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Wiese statt Rasen - keine Angst vor Unkraut

Eine Rasenfläche ist schwer zu pflegen, ökologische bedenklich und nicht notwendig. Versuchen Sie sich die Vielfalt der Wiese in den Garten zu hohlen.

Schön und einfach zu pflegen, die Wiese
Schön und einfach zu pflegen, die Wiese

Wiese und Rasen ein großer Unterschied

Rasen ist eine Monokultur aus bestimmten Gräsern. Es kostet viel Zeit und Mühe über Jahrzehnte für die Bedingungen zu sorgen, damit die Fläche frei von unerwünschtem Bewuchs bleibt. Ohne regelmäßiges Wässern, Düngen und Bekämpfen von Unkraut ist es nicht möglich, einen saftig grünen Rasen zu erhalten.

Eine Wiese ist ebenfalls eine von Menschen geschaffene Kulturlandschaft. Die einzige Pflege, die einer Wiese angedeiht, ist die Mahd. So nennt der Fachmann das Mähen. Durch den regelmäßigen Rückschnitt setzen sich Gräser, mehrjährige Stauden und Lichtkeimer durch.

Wenn Sie sich entscheiden aus Ihrem Rasen eine Wiese zu machen, haben Sie weniger Arbeit und legen eine ökologisch wertvolle Landschaft an.

Rasen und Wiese im Überblick

Auswirkung auf

Rasen

Wiese

Boden

Boden wird ausgelaugt, ständiges Düngen erforderlich

Boden regeneriert sich regelmäßig

Kosten/Jahr

Je Quadratmeter etwa ein Euro für Wasser, Dünger, Unkrautvernichter und Mähen

Je Quadratmeter ein bis zwei Cent für das Mähen

Flora

Monokultur aus wenigen Grassorten

Große Vielfalt an verschiedenen Pflanzen

Fauna

Kaum Bodenlebewesen und wenige Insekten

Große Artenvielfalt im Boden und an Insekten

Arbeitsaufwand

Ständiges Bekämpfen von Unkraut, Düngen und Gießen erforderlich

Im Sommer wöchentliches Mähen nötig

Je nach Belastung mähen im Abstand von sechs bis 15 Wochen

Die Natur erobert Brachland

Um die Vorgänge auf einer Wiese zu verstehen, betrachten Sie, wie sich die Natur nach und nach Freiflächen erobert.

Zwei Faktoren beherrschen das Leben: das Vermehren und das Verbreiten. Alle Pflanzen bilden Samen oder Sporen, die durch Wasser, Wind oder Tiere verbreitet werden. Selbst unter widrigsten Bedingungen wachsen nach kurzer Zeit Pflanzen.

Diese Pflanzen wachsen aus Spalten im Asphalt einer Straße.

Pflanzen erobern sich Lebensräume
Pflanzen erobern sich Lebensräume © Roswitha Gladel

Welche der Pflanzen sich langfristig behaupten, hängt von den vorhandenen Bedingungen ab. Auf einem feuchten nährstoffreichen Boden wachsen Starkzehrer, die viel Wasser benötigen. Ist der Boden trocken, aber Reich an Nährstoffen, setzen sich Starkzehrer durch, die wenig Feuchtigkeit brauchen. Entsprechend breiten sich Schwachzehrer aus, wenn es an Nährstoffen mangelt.

Die Pflanzen verändern die Qualität des Bodens. Löwenzahn beispielsweise entzieht ihm Stickstoff, damit schafft er Bedingungen für Pflanzen wie Kresse. Manche Pflanzen verdichten den Boden, andere lockern ihn wieder auf. Wenn weder der Mensch die Pflanzen abmäht noch Tiere sie abfressen, entstehen Buschland und Wald.

Wie Menschen die Vegetation beeinflussen

Die Pflanzen erreichen eine erstaunliche Höhe von mehreren Metern, wie Sie auf diesem Bild sehen können. Der Hund hat etwa die Größe eines Cockerspaniels und ist deutliche niedriger als das Gras.

So sieht eine Wiese im Juni aus, die im Herbst das letzte Mal gemäht wurde.

Wiese im Juni
Wiese im Juni © Roswitha Gladel

Im März sah es an dieser Stelle noch so aus.

Wiese im Frühjahr
Wiese im Frühjahr © Roswitha Gladel
Die Pflanzen haben die Gelegenheit Samen zu bilden. So entwickeln sich auf Wiesen immer andere Gewächse.

Wenn Sie möchten, dass Kinder auf den Flächen spielen, lassen Sie das Gras nicht so hoch wachsen. Eine Wiese entwickelt sich auch, wenn sie alle vier bis sechs Wochen mähen. Es hat sogar einen Einfluss, ob Menschen auf der Grünfläche laufen oder nicht. Je nach Belastung wachsen andere Gewächse.

Hier sehen Sie eine solche Grünfläche, auf der tägliche ein Auto fährt. Selbst diese extremen Belastungen führen nicht zu kahlen Stellen.

Wiese auf der täglich ein Auto fährt.
Wiese auf der täglich ein Auto fährt. © Roswitha Gladel

Diese Wiese hatte eine Höhe von 15 Zentimetern, bevor sie auf zwei Zentimeter Höhe abgemäht wurde. Am Tag nach der Mahd fand ein Volksfest darauf statt. In zwei Zelten feierten um die 200 Menschen.

Wiese nach einem großen Fest.
Wiese nach einem großen Fest. © Roswitha Gladel
Nach vier Wochen hat sich das Grün bereits erholt. Gänseblümchen und Klee blühen darauf.
Wiese hat sich wieder erholt.
Wiese hat sich wieder erholt. © Roswitha Gladel
Diese kleine Schönheit hat sich auch wieder eingefunden.
Kleine Schönheit von dieser Wiese.
Kleine Schönheit von dieser Wiese. © Roswitha Gladel
Auf dieser Wiese spielen täglich Kinder. Sie wird etwa alle sechs Wochen gemäht.
Spielwiese von Kindern
Spielwiese von Kindern © Roswitha Gladel
Zum Vergleich im Nachbargarten ein aufwendig gepflegter Rasen, der einmal pro Woche gewässert wird und zweimal pro Jahr Dünger bekommt.
Aufwendig gepflegter Rasen
Aufwendig gepflegter Rasen © Roswitha Gladel

Ein schöner Rasen ist ein permanenter Kampf gegen natürliche Prozesse. Die Gräser verbrauchen Nährstoffe, die Sie ersetzen müssen. Außerdem müssen Sie dem Verfilzen entgegenwirken. Dabei entziehen Sie dem Boden pflanzliches Material, welche zu Humus würde.

Wenn Sie sich entscheiden, dass Sie eine Grünfläche haben möchten und es nicht unbedingt Rasen sein muss, tauchen viele Probleme nicht auf. Auf der Wiese gibt es kein Unkraut, jedes Kraut ist willkommen.

Viele Gartenbesitzer wenden viel Kraft auf, um den Rasen frei von Moos zu halten. Eigentlich ein unsinniges Unterfangen, denn Moose wachsen dort, wo Gras nicht gedeiht. Sie begrünen dunkle und feuchte Stellen, an denen Gräser sich nur dürftig entwickeln. Außerdem brauchen Sie Moos nicht zu mähen und es hat eine schöne grüne Farbe.

Vom Rasen zur Wiese

Eine Wiese sieht anders aus als ein Rasen und es gibt Zeiten im Jahr, zu denen sie kein schöner Anblick ist. Allerdings sehen Rasenflächen ebenfalls nicht immer attraktiv aus. Wenn Sie den ökologischen Aspekt der Artenvielfalt berücksichtigen und den Fakt, dass Sie die Umwelt für eine Wiese nicht mit Dünger und Pflanzenschutzmitteln belasten, spricht alles dafür aus dem Rasen eine Wiese zu machen.

Ganz nebenbei gewinnen Sie Heu, um Kaninchen oder Meerschweinchen zu füttern. Das Schnittgut von gedüngtem Rasen ist für diesen Zweck unbrauchbar.

Das Umgestalten ist einfacher als Sie vermutlich denken, denn Sie müssen den Rasen nicht entfernen. Der Prozess der Umwandlung kommt von alleine in Gang.

Gehen Sie nach dieser Checkliste vor:

  • Vertikutieren Sie den Rasen im Herbst ein letztes Mal, damit Platz für neue Pflanzen entsteht.
  • Verzichten Sie auf Dünger, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Wasser.
  • Mähen Sie ab März mit einem Grasfangkorb am Mäher regelmäßig die Bereiche, die Sie betreten (Schnitthöhe vier bis fünf Zentimeter).
  • Kürzen Sie mit einer Sense oder einem Fadenmäher das gesamte Gras Mitte Juni auf fünf Zentimeter und lassen Sie das Schnittgut zum Trocknen liegen.
  • Wenden Sie den Schnitt nach zwei Tagen.
  • Rechen Sie nach einer Woche das trockene Schnittgut von der Wiese (so dürfen Sie die Grünfläche nun nennen).
  • Mähen Sie die Wiese im Hochsommer ein weiteres Mal komplett ab und verfahren Sie mit dem Schnittgut wie beschrieben.
  • Je nach Witterung ist ein dritter Schnitt im Herbst sinnvoll.

Sie sparen Arbeit und Geld, wenn Sie sich für eine Wiese statt Rasen entscheiden. Außerdem ist der Schritt ökologisch sinnvoll.

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