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Durch Methanol blind? - Eine Erklärung

Wer kennt nicht (mehr oder weniger witzige, teils makabre) Geschichten, bei denen Menschen durch den Genuss von Methanol blind geworden sind. Aber was ist dran an diesen Geschichten?

Methanol ist giftig.
Methanol ist giftig.

Was ist Methanol?

  • Methanol ist eine organische Verbindung, und zwar der einfachste Alkohol.
  • Die chemische Formel für diesen Alkohol lautet CH3-OH, Methanol ist also der zu dem Gas Methan gehörige Alkohol.
  • Methanol ist bei Zimmertemperatur (und normalem Luftdruck) eine klare Flüssigkeit, die einen starken Alkoholgeruch hat. Der einfache Alkohol kann gut mit Wasser gemischt werden.
  • Auch wenn man es zunächst nicht glauben mag, wird Methanol in geringen Mengen in der Natur hergestellt, zum Beispiel in einigen Pflanzen (wahrscheinlich zur Schädlingsabwehr), aber auch in Früchten. Methanol wird auch von einigen Bakterien beim Stoffwechsel gebildet.
  • In geringen Mengen entsteht neben dem Trinkalkohol (Ethanol) auch Methanol bei der Vergärung durch Hefepilze. 

Kann man durch Methanolgenuss blind werden?

Um es gleich vorwegzusagen: Methanol ist giftig! Wird es in größeren Mengen ohne Gegenmaßnahmen getrunken, kann man nicht nur erblinden, sondern die Giftwirkung führt auch zum Tod (den entsprechenden Medien ist also Glauben zu schenken).

  • Daher wird wohl (freiwillig) niemand Methanol, das man beispielsweise als Reinigungsmittel kaufen kann, in größeren Mengen trinken.
  • Viele Getränke wie Bier, Wein und auch Spirituosen enthalten (als natürliche Folge des Gärprozesses) geringe Mengen an Methanol, die mitgetrunken werden. Für Erwachsene stellt dies im Allgemeinen kein Problem dar, für Kinder allerdings schon!
  • Allerdings kann es vorkommen, dass durch unsachgemäßes Maischen und Vergären, vor allem aber durch dilettantisches (privates) Destillieren (Vorlauf wird dem Produkt nicht vollständig entzogen) größere Mengen an Methanol in das Trinkprodukt gelangen. Auch bei einer Erhöhung des Alkoholgehaltes durch Ausfrieren kann es zu einem größeren Methanolgehalt kommen. 
  • Und nicht zuletzt vermischen sog. Panscher immer wieder alkoholische Getränke mit Methanol, um ihren Profit zu vergrößern. 
  • Dabei ist Methanol selbst nicht giftig, sondern seine Abbauprodukte, die nach einer (ebenfalls rauschhaften) Latenzzeit von 0,5-6 Stunden auftreten.
  • Die Leber verwandelt den einfachen Alkohol in Formaldehyd, das das zentrale Nervensystem schädigt, auch den Sehnerv (Sehstörungen durch Netzhautödeme, Erblindung droht!).
  • Zudem wird aus dem Formaldehyd rasch Ameisensäure gebildet, die nur sehr langsam verstoffwechselt wird und sich daher im Körper ansammelt. Dadurch verändert sich beispielsweise im Blut der pH-Wert, was den Sauerstofftransport behindert (Tod durch Atemlähmung).
  • Methanolvergiftungen werden - frühzeitig erkannt! - behandelt, indem man den Abbau des Giftes nach Möglichkeit unterbindet, also die toxischen Produkte gar nicht erst entstehen. Die primitivste (und früher durchaus übliche) Form der Behandlung ist das Verabreichen ausreichender Mengen an Ethanol über einen größeren Zeitraum, die von der Leber zuerst verstoffwechselt werden. Heute stehen hierfür Medikamente zur Verfügung, die jedoch frühzeitig angewandt werden müssen.
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