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Deutsche Literatur des Mittelalters - ein Einstieg

Die mittelalterliche deutsche Literatur ist ein sehr umfassendes Thema, welches viele Werke, Dichter und Genres umfasst. Neben Meilensteinen wie dem Nibelungenlied oder dem Parzival, gibt es auch kleinere Werke wie Minnelyrik, welche sich zu lesen lohnen. Die Sprache des Mittelhochdeutschen ist dabei eine besondere Freude, wenn Sie sich darauf einlassen möchten.

Die mittelhochdeutsche Literatur ist teilweise in reich geschmückten Handschriften überliefert.
Die mittelhochdeutsche Literatur ist teilweise in reich geschmückten Handschriften überliefert.

Kurze Einordnung der mittelhochdeutschen Literatur

Die mittelalterliche Literatur Deutschlands umfasst verschiedene Genres und Autoren sowie Werke, deren Autor nicht bekannt ist. Hier zunächst einige Eckdaten zum Thema:

  • Das, was heute als große mittelhochdeutsche Dichtung bekannt ist, gruppiert sich um ein relativ kleines Zeitfenster, welches als mittelhochdeutsche Klassik bekannt ist. Es handelt sich um die letzten Jahrzehnte des 12. und die ersten Jahrzehnte des 13. Jahrhunderts.
  • Die Werke sind in mittelhochdeutscher Sprache geschrieben. Damit wird die Sprachstufe des Deutschen bezeichnet, die man etwa zwischen 1050 und 1350 in Mittel- und Süddeutschland sprach.
  • Die mittelalterliche Literatur Deutschlands wird in zwei große Bereiche eingeteilt: die Epik und die Lyrik. Die mittelhochdeutsche Epik ist erzählende Literatur in Versform. Es handelt sich also genauer gesagt um Versepik. Zur Lyrik gehören unter anderem die berühmten Minnelieder, in denen ein Ritter um eine höher stehende Dame wirbt und die Tagelieder. In diesen hatte der Minnediener Erfolg und die Lieder handeln davon, wie er vor dem Mann der Dame versteckt werden muss und wie die beiden sich in der Zeit bis zum nächsten Wiedersehen nacheinander verzehren.
  • Nicht bei allen Werken der mittelhochdeutschen Literatur sind die Autoren bekannt. Einige Werke oder Lieder können mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, aber nicht mit letzter Sicherheit einem Autor zugeschrieben werden. Eines der größten Werke der mittelhochdeutschen Literatur, das Nibelungenlied, hat beispielsweise einen anonymen Verfasser.

Große Autoren mittelalterlicher Werke

Welche großen Autoren prägen nun die mittelalterliche Literatur Deutschlands? Hier eine Auswahl:

  • Hier wäre zunächst einmal Wolfram von Eschenbach zu nennen. Er lebte um 1200. Am bekanntesten ist Wolfram für sein monumentales Werk Parzival. Er erzählt darin die Geschichte des Artusritters Parzival, der vom einfältigen Narren zum Gralshüter wird. Ein weiteres Werk Wolframs ist der Willehalm, der von Wilhelm dem Heiligen erzählt. Beide Werke gehören der Epik an. Des Weiteren dichtete Wolfram Minnelieder und Tagelieder.
  • Hartmann von Aue ist eine weitere zentrale Figur der mittelhochdeutschen Dichtung. Er war ein Zeitgenosse Wolframs und verfasste die vier Verserzählungen "Erec", "Iwein", "Der arme Heinrich" und "Gregorius". Außerdem dichtete er einige Lieder.
  • Der dritte der großen Epiker der klassischen mittelhochdeutschen Literatur um 1200 war Gottfried von Straßburg. Sein großes Werk ist der Tristan, eine gewaltige epische Bearbeitung des Tristan-und-Isolde-Stoffes.
  • Der bedeutendste Dichter lyrischer Werke war Walther von der Vogelweide, den Sie vielleicht noch aus dem Deutschunterricht kennen. Er lebte ebenfalls um 1200. Walthers Werk besteht aus 90 Minneliedern, 150 Sangsprüchen und einem Leich.
  • Im Bereich der Lyrik muss hier noch Neidhart genannt werden, der in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts lebte. Seine fast 200 Lieder beziehen sich auf ganz unterschiedliche Themen und werden größtenteils in Sommerlieder und Winterlieder eingeteilt.

Empfehlenswerte Literatur für Einsteiger

Wenn Sie sich mit mittelhochdeutscher Literatur befassen möchten, sollten Sie nicht gleich zum Willehalm greifen, sondern kürzere und/oder unterhaltsamere Werke zum Einstieg wählen.

  • Wer es abenteuerlich und fantastisch mag, ist mit den beiden Artusromanen des Hartmann von Aue, dem Erec und dem Iwein gut beraten. Es handelt sich um zwei Artusromane, die von den abenteuerlichen Fahrten der beiden Protagonisten handeln. Mit einer zweisprachigen Ausgabe können Sie die mittelhochdeutsche Sprache voll genießen und dennoch alles verstehen.
  • Ein dünnes und ernsteres Werk ist "Der arme Heinrich" vom selben Autor. Hartmann erzählt von dem todkranken Heinrich, der durch den freiwilligen Tod eines anderen Menschen wieder zur Gesundheit gelangen könnte. Die achtjährige Tochter eines seiner Vasallen bietet sich bereitwillig an. Heinrich geht nun mit sich zurate, ob er das leidenschaftlich vorgebrachte Angebot annehmen kann. Die Geschichte kommt dem modernen Leser teilweise etwas absurd vor, besonders in den Passagen, in denen das Mädchen alle zu überzeugen versucht, sie für ihren Herrn sterben zu lassen. Es ist aber dennoch großartig gedichtet.
  • Mit den Romanen Hartmanns hat es sich auch schon mit kürzerer erzählender Dichtung. Was Sie unbedingt lesen sollten, wenn Sie genügend Zeit haben, ist das Nibelungenlied. Da die Geschichte relativ bekannt ist, können Sie ihr vermutlich auch in der mittelhochdeutschen Fassung folgen. Einfacher machen Sie es sich mit einer zweisprachigen Ausgabe.
  • Wenn Sie kürzere Werke lesen möchten und weder einen Spannungsboden noch eine relevante Handlung vermissen, greifen Sie zu Minne- oder Tageliedern.

Sie haben bei der mittelhochdeutschen Literatur also eine große Auswahl an Werken, die mal abenteuerlich, mal ernst, mal philosophisch, mal kitschig sind. Selbst wenn Sie sich mit der Originalsprache schwertun, lohnt sich ein Blick in eine zweisprachige Ausgabe. Lesen Sie Ihre Lieblingsstellen dann noch einmal auf Mittelhochdeutsch!

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