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Hörig sein - so werden Sie unabhängig

Der Begriff "hörig" stammt aus der altdeutschen Rechtssprache und bedeutet "auf jemanden hören" bzw. "jemandem folgsam sein". So waren im Mittelalter Leibeigene ihren Herren hörig, denn sie mussten sich ihnen unterordnen. Der Begriff „hörig sein“ bezeichnet also in erster Linie eine Abhängigkeit von einer Person. Es geht in erster Linie um eine emotionale Bindung und nicht, wie oft vermutet, um Sex-Praktiken. Aus diesem Grund soll "hörig sein" in diesem Artikel im ursprünglichen Sinn betrachtet werden.

Hörig sein bedeutet abhängig sein.
Hörig sein bedeutet abhängig sein.

Warum Sie hörig sind

  • Hörig oder abhängig sein wird in unserer Gesellschaft oft als negativ ausgelegt. Dabei kann eine gesunde Form von Abhängigkeit auch positiv für eine Partnerschaft sein. Der Sinn einer Partnerschaft ist es ja gerade, dass man das Leben nicht als Einzelkämpfer meistern muss. Sie brauchen sich Ihrer Abhängigkeit nicht zu schämen. Akzeptieren Sie also, dass Sie in irgendeinem Bereich Ihrem Partner gegenüber hörig sind, weil Sie z. B. seine Hilfe oder seinen Rat brauchen oder finanziell von ihm abhängig sind. Trennen Sie sich davon, „hörig sein“ nur negativ zu formulieren. Abhängigkeiten sind die stabilisierenden Elemente Ihrer Partnerschaft.
  • Doch warum sind Sie hörig bzw. wie wird eine Person hörig? Oft sind Personen, die hörig sind, in einem Elternhaus aufgewachsen, in dem zumindest ein Elternteil dominant war und absoluten Gehorsam forderte. In den ersten Lebensjahren ist dies ja auch wichtig. Aber irgendwann sollten Sie sich von diesem Elternteil lösen und erwachsen werden.
  • Hörig sein hat also auch etwas mit der eigenen Meinung und dem Treffen von eigenen Entscheidungen zu tun. Aus diesem Grund werden oft Freiheit und Würde aufgegeben, da Personen, die hörig sind, sich oft einen dominanten Partner, eine dominante Partnerin suchen. Dies geschieht aber in der Regel unbewusst.

Abhängigkeit muss nicht Ihr Schicksal sein

Hörig sein muss nicht Ihr Schicksal sein. Jeder kann nämlich lernen, eigene Entscheidungen zu treffen. Natürlich ist dies mit sehr viel Risiko verbunden. Aber Sie müssen ja auch nicht gleich mit der Frage anfangen, in welches Aktienpapier Sie einen Großteil Ihres Vermögens investieren sollen. Reden Sie mit Ihrem Partner und fangen Sie an, kleine Entscheidungen zu treffen, die Ihren Alltag betreffen.

  • Der erste Schritt, um von der Abhängigkeit frei zu werden, ist, dem Elternteil, der von Ihnen Gehorsam und Unterordnung forderte, zu vergeben. Wut, Bitterkeit und Groll haben noch nie positive Auswirkungen gehabt und können den Prozess des Freiwerdens blockieren.
  • Der erste praktische Schritt könnte dann z. B. lauten, dass Sie anfangen, eigenständig den Essensplan zu erstellen. Bitten Sie Ihren Partner, Sie in dem Prozess zu unterstützen, indem er Sie immer wieder ermutigt.
  • Auch für Ihren Partner wird sich nun einiges ändern. Traf er bisher alle Entscheidungen alleine, muss er sich nun zurückhalten, um Ihnen den nötigen Freiraum zu geben. Um „Zusammenstöße“ zu vermeiden, sollten Sie sich mit Ihrem Partner absprechen, in welchen Bereichen er und in welchen Sie Entscheidungen treffen.
  • Was sollen Sie aber tun, wenn Ihr Partner bzw. Ihre Partnerin nicht bereit ist, Sie in diesem Prozess zu unterstützen, weil er bzw. sie einfach Freude daran hat, Sie zu beherrschen? In einem solchen Fall sollten Sie keine Kosten und Mühen scheuen und professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Vielleicht hilft ja auch die persönliche Aussprache mit einem Freund oder einer Freundin. Oft haben diese nämlich emotionalen Abstand und sind darum hervorragende Ratgeber.
  • Suchen Sie Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe vor Ort. Was haben andere Personen in Ihrer Situation gemacht? Was davon können Sie umsetzen und was können Sie von ihnen lernen?

Wichtig ist, dass Sie erkennen, dass Sie eine einzigartige Person sind, und aus diesem Grund nicht aufgeben. Es ist keine Schande, hörig zu sein. Aber es ist ein Fehler, für den Rest Ihres Lebens hörig zu bleiben.

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