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Bräuche zum Richtfest - so gelingt die Feier zum eigenen Haus

Die Feier eines Richtfestes ist einer der Bräuche, die schon seit mehreren Hundert Jahren bestehen. Gefeiert wird, wenn der Rohbau eines Gebäudes fertiggestellt und der Dachstuhl errichtet ist. Mit dem Fest bedankt sich der Bauherr bei allen, die bis dahin am Bau beteiligt waren. Traditionellerweise werden Bräuche auf bzw. in der Baustelle selber gefeiert.

Steht der Rohbau, beginnt die Feier - ein Richtfest ist für alle eine freudige Angelegenheit.
Steht der Rohbau, beginnt die Feier - ein Richtfest ist für alle eine freudige Angelegenheit.

Was Sie benötigen:

  • Richtkranz/Richtbaum
  • Nagel
  • Essen und Getränke
  • Gäste
  • Richtspruch

Die verschiedenen Bräuche zum Weihefest Ihres Hauses

  1. Im Vorhinein sollten Sie darauf achten, rechtzeitig die Einladung zum Richtfest auszusprechen. Eingeladen werden alle, die am Bau beteiligt waren, ebenso aber auch Nachbarn, Freunde und Verwandte. 
  2. Das Richtfest beginnt mit dem Errichten eines Richtkranzes (auch Richtkrone oder Richtbaum genannt) auf dem Dachstuhl. Meist wird der Kranz aus Stroh oder Tannenzweigen gebunden und mit bunten Schleifen und Tüchern geschmückt.
  3. Es folgt der Richtspruch, eine kurze Ansprache eines der Zimmermänner. In seiner Rede dankt der Zimmermann zum einen dem Bauherrn, zum anderen erbittet er Gottes Segen für das neue Gebäude. Nachdem er seine Rede beendet hat, wirft er ein Glas, das mit Wein, Sekt oder Schnaps gefüllt ist, vom Dach bzw. an die Wand des Gebäudes. Zerspringt es, bringen die Scherben dem Bauherrn Glück.
  4. Im Anschluss daran muss der Bauherr den letzten Nagel in das Gebälk schlagen. Diese Handlung hat symbolischen Charakter, es geht also nicht darum, tatsächlich wichtige handwerkliche Schritte auszuführen.
  5. Jetzt muss der Bauherr den letzten Nagel einschlagen. Dabei spielen ihm die Zimmerleute gerne einen Streich, zum Beispiel geht der Hammer kaputt oder der Nagel ist angesägt.
  6. Danach beginnt der Richtschmaus, der traditionellerweise ebenfalls auf der Baustelle stattfindet. Der Bauherr serviert herzhafte Speisen und Getränke. Mit dieser Geste drückt er allen, die zum Gelingen des Baus beigetragen haben, seinen Dank aus.

Selbstverständlich müssen Sie sich, wollen Sie ein Richtfest ausrichten, nicht an den traditionellen Ablauf der Bräuche halten. So kann zum Beispiel statt eines Richtkranzes auch ein großer, mit Bändern geschmückter Zweig aufgestellt werden. Auch ist es sicherlich eine Überlegung wert, bei starkem Regen oder eisiger Kälte den Richtschmaus nach drinnen zu verlegen.

Herkunft des Richtfests

Das Richtfest wird gefeiert, wenn der Rohbau mit Dach fertiggestellt wurde, der Dachstuhl also errichtet ist. Der Name des Festes kommt also von dem Begriff "aufrichten" und hat nichts mit dem Richten im juristischen Sinne zu tun.

  • Das Richtfest hat je nach Region andere Namen, man nennt es auch Weihefest oder Firstbier. Es gibt noch viele Namen für dieses Fest, das auch in Österreich als Gleichenfeier und der Schweiz als Aufrichte bekannt ist. Die Verbreitung des Brauchs in Europa lässt sich leicht durch die Zimmerleute auf der Walz erklären. Aber das Fest kennt man auch in Siam und Polynesien.
  • Die Grundsteinlegung und das Richtfest sind Bräuche, die dem Segen und dem Schutz des Hauses dienen und feierlich begangen werden. Das Richtfest soll vor Sturm, Hagel und Blitzschlag schützen. Vermutlich geht das Richtfest, das seit dem 14. Jahrhundert bekannt ist, auf rituelle Zinsbräuche und Bezahlungen der Arbeitsleistungen zurück.

Weitere Autorin: Roswitha Gladel

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