Alle Kategorien
Suche

Interdependenz - Definition

Wenn Sachverhalte wechselseitig voneinander abhängig sind, liegt eine Interdependenz vor. Zwei oder mehr Dinge, Personen oder Gruppen, beeinflussen sich gegenseitig. Theorien über diese Art der Beeinflussung finden Sie in den Wirtschaftswissenschaften, in der Psychologie sowie in den Politikwissenschaften.

Mitglieder eines Teams beeinflussen sich gegenseitig.
Mitglieder eines Teams beeinflussen sich gegenseitig.

Die Vorsilbe "inter" steht für "zwischen" oder "dazwischen". Das Wort "Dependenz" hat einen Ursprung ebenfalls in der lateinischen Sprache und meint "Abhängigkeit" oder "abhängig".

Die Bedeutung der Interdependenz

Mit dem Begriff Interdependenz ist eine Abhängigkeit gemeint, die wechselseitig vorhanden ist. Die Abhängigkeit besteht im Sinne einer Beeinflussung. Zwei Sachverhalten beeinflussen sich gegenseitig und verändern den Zustand der jeweils anderen Sache.

  • Das Phänomen der wechselseitigen Abhängigkeit tritt in verschiedenen Kontexten auf. Es gibt soziale Interdependenzen sowie Sach- und Verhaltensabhängigkeiten.
  • Die Interdependenz kann eine positive (A wird mehr, B wird auch mehr) und eine negative Wechselseitigkeit (A wird mehr, B wird weniger) beinhalten.

Grundsätzlich taucht der Begriff in den Wirtschaftswissenschaften, der Psychologie und den Politikwissenschaften auf.

Der Deutsche Bundestag ist das Parlament der Bundesrepublik Deutschland. Aber was …

Interdependenz in den Wirtschaftswissenschaften

In der Arbeitswelt finden Sie eine Aufgabenteilung: Sie erledigen einzelne Tätigkeiten und haben eine spezifischen Zuständigkeitsbereich. Ihre Kollegen sind für andere Aufgaben zuständig. Es kann eine Artteilung (jeder ist Spezialist für einen Bereich) oder eine Mengenteilung (alle Aufgaben sind ähnlich, jeder übernimmt einen Teil) stattfinden.

  • Jeder erhält eine Aufgabe in einem Unternehmen und das ist mit einem koordinativen Aufwand verbunden. Die Aufgabenverteilung muss gut organisiert sein, denn oft ist ein Bereich auf die Arbeitsergebnisse eines anderen Bereiches angewiesen.
  • Die gegenseitige Abhängigkeit von Abteilungen bei der Erfüllung von Aufgaben, ist Forschungsgebiet der Organisationstheorie. Diese beschäftigt sich mit den Abteilungen und Hierarchieebenen in Unternehmen und versucht die Abläufe bestmöglich zu koordinieren.
  • In einer Flaschenfabrik müssen beispielsweise erst die Flaschenrohlinge fertiggestellt sein, bevor diese ein Etikett bekommen können. Die Tätigkeitsschritte sind voneinander abhängig, fehlt die Flasche, nützt das Etikett nichts. Bei dieser Interdependenz handelt es sich um sachliche Wechselbeziehungen. Das heißt, Entscheidungsfelder in einer Firma sind nicht unabhängig voneinander. Eine Abteilung (Etiketten aufkleben) ist auf eine andere (Flaschenproduktion) angewiesen. 
  • Interdependenzen treten auch zeitlich auf. Bei einer zeitlichen Wechselbeziehung ist eine Entscheidung, die nachgelagert erfolgt, von einer früheren Entscheidung abhängig. Eine Marketingabteilung plant beispielsweise zuerst, mit welchen Werbemitteln eine Botschaft veröffentlicht wird, bevor die genaue Gestaltung dieser Werbemittel feststeht. 
  • Die sachliche und zeitliche Interdependenz zählt in den Wirtschaftswissenschaften zum Themenkomplex der Entscheidungstheorie.
  • Betrachten Sie Unternehmen nicht als einzelne Einheiten, sondern als Teil eines Wirtschaftssystems (Makroökonomie), finden Sie hier weitere Abhängigkeiten. Eine volkswirtschaftliche Größe (z.B. Verkaufszahlen in einem Wirtschaftsbereich) wirkt sich auf anderen Größen (z.B. Verkaufszahlen in einem anderen Wirtschaftsbereich) aus.
  • Dies kann beispielsweise bedeuten, dass steigende Preise für Backwaren dazu führen, dass Verbraucher mehr Brote selbst backen und weniger Fertigbrot im Supermarkt kaufen. In diesem Fall beeinflusst eine Größe (Preise der fertigen Backwaren) eine andere Größe (Verkaufszahlen fertiger Backwaren sowie Verkaufszahlen von Zutaten zum Selberbacken).

Dies sind Themengebiete der Wirtschaftstheorie.

Menschen beeinflussen sich gegenseitig

In der Psychologie spielt die Interdependenz bei der Gruppendynamik eine Rolle. Der Begriff "Gruppendynamik" meint die Prozesse innerhalb von Gruppen und die wechselseitige Beeinflussung der Gruppenmitglieder.

  • Zwei oder mehr Personen können sich zueinander interdependent verhalten - sie sind jeweils abhängig vom anderen. Solche Abhängigkeiten entstehen durch ungleiche Verteilungen von Ressourcen oder Macht.
  • Ein Beispiel ist das Verhalten eines Paares: Verhält sich der eine Partner launisch, reagiert der andere mit Rückzug, Ärger oder Traurigkeit. Das beeinflusst wiederum den launischen Partner (Rückkopplung).
  • Repariert der Mann den Fernseher, dann ist dies eine Ressource (eine Fähigkeit). Die Frau hat diese Ressource nicht (kann den Fernseher nicht reparieren). Sie bedankt sich mit einer anderen Ressource (z.B. einem Kuchen).

Eine Interdependenz im psychologischen Sinne tritt überall auf, wo Menschen miteinander interagieren.

Staaten lernen voneinander

In den Politikwissenschaften bezeichnet der Begriff "Interdependenz" die Abhängigkeit und Beeinflussung von Staaten untereinander.

  • Durch den globalen Handel und die internationale Verflechtung von Nationen entstehen Abhängigkeiten der Länder. Staaten sind in Verbünden organisiert (z.B. UNO, NATO, EU).
  • Politische oder wirtschaftliche Veränderungen bzw. neue Gesetze in einem Staat, werden von Akteuren in anderen Ländern (Bürger, Politiker) wahrgenommen. Diese Akteure wirken auf ähnliche Änderungen im eigenen Land hin.
  • Zudem koordinieren Staatenverbünde die Gesetzgebung in den einzelnen Ländern. Die EU gibt etwa Rahmenbedingungen vor, welche die EU-Mitgliedsstaaten umsetzen müssen. Von den Entscheidungen der EU sind somit Sie selbst betroffen.

Der Begriff Interdependenz weist also immer darauf hin, dass Sachverhalte einander beeinflussen. Dies kann in der Politik, der Psychologie und der Wirtschaft auftreten.

Teilen: