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Hashtags - praktisch, nervig oder ein soziales Phänomen?

Hashtags machen nicht immer Sinn - sind aber meistens praktisch.
Hashtags machen nicht immer Sinn - sind aber meistens praktisch.
Seit dem Aufstieg von Twitter ab 2007 sind Hashtags aus den sozialen Medien nicht mehr wegzudenken. Skeptiker meinen gar, sie würden zu inflationär benutzt. Darum lohnt sich ein kritischer Blick: Machen Hashtags Sinn? Immer oder nur manchmal? Oder haben sie sich gar längst abgenutzt?

So funktionieren Hashtags

  • Wer sich nicht mit sozialen Medien beschäftigt, weiß vielleicht gar nicht, was ein Hashtag ist. Eine Übersetzung hilft wenig, denn "Hash" ist einfach nur das englische Wort für "Raute". "Tag" hingegen bedeutet "Schlagwort", und das bringt Sie der Sache schon näher.
  • Schlagworte sind, wie Sie sicher wissen, kurze, prägnante Wörter, die ein Thema auf seine wichtigsten Begriffe reduzieren. Sie helfen, einen Beitrag - wie auch immer er geartet ist - einzuordnen.
  • Denken Sie an die Anfangszeiten des sozialen Internets zurück. In manchen Foren war es damals - und ist es noch heute- so, dass man unter jeden seiner Threads Schlagwörter posten sollte, damit der Beitrag über Suchmaschinen leichter gefunden wird.
  • Auf dieselbe Weise funktionieren Hashtags, nur dass sie um eine praktische Funktion erweitert sind. Ein Beispiel: Sie finden auf Twitter einen Tweet, der lautet: "#Tatort Heute total langweilig, wer hat noch alles den Mörder erraten?". Wenn Sie nun auf das Hashtag "#Tatort" klicken, werden Ihnen in Echtzeit alle neuen Tweets angezeigt, die dieses Hashtag verwenden.
  • Noch praktischer ist diese Funktion, wenn es um wichtige politische Ereignisse oder Naturkatastrophen geht. Auch hierzu ein Beispiel: Wenn auf Island ein Vulkan ausbricht und die Aschewolken den Flugverkehr behindern. Dann könnte man unter dem Hashtag "#Aschemonster" alle Neuigkeiten zu verschobenen oder gestrichenen Flügen und der aktuellen Wetterlage posten und finden.

Zusammenfassend lässt sich Folgendes festhalten: Hashtags gliedern Beiträge auf Twitter nach Themen. Sie helfen, diese Beiträge herauszufiltern. Da zu tagesaktuellen Themen viele Menschen Beiträge posten, können Sie, wenn Sie einem Hashtag folgen, auf dem Laufenden bleiben.

Erst bei Twitter, dann überall

  • Wie bereits angedeutet, waren Hashtags eine Erfindung von Twitter. Der Nachrichtendienst kam auf die Idee, die Raute vor das Wort zu setzen und per Mausklick alle aktuellen Beiträge zum Thema anzuzeigen. Der Clou ist die Echtzeitfunktion, die zuvor in Foren oder auf Blogs nicht gegeben war.
  • Durch Twitters Durchbruch wurde das Hashtag schnell Kult und andere soziale Netzwerke griffen es auf. Hervorzuheben ist die Funktion der Schlagwörter auf den Lifestyle-Plattformen Instagram und Pinterest. Hier haben sich Hashtags wie "Instagood" oder "swag" durchgesetzt, unter denen Menschen schön aufgemachte Fotos aus ihrem täglichen Leben zeigen. Es geht darum, sich selbst in ein möglichst perfektes Licht zu rücken und dafür bewundert zu werden.
  • Bei Instagram sind Tags wie "Inspiration" oder "Motivation" in, die auf ähnliche Effekte abzielen: Man präsentiert etwas Schönes, im Bestfall aus dem eigenen Leben, um anderen ein Vorbild zu sein.
  • Zu guter Letzt haben Sie vielleicht mitbekommen, dass auch Facebook seit 2013 Hashtags erlaubt. Der Grund dafür ist die Konkurrenz zu Twitter: Zwar ist Twitter kleiner, doch bei tagesaktuellen Themen hat der Dienst stets die Nase vorn. Bei Facebook will das Hashtaggen aber nicht richtig zünden. Die Tags werden von den Usern weniger verwendet als erwünscht, die Reichweite verringert sich daher eher, wenn jemand die Plattform nach Schlagwörtern durchsucht.

Sinn und Unsinn der Trend-Raute

  • Auch wenn es mittlerweile viele Kritiker gibt: Hashtags sind nicht sinnlos. Wie die bisherigen Ausführungen zeigen, sind sie praktisch, wenn es darum geht, aktuelle Themen zu verfolgen.
  • Auch haben sie schon mehrfach geholfen, wichtige Ereignisse publik zu machen und gleichermaßen zu demokratisieren. Ein gutes Beispiel ist die "#Aufschrei"-Affäre von 2013. Nachdem eine Journalistin sich von einem Politiker sexuell belästigt gefühlt hatte, teilten viele Frauen unter diesem Schlagwort ihre Erfahrungen mit Sexismus und sorgten für eine öffentliche Debatte.
  • Auch die Nutzung von Twitter während des arabischen Frühling 2011 zeigte den Sinn der Tags: Die Demonstranten vernetzten sich über immer neue Schlagwörter und blieben so auf dem Laufenden, was Demos und Kämpfe anging. Auch die ausländische Presse zog Informationen aus der Online-Quelle.
  • Was Netz- und Sozialwissenschaftlern Sorge bereitet und Kritiker auf den Plan ruft, sind allerdings nicht solche Aktionen. Vielmehr geht es bei der aufkommenden Kritik am Hashtag-Wahn darum, dass immer mehr Menschen ihr Leben öffentlich präsentieren, dabei Hashtags nutzen, um besser gefunden zu werden und ihre Befriedigung aus der Online-Bestätigung ziehen.
  • Ein Beispiel: Sie machen ein Foto von sich und posten es unter den Hashtags "#Selfie", "#goodlife" und "#summer". Da diese Tags verbreitet sind und viele danach suchen, werden Sie schnell gefunden und erhalten möglicherweise viele Likes. Gerade introvertierte Menschen, die im wahren Leben nicht viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen, können nach dieser Form der Ersatzbestätigung süchtig werden. Der Lebensfokus verlagert sich auf die perfekte Internet-Identität - und rückt dadurch von der Realität ab.
  • Betrachtet man das Phänomen genau, sind die Hashtags aber nicht schuld an dieser Entwicklung - sie sind lediglich Mittel zum Zweck. Vielen jungen Netznutzern ist dies allerdings klar: So wird das Hashtag, wie es heute modern ist, oft ironisch verwendet. Beispielsweise in einem normalen Gespräch: "Heute Abend gehe ich in den Hashtag Klub auf eine Hashtag Neunziger-Party. Hashtag Weekend, Hashtag Instagood, Hashtag Throwback." Dies beweist ein gesundes Bewusstsein, was die trendigen Schlagwörter angeht.

Fazit: Verwenden Sie die praktische Raute einfach, wenn Ihnen danach ist - richten Sie aber nicht Ihr Leben danach aus, möglichst gut gefunden zu werden.

helpster.de Autor:in
Sarah Müller
Sarah MüllerSarah hat Sozialwissenschaft studiert und sich dadurch mit Kultur auseinandergesetzt. Dabei lernte sie auch technische Themen kennen. Sie hat zu Ernährung und Sport geforscht.
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