Was Sie benötigen:
  • Die Fähigkeit über sich selbst zu lachen
  • Die Fähigkeit über den Anderen so zu lachen, dass der Andere mitlacht

Büttenrede - Vortrag zur 5. Jahreszeit

  • Büttenreden gibt es nicht vom Reißbrett. Der beste Vortrag ist meist der eines "Typenredners". Als Hervorbringsel der Karnevalshauptstadt Köln ist man da - aus längst vergangenen Tagen - ein gewisses (mittlerweile seltenes) Niveau gewohnt. Der Typenredner verkörpert in der Regel eine frei erfundene Figur, die bestimmte Eigenschaften völlig überzeichnet und Ereignisse aus der Perspektive dieser Figur erzählt. Schauen Sie einmal auf YouTube nach "Botterblömche", "Ne ärme Deuvel" oder "Willibert Pauels".

  • Ob Sie freilich einen Typen finden, bevor oder nachdem Sie eine Rede geschrieben haben, bleibt Ihnen überlassen und insofern soll diese Anleitung auch aus voneinander unabhängigen zwei Teilen bestehen.

Wie verkaufen Sie eine Karnevalsrede?

  • Sie werden merken, dass nicht alle Büttenredner Dialekt sprechen. Das ist auch nicht nötig. Sie sollten Dialekt nur dann in den Vortrag einbauen, wenn zum einen gesichert ist, dass die Pointe auch verstanden wird und zum anderen, wenn Sie selbst sich sicher genug darin bewegen. Dennoch kann ein gewisser sprachlicher Einschlag (auch fremder Einschlag - siehe "Botterblömche") den Vortrag befeuern und ihm Charme verleihen.

  • Bedenken Sie, nichts ist so eine ernste Sache wie Komik. Seien Sie sorgfältig mit der Auswahl Ihrer Figur. Gehen Sie nicht danach, ob Ihnen die Figur schmeichelt, stellen Sie nicht sich zur Schau, sondern stellen Sie die Figur zur Schau. Lassen Sie die Figur machen!

Achtung beim Schreiben Ihres Karnevalsvortrages!

  • Es kommt auf die richtigen Pointen an. Diese sollten nicht zu kurz hintereinander abgefeuert werden, damit das Publikum nicht überfordert wird und ermüdet und auch nicht zu lange auf sich warten lassen, damit es nicht einschläft. Springen Sie nicht und denken Sie daran, dass nicht alle guten Witze für einen Vortrag im Karneval taugen.

  • Wie überall kommt es darauf an, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. Sie werden auf viele komische Situationen stoßen, auf komische Menschen, die Sie als "Schwager", als "Bruder" etc. in die Rede einfließen lassen können.

  • Auch vor dem politischen Witz brauchen Sie nicht halt zu machen. Immerhin verdankte Karl Küpper in den 30er bis 50er Jahren vor allem dem politischen Witz sein Ansehen (so hob er etwa in der NS-Zeit zur Begrüßung des Publikums die Hand zum Hitlergruß: „Su huh litt bei uns dr Dreck em Keller!“ - "So hoch liegt im Keller der Dreck!"). Sie sollten aber hier nicht zu tief einsteigen. Niemand wird von Ihnen politisches Kabarett erwarten. Und das wäre auch vollkommen verfehlt.

  • Bedenken Sie, dass es je nachdem, wann Sie "dran" sind, es sich um ein mehr oder minder stark alkoholisiertes Publikum handelt. Sie sollten zwar nicht zu derben Zoten greifen, aber je dümmer die Pointen sind, desto mehr Lacher werden Sie auf Ihrer Seite haben. Bitte denken Sie daran, dass Primitivität nichts mit Komik zu tun hat. Greifen Sie zu Wortspielen, spielen Sie mit Namen oder verknüpfen Sie Namen mit Situationen und so weiter.

  • Sicher haben große Meister große oder, im Idealfall, zeitlose Reden fabriziert. Aber der Karneval lebt nicht davon, alte Kamellen beständig neu aufzukochen. Natürlich können Sie lernen, indem Sie sich die Pointen anderer anhören. Sie können die eine oder andere auch für Ihre Rede anpassen, aber bauen Sie Ihre Rede nicht nur aus Versatzstücken auf. Das zerstört den Fluss und wirkt künstlich.

  • Achten Sie auf den Fluss. Wenn Sie mit anderen Figuren arbeiten, etwa "Bruder", "Schwester", "Schwager", "Vater", "Mutter", "Nachbar" und so fort, dann springen Sie nicht von einer Figur zur Anderen. Erzählen Sie von Ihrem Bruder, dann bleiben Sie auch dabei. Handeln Sie eine Figur ab und wechseln Sie zur nächsten, so machen Sie es sich und dem Publikum leichter.

  • Zum Vortragen sollten Sie Ihre Pointen zwar genau kennen, aber nicht bis zum letzten Komma auswendig hersagen. Auch wenn Monotonie das Markenzeichen Ihres Typs ist, sollten Sie das Publikum niemals langweilen. Und es wird sich langweilen, wenn es merkt, dass da einer steht, der nur ein auswendig gelerntes Programm abspult.

  • Spielen Sie mit dem Publikum, merken Sie sich ein paar Gags, die Sie je nach Situation abfeuern können. Vielleicht sind Sie Kölner und im Publikum sitzt jemand, der sich benimmt, als sei er aus Düsseldorf. Das können Sie natürlich aufs Korn nehmen, aber natürlich "met Hätz un Jeföhl", also nicht, indem Sie einfach über Düsseldorf herziehen. Nehmen Sie den armen Menschen bildlich gesprochen in den Arm und führen Sie ihn freundlich, aber bestimmt auf den Boden der kölschen Herzlichkeit. Dieser Rat ist natürlich für Karnevalisten jeglicher Herkunft gültig und anwendbar.

  • Merken Sie sich bitte, wie anfangs gesagt: Eine gute Büttenrede gibt es nicht vom Reißbrett. Der gute Vortrag ist eine wirkliche Kunst, zu der sehr viel Einfühlungsvermögen in Situationen und Publikum gehört und so weiß letztlich nur der Redner selbst, welche Pointen zu ihm passen und welche nicht. Und die wirklich großen Redner sind es, die fühlen können, welche davon zum jeweiligen Publikum passen. Alaaf!!