Wird ein Kind unehelich geboren, hat normalerweise nur die Mutter das Sorgerecht - es sei denn, sie und der Vater stellen einen Antrag auf gemeinsames Sorgerecht. In diesem Fall haben beide Elternteile dem Kind gegenüber die gleichen Rechte und Pflichten, wie wenn sie verheiratet wären. Gemeinsames Sorgerecht bedeutet, dass die Eltern gemeinsam über Dinge entscheiden wie medizinische Behandlungen, Wahl der Schule, Auslandsreisen des Kindes und ähnliches. Bei Meinungsverschiedenheiten müssen sie sich einigen.

So können Sie einen Antrag auf gemeinsames Sorgerecht stellen

  • Die beiden Eltern müssen den Antrag auf gemeinsames Sorgerecht als sogenannte "Sorgeerklärung" vor dem Jugendamt oder vor einem Notar abgeben. Wichtig ist, dass die beiden Erklärungen öffentlich beglaubigt werden.
  • Zum Antrag auf gemeinsames Sorgerecht müssen Mutter und Vater persönlich vor dem Amt oder dem Notar erscheinen.
  • Seit 2010 ist es auch möglich, gegen den Willen des anderen Elternteils einen Antrag auf gemeinsames Sorgerecht zu stellen. In diesem Fall ist nicht das Jugendamt zuständig, sondern das Familiengericht, eine Abteilung des Amtsgerichts.
  • Das Gericht gibt dem Antrag auf gemeinsames Sorgerecht in der Regel statt, wenn die Richter glauben, dass dies dem Kindswohl dient. Da nach heutiger Meinung das Kind möglichst viel mit beiden Elternteilen zu tun haben sollte, ist das meist der Fall.
  • Ist ein Antrag auf gemeinsames Sorgerecht einmal gestellt und erfolgreich, kann das Sorgerecht dem anderen Elternteil nicht mehr ohne weiteres wieder entzogen werden. Das geht nur durch Gerichtsurteil, wenn schwerwiegende Gründe dafür vorliegen.