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Zahnaltersschätzung beim Pferd - so funktioniert es

"Einem gekauften Gaul schaut man nicht ins Maul", sagt der Volksmund. Doch bei Pferden, bei denen das Geburtsdatum unbekannt ist, ist der Blick aufs Gebiss unumgänglich - denn anhand der Zähne kann man mit etwas Übung das Alter erkennen.

Die schwarzen Löcher, Kunden genannt, reiben sich ab.
Die schwarzen Löcher, Kunden genannt, reiben sich ab.

Das Pferdegebiss

  • Pferde sind Pflanzenfresser, was sich auch am Gebiss leicht erkennen lässt. So haben sie keine Reißzähne, sondern mahlende Backenzähne, und auch die Eckzähne, bei Hund und Katze imposant und spitz, sind bei Pferden kaum von Schneidezähnen zu unterscheiden.
  • Wie andere Haussäugetiere haben auch die Pferde einen Zahnwechsel. Nach einigen Wochen brechen die Milchzähne durch und nach wenigen Jahren werden diese durch bleibende Zähne ersetzt.
  • Pferde haben 40 Zähne, einige 44. Davon sind in jedem Viertel des Mauls drei Schneidezähne, ein Caninus, also Eckzahn, drei Vormahlzähne und drei Mahlzähne. Zusätzlich ist bei manchen Pferden noch der Wolfszahn zu finden, der erste Vormahlzahn, der auf seiner Wanderung Probleme bereiten kann.
  • Angegeben werden die Zähne eines Quadranten von der Mitte aus gesehen nach außen. Der mittlere Schneidezahn wird also I1 genannt.

Die Zahnaltersschätzung

Für die Zahnaltersschätzung werden vorwiegend die Zähne des Unterkiefers verwendet, da diese besser einsehbar sind.

Über die Wiesen zu galoppieren, ist für viele Reiter der Inbegriff von Freiheit. Wenn …

  • Ein wichtiges Merkmal ist natürlich der Zahndurchbruch. Wie wir Menschen ist auch das Pferd von Geburt an ein (bis auf die Vormahlzähne) zahnloses Wesen. So kommt der erste Schneidezahn, sprich die beiden Zähne in der Mitte, nach circa sechs Tagen aus dem Zahnfleisch, während die zweiten erst nach ungefähr sechs Wochen zum Vorschein kommt. Nach circa einem halben Jahr bricht dann der letzte Schneidezahn des Unterkiefers durch.
  • Nächstes Unterscheidungskriterium ist der Zahnwechsel. Auch diese Grobeinschätzungen lassen sich gut merken - nach 2,5 Jahren wechselt der erste, nach 3,5 Jahren der zweite und ein Jahr später der dritte Schneidezahn.
  • Die Zähne sind nun stark in Gebrauch, und was nun hilft, das Alter der Tiere zu erkennen, sind die sogenannten Kunden. Dabei handelt es sich um kleine Einkerbungen auf den Kauflächen. Dadurch, dass sich die Zähne um rund zwei Millimeter im Jahr abreiben, wird die Kunde kontinuierlich kleiner. Am ersten Schneidezahn verschwindet sie nach sechs, am zweiten nach sieben und am dritten nach acht Jahren vollständig.
  • Bis zu diesem Alter ist das Zahnalter der Pferde relativ genau schätzbar. Nun wird es komplizierter: Es tritt das sogenannte Zahnsternchen auf, ein kleiner dunkler Punkt an der Außenseite der Kauflächen. Außerdem kann die Galvaynesche Rinne zur Altersschätzung verwendet werden, die sich an der Außenseite der Zähne entlangzieht. 
  • Auch die Form der Kauflächen verändert sich mit der Zeit von oval über rund zu dreieckig. Ebenso ändert sich der Gesamteindruck des Gebisses: Während jüngere Tiere ein sogenanntes Zangengebiss haben, bei dem die Zähne des Oberkiefers mit denen des Unterkiefers beinahe eine Linie bilden, haben ältere Tiere ein spitzwinkliges Gebiss.

Was Sie bei der Altersbestimmung beachten sollten

Früher nannte man die Zahnaltersschätzung gern auch Zahnaltersbestimmung. Das trifft nicht zu, denn ganz genau und fehlerunanfällig ist diese Methode nicht.

  • Zunächst können nur Zeiträume angegeben werden, niemals konkrete Daten. So ist ein Pferd mit zwei durchgebrochenen Milchzähnen zwischen ungefähr sechs Wochen und sechs Monaten alt - ein langer Zeitraum.
  • Außerdem kann das Ergebnis leicht verfälscht werden, zum Beispiel durch normabweichende Ernährung oder regelmäßige Zahnbehandlungen.

Allgemein lässt sich sagen, dass die Altersschätzung genauer ist, je jünger das Pferd ist.

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