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Aperspektivisches Malkonzept einfach erklärt

Aperspektivisch ist ursprünglich ein philosophisch verwendeter Begriff. Ein aperspektivisches Malkonzept gründet sich auf eine von einer vorgegebenen Ordnung befreite Darstellungs- und Betrachtungsweise.

Aperspektivisches Malen ermöglicht einen freieren Blick.
Aperspektivisches Malen ermöglicht einen freieren Blick.

Perspektive gibt dem Betrachter Orientierung

  • Das Wort aperspektivisch leitet sich sowohl vom Griechischen als auch vom Lateinischen her und bezieht sich auf eine aufgelöste Begrenzung der Aussicht (Perspektive) eines Betrachters durch die fehlende natürliche Ordnung des Raumes.
  • Schon früh setzten Künstler in ihren Werken perspektivische Mittel ein, da es zu den Bedürfnissen der Menschen gehört, das, was sie sehen, in die umgebende Umwelt einzuordnen. Beispielsweise durch gestaffelte Größenverhältnisse oder die Verwendung von hellen und dunklen Farben wird dem Standpunkt des Betrachters entsprochen und ihm die Illusion von Wirklichkeit vermittelt.
  • Ein aperspektivisches Malkonzept hingegen will die durch die perspektivisch ausgerichtete Darstellung einer Szene erreichte Begrenzung beziehungsweise Lenkung des Blickes aufheben. Der Betrachter wird freier in seiner Sichtweise und vom Künstler zu individuellem Erleben aufgefordert.

Aperspektivisches Malkonzept - Freiheit des Blickes

  • Während streng perspektivische Darstellungen das zeigen, was der Betrachter von der räumlichen Anordnung einer Szene erwartet, „stört“ ein aperspektivisches Malkonzept die gewohnte Ordnung und Sicht der Dinge. Dies hat zur Folge, dass die einzelnen Elemente eines Gemäldes unabhängiger vom Gesamtkonzept erscheinen.
  • Erreicht wird die Störung beispielsweise schon durch die Darstellung eines Gegenstandes, der durch seine Anordnung im Bild den Blick auf die Tiefe des Raumes versperrt.
  • Die Loslösung der Einzelteile einer dargestellten Szene aus ihrer perspektivischen Abfolge erlaubt dem Betrachter einen individuellen Blick auf das Bild. Dies führt häufig zu einer intensiveren Betrachtungsweise, da alle Details eine eigenständige Bedeutung erlangen, wenn sie nicht mehr einer räumlichen Einordnung unterliegen.
  • Andererseits erreicht der Maler außerdem auch eine Lenkung der Sichtweise im inneren Sinne, da er die Elemente nicht mehr nach ihrer realen Erscheinungsweise im Raum ordnet, sondern ihnen eine individuelle Wichtigkeit entsprechend seiner künstlerischen Absicht verleihen kann.
  • Ein aperspektivisches Malkonzept überwindet durch den Bruch mit der gewohnten Einordnung des Sichtbaren in einen Raum letztlich auch andere Begrenzungen, wie bspw. jene durch die Zeit, in welche jede Szene üblicherweise ebenfalls eingebunden wird.
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