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Ausziehen mit 18 - so planen Sie richtig

Probleme mit den Eltern, ein neuer Ausbildungsplatz in einer anderen Stadt oder der Wunsch nach mehr Freiheit - die Gründe für das Ausziehen mit 18 sind sehr vielfältig. Bevor Sie jedoch überstürzt die Umzugskartons packen, gilt es, gut zu kalkulieren. Denn mit der Selbstständigkeit kommen auch die finanziellen Pflichten.

Den Start in die Selbstständigkeit wagen.
Den Start in die Selbstständigkeit wagen.

Ausziehen mit 18 - welche Ausgaben haben Sie?

  • Machen Sie sich eine Liste mit Ihrem Einkommen sowie den monatlichen Ausgaben. Zu den regelmäßigen monatlichen Ausgaben gehören neben der Kaltmiete die Kosten für Strom, Wasser und gegebenenfalls Gas. Die Nebenkosten betragen durchschnittlich etwa 20 bis 30 Prozent der Kaltmiete. Eine Kaltmiete von 250 Euro plus 50 Euro Nebenkosten ergibt also eine Warmmiete von 300 Euro.
  • Hinzu kommen die Mietkaution oder Anteile, wenn Sie eine Wohnung einer Genossenschaft anmieten. Die Mietkaution beträgt oft zwei, maximal jedoch drei Nettokaltmieten. Bei einer Kaltmiete von 250 Euro werden also 500-750 Euro Kaution fällig. Für Genossenschaftsanteile gilt nicht das Mietrecht, sodass die Höhe der Anteile viel höher ausfallen kann. Sie variiert nach Wohnung und Genossenschaft, kann aber im schlechtesten Fall bis zu 2000 Euro betragen, hinzu kommen Kosten für den Eintritt. Kaution und Anteile müssen Sie sofort bei Vertragsabschluss bezahlen.
  • Sind Sie noch Auszubildender oder Student, verlangen Vermieter oft eine Bürgschaft der Eltern oder der Bank. Die Elternbürgschaft können Sie formlos entweder als Ausfallbürgschaft oder selbstschuldnerische Bürgschaft aufsetzen. Im Falle einer Ausfallbürgschaft sind Sie bei Mietschulden der erste Ansprechpartner, nach rechtlichen Maßnahmen müssen Ihre Eltern eventuell für Schulden aufkommen. Im zweiten Fall kann der Vermieter den fehlenden Mietbetrag direkt von Ihren Eltern verlangen.
  • Ausziehen mit 18 ist auch deshalb kostspielig, weil Sie neue Möbel brauchen. Achten Sie bei der Wohnungssuche darauf, dass Einbauküche, beziehungsweise Herd und Spüle, bereits vorhanden sind, da diese beiden Geräte am teuersten sind. In Sozialkaufhäusern, in Secondhand-Läden oder auf dem Flohmarkt bekommen Sie günstige Möbel, die Sie mit einfachen Mitteln aufpeppen können. Informieren Sie sich im Baumarkt nach den Kosten für Tapeten, Bodenbelägen und Wandfarben.
  • Erst jetzt können Sie sich nach einer eigenen Wohnung umsehen. Beachten Sie, dass zentrumsferne Lagen günstiger sind als Trendviertel. Dörflich gelegene Wohnungen sind ebenfalls günstiger in der Miete als solche in Großstädten wie Hamburg oder München. Überlegen Sie, ob Sie in einen Vorort ziehen und an Ihren Ausbildungs-, Studien- oder Arbeitsplatz pendeln können. Die preisgünstigste Variante ist die WG.

Staatliche Beihilfen beantragen

  • Meist ist mit 18 nicht das nötige Einkommen vorhanden, um eine Mietwohnung alleine tragen zu können. Nutzen Sie daher staatliche Beihilfen wie Wohngeld, Berufsausbildungsbeihilfe oder BAföG.
  • Rechtlich sind Ihre Eltern verpflichtet, Sie bis zum 25. Lebensjahr finanziell zu unterstützen. Fragen Sie Ihre Eltern, ob Sie Ihnen das Kindergeld zur Verfügung stellen.
  • Sind Sie in einer Ausbildung oder haben ein Studium begonnen, wird das Kindergeld bis zur Vollendung des 25. Lebensjahrs gezahlt. Sind Sie arbeits- oder ausbildungssuchend gemeldet, haben Sie bis zum 21. Lebensjahr Anspruch auf Kindergeld.
  • Beziehen Sie ALG II (Hartz IV) haben Sie das Anrecht auf eine Erstausstattung für Ihre Wohnung. Auch wenn Ihr Einkommen oder Rücklagen nicht ausreichen, haben Sie Anspruch. Fragen Sie bei der Agentur für Arbeit nach, ob Sie in Form von Geld- oder Sachleistungen gefördert werden können.
  • Sind Sie in einer Ausbildung oder einer berufsvorbereitenden Maßnahme? Sie haben womöglich Anspruch auf Berufsausbildungsbeihilfe (BAB). Dieser gilt vor allem dann, wenn Sie nicht mehr bei Ihren Eltern wohnen können, weil die Ausbildungsstelle zu weit entfernt ist. Stellen Sie den Antrag bei der Agentur für Arbeit, an Ihrem jetzigen oder zukünftigen Wohnort.
  • Anspruch auf BAföG haben Sie nicht nur während eines Studiums, auch wenn Sie eine Berufsfachschule oder eine allgemeinbildende Schule - also Haupt-, Real-, Gesamtschule oder Gymnasium - besuchen.
  • Abhängig von der Miete, Höhe Ihres Gesamteinkommens und der Anzahl der Personen, die in der Wohnung leben, haben Sie außerdem Anspruch auf Wohnzuschüsse. Dieses bekommen Sie nicht, wenn Sie BAföG beziehen oder das Wohngeld unter 10 Euro liegen würde.

Ausziehen mit 18 muss Ihnen keine Angst machen. Sie sind nicht allein. Mit staatlichen Zuschüssen und Hilfen wird Ihnen der Einstieg in die Selbstständigkeit erleichtert. Zögern Sie nicht, diese auch in Anspruch zu nehmen.

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