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Wie reite ich ein Pferd ein? - So funktioniert's

Der Traum vom eigenen Pferd, welches Mädchen hat den nicht? Nun stellt sich die Frage, Jungpferd selbst einreiten oder doch lieber ein erfahreneres Tier kaufen? Falls Sie sich für ein "rohes" Jungpferd entschieden haben, erfahren Sie hier, wie man Pferde schonend auf Ihre neue Aufgabe vorbereitet.

Das größte Glück auf Erden liegt auf dem Rücken von Pferden.
Das größte Glück auf Erden liegt auf dem Rücken von Pferden.

Um ein junges Pferd ein zu reiten braucht man in jedem Fall viel Zeit und Geduld. Man sollte nichts überstürzen und das Pferd nur in kleinen Schritten an die neuen Aufgaben heranführen. Es gibt kein Patentrezept für das Einreiten eines Pferdes. Die Vorgehensweise muss immer individuell auf das jeweilige Tier angepasst werden. 

Voraussetzungen für das Einreiten eines Pferdes

  • Ein Jungpferd sollte nicht vor Vollendung des 3. Lebensjahres das Reitergewicht tragen müssen. Vor dem 3. Lebensjahr sind Knochen und Muskularur des Pferdes noch nicht annähernd bereit für diese Belastung.
  • Einige Pferderassen sind Spätentwickler (so zum Beispiel Friesen, Isländer und Trakhener), diese sollten ruhig noch 1-2 Jahre länger die Fohlenwiese besuchen, da sie in dieser Zeit noch Wachstumsschübe haben können. Bei frühzeitigem Anreiten kann es zu schäden im Knochen- und Bewegungsapparat kommen.

Vorbereitungsmöglichkeiten zum Anreiten

  • Vor dem Anreiten sollte das Jungpferd schon an Stimmhilfen gewöhnt sein, d. h. gewisse Grundkommandos wie z. B. "Steh/Schritt/Trab/Galopp" sollten abrufbar sein. Dies erreicht man entweder durch Bodenarbeit oder (Doppel-)Longenarbeit. Beim späteren Anreiten kann es sehr hilfreich sein, wenn das Pferd schon durch ein Kommando antraben kann und man dann gleichzeitig die richige Schenkel- und Gewichtshilfe gibt. So lernt das Pferd dann schnell, die Hilfen auch ohne die Stimmkommandos auszuführen.
  • Während der Longenarbeit kann man mit Hilfe eines Longiergurts auch das Pferd schon an einen Gurt gewöhnen, welcher später durch den Sattelgurt ersetzt wird.
  • Wichtig: Denken Sie daran, dass Sie den Gurt nie zu fest zuziehen, sonst könnte ein Gurtzwang entstehen. Lieber mehrfach und in kleinen Schritten nachgurten, als einmal direkt so fest wie möglich zuziehen.
  • Beim Longieren kann man entweder eine Trense oder einen Kappzaum verwenden. Die Trense sollte bei einem jungen Pferd mit einem leichten und nicht zu "scharfen" Gebiss verwendet werden. Hierzu eignet sich beispielsweise ein doppelt gebrochenes Gebiss. Bevor man mit der Trense anfängt zu longieren, sollte das Jungpferd auch an die Trense gewöhnt sein. 
  • Den Sattel sollte das Pferd auch schon kennengelernt haben. Hierzu kann dem Pferd man zum Beispiel beim Putzen den Sattel mal zeigen und danach vorsichtig auflegen. Diesen Vorgang übt man einige male. Wenn dies ohne Komplikationen funktioniert, kann man einen Sattelgurt anlegen und diesen schließen. Auch hier wieder darauf achten, dass er nicht zu stramm aber auch nicht zu locker anliegt. Wenn er zu locker anliegt, könnte der Sattel rutschen und das Pferd sich erschrecken. Der nächste Schritt  könnte das Spazieren gehen oder Longieren mit Sattel sein.
  • Wenn das Longieren mit Trense und Sattel gut funktioniert, kann man einen Schritt weitergehen. Beachten Sie nur, dass nicht jeder Tag ein Erfolg werden muss, es gibt auch immer wieder Rückschritte, wo dann viel Geduld fürs junge Tier gefragt ist. 

So reitet man ein Pferd ein

  1. Nachdem oben genannte Vorbereitungen abgeschlossen sind, kann man nun beginnen, das Pferd ans Reitergewicht zu gewöhnen. Hierzu kann man das Pferd von einer zweiten Person an die Longe nehmen lassen. Man selbst versucht nun langsam aufzusteigen. Man legt sich allerdings vorerst nur übers Pferd, so kann man schnell wieder abspringen, falls es Komplikationen gibt. Dies übt man einige male.
  2. Wenn das Drüberlegen gut verlaufen ist, steigt man komplett auf und lässt sich eine Weile im Schritt longieren oder führen. Wenn man sich seiner Sache sicher ist, kann man auch direkt ohne Longe oder geführt zu werden losreiten. Vorsicht ist geboten, jedes Pferd ist anders und es kann auch passieren, dass ein Pferd losrennt, buckelt, steigt etc. In diesem Fall - ist viel Glück und gut festhalten angesagt.
  3. Wenn man von einem coolen, lieben und gut vorbereiteten Pferd ausgeht, ist der nächste Schritt das Antraben. Da das Jungpferd auf Stimmhilfen trainiert ist, kann man hiermit das Antraben herbeiführen und gleichzeitig die passenden Gewichts- und Schenkelhilfen geben. Auch hier gilt: das Pferd ist es nicht gewöhnt, gehen Sie behutsam vor. Junge Pferde sind oft noch nicht richtig ausbalanciert und können daher noch keine engen Wendungen oder apprupte Richtungswechsel ausführen, bitte beachten Sie auch dies.
  4. Sollte das Traben nach mehrfachem Üben kein Problem mehr sein, darf der Galopp nicht fehlen. Hierzu wird nun wieder die Stimm- sowie die Gewichts- und Schenkelhilfe gegeben. Falls es noch Schwierigkeiten geben sollte mit dem Abrufen der Grundgangarten, kann man auch eine zweite Person dazu holen, die vom Boden aus unterstützt.

Das Anreiten sollte nun erledigt sein, nun heißt es Übung macht den Meister. Diese Anleitung ist nur eine Beschreibung, wie es im schönsten Fall laufen kann. Je nach Gelassenheit und Lernbereitschaft des Pferdes kann diese Phase viel Zeit in Anspruch nehmen. Es wird Rückschritte geben, nehmen Sie diese in Kauf und nicht dem Tier übel. Das Pferd wird es Ihnen Danken und Ihnen jede Menge zurückgeben.

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