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Schräglage beim Motorrad - die richtige Fahrtechnik

Bei einspurigen Fahrzeugen, wie dem Motorrad oder Fahrrad, kann keine Kurve ohne Schräglage gefahren werden. Das hat seine Ursache in den physikalischen Gesetzen zur Schwerkraft. Sie als Motorradfahrer müssen lernen, mit den Auswirkungen dieser Gesetze auf der Straße klarzukommen. Je besser Sie diese kennen, desto sicherer werden Sie fahren.

Jede Kurve ist für den Motorradfahrer eine Herausforderung.
Jede Kurve ist für den Motorradfahrer eine Herausforderung.

Fliehkraft kontra Reibung beim Motorrad

Sie beobachten es täglich, wie schnelle Motorräder in Kurven liegen. Im Straßenrennsport ist dieses Phänomen ganz extrem zu erleben und entlockt dem Zuschauer mitunter staunende Bewunderung. 

  • In dem Moment aber, wo der Pilot das Kräfteverhältnis zwischen der Fliehkraft und der Haftung auf der Fahrbahn falsch einschätzt, passiert es: Die Masse des Motorrades plus Fahrer erzeugt eine Fliehkraft, die von den Reibungskräften an den Reifen nicht mehr aufgenommen werden können. Ein Sturz ist die unvermeidliche Folge.
  • Die physikalischen Gesetze besagen, dass Fliehkräfte umso höher sind, desto höher die Geschwindigkeit des Körpers ist. Außerdem spielt auch die Masse eine entscheidende Rolle. Je schwerer der Körper ist, desto kräftiger drängt er in Kurven nach außen.
  • Die Reifen haben nun die Aufgabe, diese nach außen schiebende Last so auf der Fahrbahn abzufangen, dass das Fahrzeug stabil bleibt. Auf der Rennstrecke erledigen das spezielle Reifen mit extrem hohen Reibungswiderständen, damit die erreichbare Kurvengeschwindigkeit möglichst hoch bleiben kann.

Wie Sie die Schräglage trainieren können

  • Der ADAC und andere Veranstalter unterhalten an vielen Standorten Übungsplätze zum Trainieren der Fahrsicherheit für Anfänger wie Fortgeschrittene. Es gibt dort verschiedene Bodenbeläge und wechselnde Bedingungen, auf die sich die Fahrer einstellen müssen. Erkundigen Sie sich, ob und zu welchen Bedingungen Sie an solchen Übungen unter Anleitung teilnehmen können.
  • Haben Sie keine Möglichkeit unter professioneller Aufsicht zu üben, suchen Sie sich einen nichtöffentlichen Platz, auf dem Sie (mit Genehmigung) Ihre Fertigkeiten festigen können.
  • Beim Schräglagentraining beginnen Sie immer so langsam, dass Sie Ihr Motorrad sicher beherrschen. Erst wenn es bei langsamer Fahrt Spaß macht, Kurven zu fahren, können Sie das Tempo und damit die Schräglage schrittweise erhöhen.
  • Unterschieden werden drei Kurvenstile: Das Legen, das Drücken und das Hängen. Letzteres praktizieren Rennfahrer, im Straßenverkehr birgt diese Methode eher Gefahren. Beim Drücken geschieht das Gegenteil vom Hängen: Die Maschine wird stärker abgewinkelt als der Körper. Beim Legen beschreiben Fahrer und Maschine eine Gerade.
  • Bei niedrigen Geschwindigkeiten kann Drücken zu Vorteilen führen. Sie sind in der Lage, schnell auf notwendige Richtungswechsel zu reagieren. Deshalb führen es Crosspiloten regelmäßig vor.
  • Im Straßenverkehr ist das Legen die sicherste Variante bei der Kurvenfahrt. Sie bewahren vollen Überblick, müssen sich nicht von der Maschine lösen und spüren am besten, wenn die Straßenhaftung in kritische Bereiche kommt. So gesehen, stellt jede Fahrt ein Schräglagentraining dar.

Damit Sie sicher durch alle Kurven kommen

  1. Halten Sie engen Körperkontakt zur Maschine, die Knie bleiben fest am Tank. Sobald Sie das unterbrechen, verändern sich die Kraftlinien, das Fahrzeug kann sofort instabil werden. 
  2. Versuchen Sie bei Kurvenfahrt unbedingt, die Kurveninnenseite nicht zu verlassen. Jedes Ausscheren auf die Mitte oder darüber hinaus birgt die bekannten tödlichen Gefahren. Es ist günstig, die Hüfte leicht in die Kurveninnenseite zu schieben.
  3. Angetriebene Räder besitzen eine höhere Haftung als abgebremste. Deshalb dürfen Sie niemals in der Kurve bremsen, wenn es kritisch wird. Bremsen Sie bis zum Kurveneingang und beschleunigen Sie in der Kurve.
  4. Erarbeiten Sie sich ein gutes Gefühl für die Eigenschaften einer Fahrbahn. Ein glattgeschliffenes Kopfsteinpflaster hat ganz andere Werte als etwa Beton oder Schotter. Beachten Sie auch schnell wechselnde Beläge.
  5. Fahren Sie gezielt vorsichtig um Kurven, wenn auf der Fahrbahn mit losem Laub oder Schwemmsand zu rechnen ist. Gleiches gilt bei einsetzendem Nieselregen oder plötzlichem Wetterumschwung, wie Schnee oder Nässe.
  6. In einer Kurve, die direkt in einer Senke liegt, müssen Sie mit hohen stauchenden Kräften rechnen. Das kann bei zu hoher Geschwindigkeit dazu führen, dass Sie nicht in der Lage sind, die nötige Schräglage einzunehmen, schwere Stürze sind hier keine Seltenheit.
  7. Nehmen Sie einen Sozius erst dann mit auf Ihr Motorrad, wenn Sie die Maschine sicher beherrschen. Weisen Sie den Copiloten ein, wie er sich zu verhalten hat. Verwechseln Sie die Straße nicht mit der Rennstrecke.
  8. Eine zweckmäßige und schützende Bekleidung, inklusive Sturzhelm und Handschuhe, sollte selbstverständlich sein, wenn Sie ein Motorrad besteigen. 

Motorradfahren ist etwas für Individualisten. Die Nachteile beim Sitzen im Freien und der eingeschränkte Komfort werden wettgemacht durch den unmittelbaren Kontakt mit der Natur und dem Gefühl unendlicher Freiheit. Damit Sie dieses Erlebnis unbeschwert genießen können, sollten Sie sich die Ratschläge zu Herzen nehmen, die aus eigener Praxis resultieren. 

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