Alle Kategorien
Suche

Orchideen über Samen vermehren

Samen von Orchideen sind im normalen Handel nicht erhältlich, denn die winzigen Samen der Pflanzen sind schwer zum Keimen zu bringen.

Frauenschuh - eine bewunderswerte Orchidee.
Frauenschuh - eine bewunderswerte Orchidee. © Dieter_Schütz / Pixelio

Orchideen (Orchidacae) sind Zimmerpflanzen, die durch ihr exotisches Flair und ihre Schönheit viele Liebhaber finden. Circa 15.000 bis 30.000 Arten sind bekannt. Einige wenige stehen inzwischen in jedem Blumenladen zum Verkauf. Aber können Sie diese auch durch Samen vermehren?

Besonderheiten der winzigen Samen

Fällt in einer Orchideenblüte Pollen auf die Narbe, bilden sich innerhalb einiger Wochen oder Monate Samenkapseln aus. Sind diese ausgereift, fallen sie zu Boden und platzen dort auf. Dabei entlässt eine einzige Samenkapsel hunderttausende oder bis zu einer Millione winzige Samen. Die Körnchen sind fein wie Staub.

Orchideensamen haben kein Nährgewebe wie die meisten anderen Samen. Daher ist es für die kleinen Pflänzchen schwer, sich zu entwickeln. Sie sind nicht in der Lage, Nährstoffe aus dem Substrat zu lösen und zu nutzen.

Die Samen der Orchideen benötigen einen Pilz, mit dem sie in Symbiose leben. Dieser spaltet die Nährstoffe aus dem Substrat oder der Rinde auf, sodass diese von den Samen genutzt werden können. Die Bedingungen, die Samen von Orchideen zum Keimen und Wachsen benötigen, können Sie auf einer Fensterbank nicht schaffen.

Orchideen selbst aussäen

Profizüchter von Orchideen führen den Samen und den winzigen Sämlingen die Nährstoffe künstlich zu. Dazu sind sterile Werkbänke notwendig. Bis aus dem Samen dann eine blühende Orchidee herangewachsen ist, vergehen drei bis zehn Jahre.

Wenn Sie sehr experimentierfreudig sind und über genug Geduld verfügen, können Sie es auch ohne sterile Werkbank versuchen. Sie brauchen dafür aber unbedingt den Pilz. Dieser ist eventuelle in der Erde der Mutterpflanze vorhanden. Graben Sie ein Stück Borke für 14 Tage im Substrat des Topfes ein und halten Sie beides feucht.

Sie haben nun vermutlich den Pilz auf der Borke und können einen Zuchtversuch unternehmen. Verwenden Sie für die Zucht unbedingt frisch abgekochtes destilliertes Wasser, das auf Zimmertemperatur abgekühlt ist. Fremdkeime können Pilz und Samen überwuchern und Salze im Trinkwasser schaden den Keimlingen.

Tragen Sie bei Ihrem Experiment Handschuhe. Versuchen Sie, so steril wie möglich zu arbeiten.

Checkliste für die Aussaat

  • Besprühen Sie die Borke mit Wasser, damit sie gut durchfeuchtet.
  • Geben Sie die Samen darauf.
  • Legen Sie die Borke mit den Samen in ein Minigewächshaus.
  • Sorgen Sie durch Sprühen mit Wasser für eine hohe Luftfeuchtigkeit, aber sprühen Sie nicht die Borke an.
  • Wenn sich kleine Pflanzen zeigen, legen Sie die Borke zusammen mit den Pflänzchen auf einen Topf mit Orchideenerde.
  • Wässern Sie den Topf einmal pro Woche, indem Sie ihn ins Wasser stellen.
  • Lassen die den Topf im Gewächshaus, bis die Pflanze mindestens drei Blätter hat.

Wieso die Pflanzen selten Samen bilden

Die meisten Orchideen im Handel sind Hybriden, sie sind Nachkommen verschiedener Orchideenarten. Die großen Blüten der Phalaenopsis sind das Ergebnis dieser gezielten Kreuzungen. Die Pflanzen in der Natur haben weniger und kleinere Blüten.

Die Zucht ist ganz auf die Schönheit ausgelegt und führt in der Regel zu sterilen Pflanzen. In den Blüten entsteht entweder kein Pollen oder keine Samenanlage. Aus diesem Grund bilden die meisten Orchideen aus dem Handel keine Samenkapseln.

Vermehrung über generative Methoden

Bei diesen Methoden wachsen die neuen Pflanzen aus Teilen der Mutterpflanze. Sie erhalten absolut identische Nachkommen.

Einige Sorten bilden Sprossen aus den Wurzeln oder Bulben (Verdickungen die Nährstoffe speichern). Sorten wie Oncidium, Cattleya, Cymbidium und Dendrobium lassen sich beim Umtopfen teilen. Gute Erfolge erzielen Sie, wenn Sie die dicken Bulben abtrennen und in eigene Töpfe setzen.

Die Phalaenopsis bildet manchmal nach der Blüte spontan ein Kindel am Blütenstängel. Warten Sie, bis die kleine Pflanze Wurzeln und drei Blätter hat, bevor Sie diese abtrennen und in einen eigenen Topf setzen.

Sie können auch einen abgeblühten Stängel anregen, Kindel zu bilden. Schneiden Sie ihn mit einem sterilen Messer ab und legen ihn auf feuchten Torf. Damit das Ganze nicht austrocknet, decken Sie durchsichtige Folie darüber.

Weitere Möglichkeiten der Vermehrung

Wenn Sie Nachkommen von Ihren schönen Orchideen ziehen möchten, haben Sie neben dem mühevollen Versuch der Vermehrung über Samen noch folgende Möglichkeiten:

  • Große Orchideen lassen sich beim Umtopfen oft teilen.
  • Bei Sorten, die Bulben bilden, lassen sich Verdickungen abtrennen, die dann zu Ablegern führen.
  • Viele Orchideen bilden spontan Kindel.
  • Kindel lassen sich aus Blütenstängeln ziehen.
  • Samen sind schwer zu beschaffen und keinen schlecht.

Die Vermehrung über Samen ist bei Orchideen eine Aufgabe für Profis oder experimentierfreudige Liebhaber. Vielleicht haben Sie Glück und Ihnen gelingt die Zucht daraus, wenn nicht, versuchen Sie eine der oben genannten Methoden.

Teilen: