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Alleinerziehend mit Freund zusammenziehen?!

Ein Leben zu geben, ist die schönste Seite des Lebens. Dass das eigene Leben damit komplizierter wird, darüber wird, in Gegenüberstellung mit den Vorzügen des Elterndaseins, gerne hinweggesehen. Trotzdem: Was früher kein Thema war, bedarf mit Kind langer Überlegung und Vorbereitung. Alleinerziehende bekommen diese im Elterntum inbegriffenen Komplikationen meist noch heftiger zu spüren; zum Beispiel dann, wenn sie sich neu verlieben und die Frage nach dem Zusammenziehen mit dem neuen Freund im Raum steht.

Ein gemeinsamer Urlaub mit Kind und Freund kann den Plan des Zusammenziehens besiegeln.
Ein gemeinsamer Urlaub mit Kind und Freund kann den Plan des Zusammenziehens besiegeln.

Kennenlerntreffen - alleinerziehend neuen Partnerschaften den Weg ebnen

Die Liebe zwischen Eltern und Kind ist das Allergrößte. Trotzdem ist auch die Liebe eines Partners eine unersetzliche Angelegenheit. Alleinerziehende müssen aus Rücksichtnahme nicht für immer alleine bleiben. Ganz ohne Rücksichtnahme funktioniert es aber selbstredend genauso wenig.

  • Sie stellen Ihrem Sprössling beispielsweise nicht jede Woche einen neuen Partner vor, denn Unstetigkeiten dieser Art können Verunsicherung und Verwirrung hinterlassen. Während der Dating-Phase ist das Vorstellen daher eher unangemessen, wenn aber von einer Beziehung gesprochen wird, sollten Kind und neuer Partner einander zeitnah kennenlernen.
  • Kindgerechte Unternehmungen für ein langsames Beschnuppern sind meist am sinnvollsten. Wenn Sie Ihr Kind vor vollendete Tatsachen stellen und Ihren neuen Freund ungefragt als neuen Mann an Ihrer Seite in den Familienalltag integrieren, dann fühlt sich der Sprössling womöglich vor den Kopf gestoßen.
  • Es ist besonders wichtig, dass das Kind Ihre zurückgelegene Trennung vor dem Kennenlernen des neuen Partners verarbeitet hat. Eventuell kann eine solche Verarbeitung mit familientherapeutischer Hilfe stattfinden. Eine unverarbeitete Trennung nämlich kann dazu führen, dass ein neuer Partner unabhängig von seiner Person verachtet wird. 
  • Auch für Ihren neuen Freund wird das Kennenlernen sicherlich nicht einfach. Sprechen Sie im Vorfeld über eventuelle Befürchtungen und Unsicherheiten seinerseits. Denn Ihr Kind wird Unsicherheiten binnen kurzer Zeit wahrnehmen und das wiederum ist keine geeignete Basis für das erste Beschnuppern. Da die erste Begegnung aber maßgeblich über die zukünftige Beziehung entscheidet, ist ein unbeschwerter Umgang miteinander an dieser Stelle umso wichtiger.
  • Sie müssen sich nicht von einem neuen Partner trennen, nur weil Ihr Kind ihn nicht mag. Abhängig vom Alter Ihres Kindes werden Sie ihm früher oder später erklären, dass es sich bei der vorgestellten Person um Ihren neuen Freund handelt. Einfühlungsvermögen ist hier unerlässlich. Sie sollten dem neuen Partner vor Ihrem Kind unter keinen Umständen eine vaterähnliche Rolle zuweisen. Ebenso wenig sollten Sie die Emotionslage Ihres Kindes übergehen. Nehmen Sie Ängste und Abneigungen Ihres Kindes immer ernst. Aber machen Sie Ihrem Sprössling trotzdem klar, dass Sie die Entscheidung über Ihre neuen Partnerschaften treffen. 
  • Ein gut gemeistertes Kennenlernen ist die Basis für eine fortlaufend stärkere Integration des neuen Freundes ins Familienleben. Gehen Sie behutsam und Schritt für Schritt vor, um keine der beiden Parteien zu überfordern. Wenn der neue Partner zuvor in den Familienalltag integriert wurde, werden sich alle Beteiligten leichter tun, sobald sich die Frage des Zusammenziehens stellt.

Diese Frage eben ist als Alleinerziehende(r) entsprechend schwer zu beantworten, denn Kinder brauchen Stabilität. Wann ist Ihre neue Beziehung wohl stabil genug, damit sich verantwortungsvoll zusammenziehen lässt? 

Zusammenziehen - mit Kind und Freund(in) unter einem Dach

Stabilität misst sich an Zeit. Zeit ist für das Zusammenziehen mit einem neuen Partner als Alleinerziehende(r) daher wichtigste Größe. Oder etwa nicht?

