Alle Kategorien
Suche

Zeugnis einer Assistentin - ein Wegloben erkennen Sie so

Kann ein Arbeitszeugnis auch zu gut sein? Manchmal durchaus, denn das sogenannte Wegloben ist eine Strategie, bei der Beschäftigte sehr positive, herausragende Beurteilungen erhalten, die aber eigentlich nicht so gemeint sind. Die Kritik steht zwischen den Zeilen. Wie erkennen Sie bei einem Job als Assistentin, ob in Ihrem Zeugnis zu viel gelobt wurde?

Waren Sie zu selbstbewusst?
Waren Sie zu selbstbewusst? © Benjamin_Thorn / Pixelio

Wegloben ist eine Strategie, mit der Mitarbeiter, die ein Unternehmen loswerden möchte, dazu gebracht werden, selbst zu kündigen oder nach der Kündigung nicht auf Wiedereinstellung zu klagen. Klassischerweise werden diese Angestellten etwa befördert, erhalten dabei aber keine Lohnerhöhung. So haben die Betreffenden den Eindruck, zwar „wichtiger“ geworden zu sein, fühlen sich durch das nicht gleichermaßen gestiegene Gehalt nicht ausreichend entlohnt. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass diese Mitarbeiter kündigen, wobei sie durch die gut klingende Position im bisherigen Unternehmen auch schnell einen neuen Job finden. Hinweise darauf finden sich im Arbeitszeugnis.

Merkmale des Weglobens im Zeugnis

  • In einem Arbeitszeugnis für Assistentinnen werden unterschiedliche Bereiche bewertet, neben eher organisatorischen Aspekten, wie der Qualität, in der Tätigkeiten erledigt wurden, geht es auch um eher psychologische Merkmale, etwa die Belastbarkeit des Mitarbeiters, die Eigeninitiative sowie das Verhalten Vorgesetzten, Kunden und Kollegen gegenüber.
  • Dabei werden die „Noten“ im Arbeitszeugnis von einer bestmöglichen Formulierung ausgehend vergeben. So meint die Bewertung „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ eine sehr gute Einschätzung, ein „zu unserer vollen Zufriedenheit“ ist hingegen deutlich weniger positiv gemeint.
  • Dennoch sollten nicht nur solche stark positiven Formulierungen enthalten sein und der Text nicht nur aus Superlativen bestehen. Wenn Sie also in fast allen Bereichen Worte wie „ständig“, „jederzeit“ und „stets hervorragend“ finden, dann kann es sich hier um eine bewusst zu gute Bewertung handeln.
  • Auch der Aufbau der Bewertung einer Assistentin kann Hinweise liefern - etwa wenn Dinge, die eigentlich selbstverständlich sind, erwähnt werden und stattdessen die tatsächliche Erledigung der beruflichen Aufgaben gar nicht richtig beschrieben wird. Solche Selbstverständlichkeiten sind etwa Pünktlichkeit und Ehrlichkeit - jeder Mitarbeiter sollte pünktlich und ehrlich sein, dies ist nichts, was noch besonders gelobt werden muss.
  • Ebenso kann der Abschluss des Textes ein Wegloben andeuten. Formulierungen, wie „wir können Frau X jedem Unternehmen empfehlen“ wirken nicht nur ungewöhnlich, sondern klingen geradezu danach, dass eine Firma die Mitarbeiterin loswerden wollte. In einem ernst gemeinten und auch guten Zeugnis, bedankt sich der Arbeitgeber für die Leistung, drückt Bedauern über den Weggang aus und wünscht weiterhin alles Gute sowie viel Erfolg im Beruf.

Was beim Wegloben einer Assistentin zu tun ist

  • Wenn Sie als Assistentin das Gefühl haben, dass in Ihrem Zeugnis übertrieben positive Formulierungen enthalten sind, die kritisch gesehen werden könnten, dann sollten Sie Ihren vorherigen Arbeitgeber darauf ansprechen und nachfragen. Denn gerade dann, wenn das Verhältnis zum früheren Arbeitgeber unbelastet war und Sie keinen Grund für ein Wegloben sehen, können die Formulierungen wirklich nur gut gemeint gewesen sein.
  • Die Zeugnissprache ist sehr komplex, selbst Arbeitgeber kennen nicht jeden Code oder jede Begrifflichkeit, die hier bei der Bewertung einer Assistentin eine Rolle spielen. Vielleicht wollte Ihr Chef Ihnen den Einstieg in einen neuen Job erleichtern und hatte nicht die Absicht, eine Kritik hinter Superlativen zu verstecken? Daher sollten Sie noch einmal nachfragen und gegebenenfalls um eine Neuformulierung des Zeugnisses bitten.
Teilen: