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Inflationen bekämpfen - staatliche Maßnahmen

In den Nachrichten hören Sie immer wieder von Inflationen. Oft werden auch Maßnahmen angesprochen, wie Staaten diese bekämpfen sollen. In der Theorie ist dies einfacher als in der Praxis. Viele haben allein bei der Nennung des Wortes ein Schreckensszenario vor Augen.

Eine Inflation muss nicht immer bekämpft werden.
Eine Inflation muss nicht immer bekämpft werden.

Ursachen von Inflationen

Es wird Sie vermutlich überraschen, aber eine Inflation ist ein normaler Ablauf in jeder Volkswirtschaft. Sie ist definiert als eine Erhöhung der Güterpreise. Diese ist gleichbedeutend mit einer Minderung der Kaufkraft einer Währung. In jeder Volkswirtschaft findet eine Abfolge von Preis- und Lohnerhöhungen statt. Ein Bekämpfen ist nicht immer nötig.

  • Die genauen Abläufe und Zusammenhänge sind nicht eindeutig. Es gibt verschiedene volkswirtschaftliche Theorien, wie es zu diesen Preiserhöhungen kommt. Meist treffen mehrere Faktoren zusammen.
  • In den monetären Inflationstheorien geht man von einem Gleichgewicht aus, wenn die Geldmenge multipliziert mit der Umlaufgeschwindigkeit identisch mit dem Produkt aus Preisniveau und Produktion ist. Das Preisniveau steigt, wenn die Umlaufgeschwindigkeit oder die Geldmenge zunimmt, beziehungsweise die Produktion abnimmt. Der Staat kann normalerweise nur Einfluss auf die Geldmenge nehmen.
  • Die sogenannte Wiener Schule geht davon aus, dass eine Inflation in erster Linie durch ungedecktes Geld verursacht wird. Also eine Geldmenge, der kein entsprechender Wert an Gütern gegenübersteht.
  • Andere Theorien gehen von einem Anstieg der Nachfrage nach Gütern aus. Der Markt reagiert mit Preisanstieg, weil die Nachfrage nicht befriedigt werden kann. Es gibt auch Ansätze die eine Steigerung der Produktionskosten für die Preisanstiege verantwortlich machen.

In der Volkswirtschaftslehre werden Sie noch auf viele weite Theorien stoßen. Wenn Staaten Maßnahmen gegen eine Inflation in Angriff nehmen, ist es wichtig, die Ursachen zu erkennen. Dies ist in der Praxis sehr schwierig. Meist treffen mehrere Erklärungen zu.

Notwendigkeit den Preisanstieg zu bekämpfen

Alle Wirtschaftssysteme überwachen die Preisentwicklungen mithilfe eines Vergleichswarenkorbs. Die Wissenschaftler ermitteln regelmäßig, um wie viel Prozent der Kauf der Waren in dem Korb teurer wird. Die Staaten halten also die Preissteigerungen im Blick.

  • Es gibt keine festen Grenzen, ab welchem Preisanstieg ein staatlicher Eingriff sinnvoll ist. Die Inflation ist notwendig, um in einer Aufwärtsspirale aus Anstieg der Löhne und der Preise für mehr Wohlstand zu sorgen. Ohne diese Entwicklungen könnten Sie sich heute für eine Deutsche Mark genauso viel kaufen wie am 21. Juni 1948. Allerdings würde der durchschnittliche Lohn wie damals etwa 185 DM betragen. Heute beträgt er etwa 5.800 DM. Ein Kilogramm Brot kostete damals 0,41 DM, heute kostet es 6,80 DM. Für Ihren Lohn konnten Sie sich damals 450 kg Brot leisten, heute 850 kg. Sie sehen, Inflation ist nicht immer schlecht.
  • Ein Problem entsteht, wenn in einem Land die Preise und Löhne extrem stark steigen. Importe verbilligen sich, aber Exporte verteuern sich. Die Menschen kaufen vermehrt eingeführte Waren, die Wirtschaft hat Probleme ihre Waren im Ausland abzusetzen. Dieses Phänomen macht eine Inflation zu einem Problem, obwohl für die Menschen im Land alles Ideal zu laufen scheint. Sie können billig einkaufen.
  • Richtig problematisch wird es erst, wenn in kurzer Zeit die Preise sehr stark anziehen. Das Geld also schneller entwertet wird, als es umgesetzt werden kann. Sobald das Vertrauen in den Wert einer Währung erschüttert ist, sinkt die Bereitschaft, Geld gegen Ware zu tauschen. Vor der Währungsreform 1948 waren die Läden leer. Niemand war bereit, Waren gegen Reichsmark zu tauschen. Es entstand ein Schwarzmarkt, auf dem Waren gegen Waren getauscht wurden. Auch eine starke Inflation hat Vorteile. Sachwerte verlieren keinen Wert. Schulden, dagegen schon. Wenn Sie eine Immobilie für 200.000 € gekauft haben und noch 100.000 € Schulden abzuzahlen sind, gewinnen Sie. Der Wert des Objekts steigt mit den Preisen, die Schulden bleiben konstant.

Heute versuchen die Staaten und die Zentralbanken, eine stabile geringe Inflationsrate zu erreichen. Die Europäische Zentralbank strebt für den Euro eine jährliche Inflationsrate von unter 2% an. Erst wenn diese Rate überschritten wird, werden Maßnahmen gegen eine Inflation beschlossen.

Eingriffsmöglichkeiten um den Preisanstieg zu stoppen

  • Die Geldmenge wird über die Zentralbanken reguliert. Diese sind verpflichtet, Inflationen zu bekämpfen, beziehungsweise in einem Rahmen zu halten. Einen direkten Einfluss haben die Staaten auf die Banken nicht. Die Banken können über Zinserhöhungen zum Beispiel das Geld teurer und damit knapper machen. Eine Bindung der Währung an Gold ist eine andere Möglichkeit die Geldmenge zu reduzieren. Allerdings kann diese Verknappung durch eine Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit kompensiert werden. Diese Verknappung des Geldes kann zu Versorgungsengpässen bei der Bevölkerung führen. Die Löhne steigen nicht genug, um sich weiter im ausreichenden Maß mit Gütern zu versorgen.
  • Der Staat ist auch Konsument. Er kann seine Nachfrage verringern, um so die Gesamtnachfrage zu reduzieren. Sofern die Inflation auf einer zu starken Nachfrage beruht, ist dieses Mittel wirkungsvoll. Da der Staat in der Regel sozial wichtige Güter nachfragt, hat die Reduzierung der Staatsnachfrage gefährliche Konsequenzen. Notwendige Schulen oder Straßen werden zum Beispiel nicht gebaut beziehungsweise deren Instandhaltung vernachlässigt.
  • Ein anderer Weg ist, die Preise und die Löhne für eine gewisse Zeit staatlich festzuschreiben. Eine staatliche Preisbindung führt, wie die Vergangenheit bewiesen hat, meist zu einem Schwarzmarkt. Konsumenten sind bereit höhere Preise zu zahlen, um begehrte Güter zu bekommen. Gleichzeitig verweigert der Handel, Güter zum staatlich festgelegten Preis zu veräußern.

Sie sehen, die Eingriffsmöglichkeiten sind sehr stark eingeschränkt. Inflationen haben sehr viel mit der Psyche der Menschen zu tun. So kann die Angst vor einer Inflation eine Flucht in Sachwerte auslösen, die wiederum erst einen Preisanstieg auslöst. Ein Staat, der verkündet, einen Inflation zu bekämpfen, kann diese mit dieser Äußerung beschleunigen.

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