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Zeitvertrag und seine Verlängerung - wie oft Sie diese verhandeln können

Befristete Arbeitsverträge sind an der Tagesordnung. Wie oft aber ein Zeitvertrag in die Verlängerung gehen darf, ist immer wieder unklar. Viele Verträge verstoßen gegen das Gesetz.

Befristete Arbeitsverträge sind belastend.
Befristete Arbeitsverträge sind belastend.

Immer mehr Arbeitsverträge sind befristet. Ein Zeitvertrag ist für manchen Arbeitgeber die optimale Gestaltungsvariante in der Besetzung von Arbeitsplätzen. Ein Zeitvertrag endet automatisch mit Ablauf der Befristung. Die automatische Verlängerung wird immer mehr zur Regel. Wie oft eine Verlängerung erlaubt ist, gibt zwar das Gesetz vor, die Lebenswirklichkeit sieht aber anders aus.

Zeitvertrag sollte einen sachlichen Grund haben

  • Grundlage für jeden Zeitvertrag und für jede damit verbundene Verlängerung ist das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG). Im Gesetz bestimmt § 14, wann und wie oft eine Verlängerung erlaubt ist.
  • Unterscheiden Sie zunächst zwei Arten von befristeten Arbeitsverträgen: nämlich den "kalendermäßig befristeten Arbeitsvertrag" und den "zweckbefristeten Arbeitsvertrag". Der Erstere endet mit Ablauf der vereinbarten Vertragsdauer, der Andere endet, wenn sein Zweck erfüllt ist.
  • Ein Zeitvertrag ist dadurch gekennzeichnet, dass er durch einen sachlichen Grund begründet ist. Das Gesetz zählt dazu acht sachliche Gründe auf, die vorwiegend in Betracht kommen. Fälle dieser Art sind ein nur vorübergehend bestehender betrieblicher Bedarf, die Vertretung eines anderen Arbeitnehmers oder auch die Befristung zur Erprobung des Arbeitnehmers.

Verlängerung lässt sich oft leicht begründen

  • Das Problem besteht in der Praxis darin, dass es schwierig ist, sachliche Gründe als solche zu bewerten. Sachliche Gründe finden sich eigentlich immer, sodass eine Verlängerung auch immer gerechtfertigt werden kann.
  • So hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass eine Mitarbeiterin, die innerhalb von elf Jahren 13-mal einen Zeitvertrag vom selben Arbeitgeber erhalten hatte, sich nicht gegen die Verlängerung des Zeitvertrags wehren kann und keinen Anspruch hat, unbefristet eingestellt werden (EuGH, Urt.v. 26.1.12).

Ohne sachliche Gründe gelten andere Grundsätze

  • Liegt von vornherein kein sachlicher Grund vor, darf der Zeitvertrag grundsätzlich bis zu zwei Jahre befristet werden. In dieser Zeit darf ein Zeitvertrag dreimal in die Verlängerung gehen. 
  • Existenzgründer dürfen bis vier Jahre nach der Gründung befristete Arbeitsverträge abschließen. In diesem Gesamtzeitraum ist die mehrfache Verlängerung immer wieder möglich.
  • Sind Sie älter als 52 Jahre und waren Sie unmittelbar vorher mindestens vier Monate arbeitslos, kann der Zeitvertrag ohne sachliche Gründe bis zu fünf Jahren begründet werden. Auch in diesem Zeitraum ist die mehrfache Verlängerung erlaubt.
  • Beachten Sie, dass durch Tarifvertrag die Zahl der Verlängerungen oder die Höchstdauer der Befristung branchenspezifisch geregelt sein kann.
  • Außerdem gibt es Abweichungen durch das Gesetz über befristete Arbeitsverträge in der Wissenschaft und das Gesetz über befristete Arbeitsverträge mit Ärzten in der Weiterbildung.
  • Sind Sie der Auffassung, dass Ihr Zeitvertrag unwirksam ist, können Sie binnen drei Wochen nach Ablauf des Zeitvertrages das Arbeitsgericht anrufen und die Feststellung beantragen, dass das Arbeitsverhältnis aufgrund der Befristung nicht beendet sein.
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