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Eine Ballade schreiben - so geht's melancholisch

In der Romantik galt sie als die Gedichtform schlecht hin, sie machte das Unmögliche möglich, sie brach alle künstlerischen Grenzen und überwand sogar die Abgründe zwischen Gattungen - die Ballade. Kein Wunder, dass sie noch heute in der Schulzeit durchgekaut wird, wenn sie doch stellvertretend für eine ganze Epoche genannt werden kann. Sollten auch Sie sich mehr oder weniger gezwungenermaßen in der Schule mit der Ballade beschäftigen und man Ihnen aufgetragen haben, selbst eine nach romantischem Vorbild zu verfassen, finden Sie hier einige Tipps und Anregungen, wie Sie eine Ballade schreiben.

Balladen schreiben muss man lernen.
Balladen schreiben muss man lernen. © Traumtaenzerin / Pixelio

Fakten zur Form der Ballade

  • Letztlich setzt sich die Ballade als "Ur-Ei" der Dichtung und eine Art erzählerischem Lied immer aus epischen, lyrischen und dramatischen Elementen zusammen, wobei dramatisch hier vor allem die Handlungen des Protagonisten bezeichnet. Thematisch sollte die Ballade alle zwischenmenschlichen Erlebnisse beinhalten. Solche Thematiken werden schließlich vor allem der Faszination von Natur- und dem Fantastischen gegenüber gestellt, um eine abschließende Weisheit zu vermitteln.
  • Um eine Ballade zu schreiben, empfiehlt es sich, sich mit Reimschemata auseinanderzusetzen. So sind für Sie für den Endreim, also den Zeilen abschließenden Reim, vor allem die Hauptreimschemata von Bedeutung. Darunter befindet sich der Kreuzreim, bei dem sich das Wort der gegenwärtigen Zeile mit dem der übernächsten reimt. Der umschließende Reim mit dem Schema "A-B-B-A" dagegen meint, dass sich das Wort der ersten Zeile mit dem der Vierten reimt, das der Zweiten mit dem der dritten. Sicherlich bietet sich auch der Paarreim an, bei dem sich erstes und zweites sowie drittes und viertes Endwort reimen sollen.
  • Der Reim selbst kann neben der Reimform reiner oder unreiner Reim sein. Von einem reinen Reim spricht man immer dann, wenn im Endreim das gleiche Wort verwendet wird. Ein unreiner Reim hingegen weist eine deutliche Abweichung im Reimlaut selbst auf. Solch ein Reim wird vor allem da verwendet, wo man die Aufmerksamkeit des Lesers am meisten wünscht.
  • Auch Stabreim und Alliteration finden sich oft in Balladen wieder. So können die ersten Wörter in einer Verszeile entweder die gleichen oder recht ähnlich zueinander sein. Im Binnenreim oder auch dem inneren Reim reimen sich neben den Endwörtern von beispielsweise Zeile 1 und Zeile 2 zusätzlich Silben innerhalb derselben Verszeile miteinander.

Das "Ur-Ei der Dichtung" selbst schreiben

  • Wollen Sie selbst eine Ballade schreiben, so sollte im ersten Schritt eine Exempelbildung erfolgen. Überlegen Sie sich, von was Sie erzählen wollen und beachten Sie, dass Balladen schicksalsvolle Begegnungen beschreiben, die stellvertretend für zwischenmenschliche Phänomene stehen.
  • Behandelte Ereignisse sollten in einer Ballade dabei alles andere als gewöhnlich sein, viel eher geheimnisvoll und vor allem tragisch, sodass sich Drama am Ende auch wirklich mit Lyrik und Prosa vermischt. Mit schicksalshaften Situationen ist gemeint, dass die behandelten Ereignisse lebensweisende Wirkung haben sollten.
  • Die gesamte Handlung soll beim Protagonisten Ihrer Ballade starke Gefühle auslösen, von denen er Reinigung erfährt, ob Kummer, Zorn oder Freude bleibt Ihnen beim Schreiben selbst überlassen. Achten Sie darauf, dass der Handelnde nicht über jene Gefühle nachdenkt. Die Vordergründigkeit des Gefühls und des Instinkts überwiegt in der Ballade als romantisches Genre eindeutig dem Kopf und Verstand.
  • Merken Sie sich zudem, dass jede Ballade ein begrenzter, zeitlicher Reinigungsprozess ist. Gefühle spielen eine übergeordnete Rolle, verwirrende, emotionale Situationen finden sich eher in Liedballaden wieder, nicht aber in den weiteren Gattungen.
  • Formal besteht die Ballade aus Strophen und Reimen wie auch das Gedicht. Jedoch unterscheidet sie sich insofern vom gewöhnlichen Gedicht, weil sie tatsächlich eine Geschichte erzählt. Die beschriebene Geschichte kann anders als das Gedicht Dialoge enthalten. Außerdem sollte sich als weiterer Unterschied zum Gedicht ein sich wiederholender Refrain bestimmen lassen. Als beliebtester Balladenaufbau gelten die Chevy-Chase-Strophen. Dabei handelt es sich um je vier Verse, die auf betonte Silbe enden.
  • Merken Sie sich zudem für das Schreiben, dass Balladen meist nicht ohne Enjabements auskommen, dass heißt also, Sätze enden nicht in der Verszeile, sondern können über mehrere Zeilen springen. Auch Rhythmik spielt eine große Rolle, weil die Ballade generell für den Vortrag gedacht ist.
  • Um Gefühl direkt zu vermitteln, finden sich als Stilmittel vor allem Ausrufe in Balladen. Zudem sollten Sie Allegorien einbauen und Dinge eher bildlich darstellen statt direkt auf einzelne Phänomene Bezug zu nehmen. Auch Anaphern sind ein gern gesehenes Stilmittel. So können einzelne Wörter, ganze Wortgruppen oder sogar Satzstrukturen wiederholt werden, um Harmonie zu vermitteln oder geschlossene Kreise darzustellen.
  • Zuletzt ist anzumerken, dass tiefe Melancholie für eine waschechte Ballade absolut entscheidend ist. Sehnsucht, Fernweh und das Träumen von lange Vergangenem oder Ungreifbarem sollten unbedingt Darstellung finden. Bildlich eignet sich Nebel zum Ausdruck von Melancholie, auch die Weite der Natur, seien es Felder oder das Meer, bieten sich an. Zudem können Hyperbeln, also ÜÜbersteigerungen und die Personifikation von Unbelebtem genutzt werden. Weiter sind kurze Sätze eher melancholisch zu interpretieren als Schachtelsätze, Parallelismen eher als Überkreuzstellungen.

Und nun sind Sie selbst an der Reihe - Stift in die Hand, und los geht's mit dem Schreiben Ihrer ersten Ballade.

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