie träumen.
  • Ist das geschehen, dann stehen Ihnen Welten offen. Sie können die Folgegeschehnisse in Ihrem Traum fortan im Wissen über die Irrealität der Geschehnisse beeinflussen. Moment - ist der Traum nicht etwa die Realität, sobald Sie ihn als Traum erkennen? Zumindest bewegt er sich in diese Richtung. Ihre Traumerlebnisse fühlen sich fortan realer an. Das Beste daran: Im Traum können Sie tun, was Sie immer tun wollten - wie wäre es beispielsweise mit einem Fallschirmsprung?
  • Dass ein derartiges Vorgehen funktioniert, berichten viele luzide Träumer. Allerdings erfordert es sehr viel Übung. Erst wer professionell luzide träumt, kann seinen Traum mit allen Personen füllen, die er darin sehen möchte. Nur "Traum Sharing" ist es auch dann noch nicht ganz.
  • Für einen gemeinsamen luziden Traum muss Ihr Partner ebenfalls erkennen, dass er träumt. Jeder von Ihnen muss sich zuvor das Träumen im Bewusstsein über das Träumen zum allnächtlichen Ereignis gemacht haben. Das kann Monate dauern.
  • Es kann sinnvoll sein, Traumtagebücher zu führen und das jeweilige Tagebuch des anderen zu lesen. Gibt es Überschneidungen, dann steigt die Wahrscheinlichkeit der Traumteilungsmöglichkeit. Nächster Schritt zum geteilten Traum wäre die Auswahl eines Ihnen beiden bekannten Ortes, den Sie beide fortan jede Nacht intentional in Ihren Traum integrieren. Wann aus dem Ort ein Ihnen beiden bewusster, tatsächlicher Treffpunkt wird, steht in den Sternen. Der am ehesten vorstellbare Weg ist folgender: Sie konstruieren den geteilten Traum im Voraus gemeinsam. Sie legen zusammen jede Einzelheit fest, die sich ereignen wird. Sind Sie beide Meister des luziden Träumens, dann wird jeder für sich in der Nacht beeinflussen können, das vorher Festgehaltene nachzuträumen. Sie erleben dementsprechend beide denselben Traum. Aber Vorsicht: Eigene Träume zu kontrollieren geht. Die Träume anderer zu kontrollieren ist nicht möglich.
  • Da das Träumen zu großen Teilen noch immer der Aufarbeitung von Geschehnissen dient, ist kontrolliert luzides und gemeinsames Träumen womöglich nicht einmal gut. Sie stören so die Verarbeitung und überanstrengen im schlechtesten Fall Ihre Psyche.

Überlegen Sie sich dementsprechend gut, ob Sie das Training für sinnvoll halten. Denn Sie wissen ja: In Träumen beginnen Verantwortungen.

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