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Buddhistisches Prinzip der Achtsamkeit - Erklärung

Wer achtsam ist, ist immer bereit.
Wer achtsam ist, ist immer bereit.
Sie steigen morgens in die U-Bahn ein. Ihre Gedanken drehen sich um den bevorstehenden Arbeitstag, Sie ziehen wie alle anderen Fahrgäste das Handy aus der Tasche und checken Ihre E-Mails. Die U-Bahn bremst, Sie fallen um und brechen sich das Handgelenk. Fehlende Aufmerksamkeit tut der Gesundheit nicht gut! Würden Sie nach dem buddhistischen Prinzip der Achtsamkeit leben, dann wäre Ihnen das nicht passiert.

Tun, was man tut - Glücksgarant Achtsamkeit

Sitzen, wenn man sitzt. Laufen, wenn man läuft. Essen, wenn man isst. All das ist Achtsamkeit. Bewusst, aktiv und wach kann die Erfahrung von allem, das um einen herum gerade geschieht, die eigene Lebensqualität verbessern. 

  • Das Leben leben ist an den Moment gebunden; was Mönch Thích Nhất Hạnh als buddhistisches Prinzip der Achtsamkeit beschreibt, ist die bewusste, bedingungslose und beherzte Hingabe an den Augenblick. Damit entspricht Achtsamkeit der vollen Hingabe an das Leben selbst.
  • Ist etwas vergangen, dann ist es vergangen. Steht etwas noch bevor, dann ist es momentan irrelevant. Im Prinzip der Achtsamkeit ist nicht von Relevanz, was man gerade gerne tun würde, was man morgen vielleicht tun wird oder gestern noch getan hat. Eine Rolle spielt nur, was man gerade tut. Wer dieses Prinzip lebt, der lebt mit ganzem Herzen. 
  • Tun hat weder Anfang noch Ende - so drücken sich viele Vertreter der Achtsamkeitslehre aus, denn Tun ist immer die Gegenwart. Dementsprechend ist derjenige leistungsfähiger, der sich aktiv in der Gegenwart befindet. Außerdem ist er aufmerksamer und aufnahmefähiger. 
  • Wer Achtsamkeit lebt, ist in der Lage, bewusste und dem Augenblick angemessene Entscheidungen zu treffen. Statt Reaktionen unternimmt er Aktionen und damit ein selbstbestimmtes Leben ohne Fremdeinflüsse, das ihn mit jeder Lebenssekunde aufs Neue fasziniert.
  • Ob es der leidvolle Frühjahrsputz ist oder das Lernen für eine bevorstehende Klausur: Alles macht Spaß und erfüllt, wenn man es mit vollem Herzen tut. Sobald man sich auf seine gegenwärtigen Aktionen konzentriert, erfährt man sie wirklich, und solange man sie wirklich erfährt und sich ihnen hingibt, ist jede Beschäftigung eine leidenschaftliche.
  • Das wiederum ist eng mit dem buddhistischen Prinzip der Bescheidenheit vernetzt, denn Zufriedenheit ist mit Achtsamkeit bedingungslos garantiert.

Sitzen, wenn man sitzt. Laufen, wenn man läuft. Essen, wenn man isst. Warum tun es gerade in der westlichen Welt die wenigsten, wenn es eigentlich derart einfach ist und derart glücklich machen könnte?

Achtsamkeit in der westlichen Welt

So viel zu tun! In der westlichen Welt und Konsumgesellschaft gibt es kaum eine ruhige Minute, denn wer rastet, der rostet. Das Prinzip der Achtsamkeit wird für den westlichen Menschen dadurch erschwert, aber unmögliche Lebensutopie ist es trotzdem nicht.

  • Achtsames Leben erfordert Konzentration. Konzentration wiederum erfordert einen ruhigen Geist und den kann es genauso gut bei der Arbeit geben. Nicht das "viel zu tun" und das "da draußen" erschweren dem westlichen Menschen Achtsamkeit, sondern das "dort drinnen" und der unentwegte Gedanke an Job, das Konsumangebot und bevorstehende Erledigungen. 
  • Diese Gedanken zu überwinden fällt der westlichen Gesellschaft aus mehreren Gründen schwer: Zum einen herrscht in der Konsumgesellschaft Studien zufolge unentwegter Zeitdruck, Entscheidungsdruck und Lebensdruck. Zum anderen erfordern "erfolgreiches" Leben und Arbeiten in der westlichen Gesellschaft ununterbrochene Erreichbarkeit.
  • Das Technologiezeitalter trägt hierzu seinen Teil bei: Handy und Internet sind Teil des alltäglichen Lebens und Arbeitens. Leider zerstreut die Erreichbarkeit für andere die Erreichbarkeit für sich selbst, denn konzentriert bei der Sache zu sein funktioniert nicht, wenn man ständig auf einen Handybildschirm starrt, seine E-Mails checkt oder Anrufe entgegennimmt.
  • Wirklich erfahren, was man gerade tut, erfordert - wie schon weiter oben erwähnt - Loslassen. Nicht nur Gedanken an Zukunft, Vergangenheit oder eigene Wünsche müssen losgelassen werden. Ebenso loslassen muss man Zeitdruck, Leistungsdruck und Zerstreuung, wie sie für ein westliches Leben gesellschaftliche Norm sind. 
  • Bemühungen um mehr Achtsamkeit können im Kleinen beginnen: Bei einer Zugfahrt fährt man Zug, anstatt sich über das Handy mit dem Internet zu vernetzen. Während der Arbeit wird gearbeitet, anstatt zeitgleich einen Kaffee zu trinken. Während der Kaffeepause wiederum wird Kaffee getrunken und das warme Gefühl auf der Zunge gespürt, anstatt weiter an die Arbeit zu denken. All das entspricht der Achtsamkeit, denn all das ermöglicht das aufmerksame Erfahren des gegenwärtigen Augenblicks mit all seinen Freuden und Leiden.

Gewöhnlichkeit ist in dieser Welt etwas Ungewöhnliches, und wer sich am Prinzip der Achtsamkeit und Aufmerksamkeit ausprobiert, wird es früh genug am eigenen Leib erfahren. Das fasziniert, bewegt und macht glücklich. 

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