  • Nein, denn eine Beziehung kann beispielsweise jahrelang gut gehen und nach einem über Jahre geplanten Zusammenzug trotzdem binnen einiger Wochen scheitern. Auf der anderen Seite kann das Zusammenziehen nach zwei Monaten gut gehen, obwohl die Partner sich noch nicht wirklich kennen. Grund hierfür: Der gemeinsame Alltag ist die Feuerprobe einer jeden Beziehung und nur über ihn lassen sich Aussagen über die Stabilität einer Partnerschaft treffen.
  • Den Alltag zu zweit erlebt man grundsätzlich erst mit dem Zusammenleben. Solange es nicht ausprobiert wird, kann man sogar nach Jahren der Beziehung nicht sicher sein, ob es klappen würde. Es ist daher zwecklos, eine feste Zeitspanne anzugeben, die vor dem Einzug in eine gemeinsame Unterkunft vergehen muss. Stabilität ist selbstredend wichtig, aber beurteilen Sie die Stabilität Ihrer neuen Partnerschaft eher über sein/ihr Engagement für Ihre Familie. 
  • Zumindest sollten Sie und Ihr Kind das Gefühl haben, den/die neue Freund(in) wirklich kennengelernt zu haben, bevor über das Zusammenziehen gesprochen wird. Gerade deshalb ist die oben beschriebene Integration des neuen Partners in den Familienalltag eine äußerst entscheidende Komponente für ein Zusammenleben.
  • Ein gemeinsamer Urlaub kann helfen, die Situation besser einzuschätzen. Auch Urlaub ist nicht Alltag, aber es handelt sich um eine Ausnahmesituation, bei der Sie, Ihr Kind und der/die neue Freund(in) 24 Stunden am Tag miteinander auskommen müssen. Verläuft ein 14-tägiger Urlaub problemlos, kann das zumindest ein Hinweis darauf sein, dass ein gemeinsames Leben im Bereich des Möglichen liegt.

Eine Frage ist dabei entscheidend: Kann auch Ihr Kind sich das gemeinsame Leben vorstellen?

Umzug oder Einzug? - Kindern die neue Situation erleichtern

Anders als bei Ihren Dating-Entscheidungen sollte Ihr Kind bei der Frage nach dem Zusammenziehen intensiv miteinbezogen werden.

  • Kann Ihr Sprössling sich überhaupt vorstellen, mit Ihrem neuen Partner unter einem Dach zu leben? Sprechen Sie mit Ihrem Kind über das Vorhaben. Zunächst ist ein Vieraugengespräch angemessener. Darauffolgend kann auch ein Gespräch zusammen mit dem neuen Partner sinnvoll sein. Das Zusammenleben über den Kopf des Kindes hinweg zu entscheiden, ist unangemessen.
  • Bei der Frage, mit wem Sie eine neue Partnerschaft pflegen, haben Sie alleiniges Entscheidungsrecht, weil Ihr Kind davon nur peripher betroffen ist. Versteht es sich nicht mit dem neuen Partner, kann Distanz aufrechterhalten werden. Ziehen Sie zusammen, dann ist Ihr Sprössling selbst durchaus direkt betroffen. Distanz aufrechtzuerhalten ist in diesem Fall unmöglich. Lehnt Ihr Kind die Idee komplett ab, dann sollten Sie das Vorhaben tatsächlich überdenken.
  • Erklärt sich Ihr Sprössling einverstanden, steht dem Umzug nichts im Weg. Allerdings sollten Sie sich die Frage stellen, ob ein tatsächlicher Umzug notwendig wird. Ist genügend Platz in Ihrer aktuellen Unterkunft vorhanden, sollten Sie in Erwägung ziehen, den neuen Partner um Einzug zu bitten.
  • Für Ihr Kind ist es besser, die vertraute Umgebung nicht verlassen zu müssen. Auf diese Weise fühlt es sich sicherer. Neuer Freund plus neue Wohnung und eventueller Schul- oder Kindergartenwechsel könnten den Sprössling in Kombination leicht überfordern.
  • Die Platzfrage sollte beim Zusammenziehen nicht zu blauäugig behandelt werden. Es ist äußerst wichtig, dass sowohl Ihr Kind als auch der/die neue Freund(in) einen Rückzugsort haben. Sitzen Sie alle von Anfang an auf zu engem Raum, dann wird das wahrscheinlich schnell zu Problemen führen.

Sie sehen: Wenn Sie behutsam, durchdacht und verantwortungsvoll vorgehen, kann es mit dem Zusammenziehen trotz Alleinerziehendemstatus klappen. Ihre Rolle als Mutter oder Vater muss keinen Verzicht auf eine neue Partnerschaft bedeuten. Sie müssen sich nicht entscheiden - mit dem richtigen Vorgehen werden Sie alles haben, was man sich nur wünschen kann.

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