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Wie oft darf man grillen? - So verhalten Sie sich als Mieter korrekt

Es gibt kein Grundrecht auf Grillen. Ebenso wenig gibt es ein absolutes Recht des Nachbarn, in einer grillfreien Umgebung zu wohnen. Die Frage, wie oft man grillen darf, ist immer eine Einzelfallentscheidung und lässt sich pauschal nicht beantworten. Dennoch sollten Sie einige Richtlinien kennen.

Grillfeuer kann belästigend sein.
Grillfeuer kann belästigend sein. © Paul-Georg Meister / Pixelio

Es gibt kein allgemeines gesetzliches Verbot oder eine Vorschrift, die das Grillen auf der Terrasse, im Garten oder auf dem Balkon der Mietwohnung verbietet oder beschränkt. Es gibt eine Reihe von gerichtlichen Entscheidungen, in denen die Richter bemüht sind, die Interessen der streitenden Parteien mit der Zielrichtung eines Kompromisses gegeneinander abzuwägen. Wenn Sie diese Richtlinien kennen, klappt's auch mit den Nachbarn.

Grillen ist Lebensfreude und ortsüblich

  • Wenn Sie im Garten grillen, dürfen Sie davon ausgehen, dass die Gerichte im Hinblick auf die heutige Freizeitgestaltung und die Gewohnheiten in der Freizeit das Grillen als eine "übliche und im Sommer gebräuchliche Form der Zubereitung von Speisen jeglicher Art" betrachten. Grillen sei auch kein "Relikt aus der Steinzeit" (LG Stuttgart 10 T 359/96).
  • Eine allgemeine Regelung finden Sie allenfalls in § 906 Bürgerliches Gesetzbuch. Dort wird die "Zuführung unwägbarer Stoffe" geregelt. Danach kann Ihr Nachbarn die "Zuführung von Gasen, Dämpfen, Gerüchen, Rauch, Ruß, Wärme, Geräusch und ähnlicher Einwirkungen nicht verbieten, soweit sie unerheblich sind. Zur Konkretisierung verweist das Gesetz scheinbar auf die "Länder-Imissionsschutzgesetze" oder die "Geruchsimmissions-Richtlinie des Länderausschusses für Immissionsschutz. Richtig praktikabel sind diese Regeln jedoch nicht. Vor allem kennt sie kein Mensch.

Wie oft ist eine Frage der Zumutbarkeit

  • Allgemein sollten Sie die Frage, wie oft man grillen darf, danach beurteilen, was zumutbar ist. Diese Frage der Zumutbarkeit orientiert sich an Ihrem Interesse, grillen zu wollen und dem Interesse des Nachbarn, von Rauch und Geruch verschont zu bleiben.
  • Beachten Sie, dass dabei das Empfinden eines sogenannten Durchschnittsmenschen maßgebend ist und nicht die persönliche Empfindsamkeit oder Überempfindlichkeit gegenüber Grillgerüchen.
  • Gehen Sie weiter davon aus, dass Grillen in der Sommerzeit üblich und grundsätzlich zumutbar ist.
  • Wenn Ihr Nachbar glaubt, durch Ihre Grillaktivitäten unzumutbar belästigt zu sein, muss er das beweisen. Die bloße Behauptung einer Belästigung reicht vor Gericht nicht aus. Damit hat er ein Problem, da sich Gerüche nicht dokumentieren lassen. Hier kommt nur der Zeugenbeweis in Betracht.

Gerichte entscheiden immer nur Einzelfälle

  • Gehen Sie davon aus, dass Ihr Nachbar übermäßig belästigt wird, wenn Rauchschwaden in seine Wohnung ziehen. Rauchentwicklung und Gerüche bei einer Grillzeit von rund 6 h im Jahr muss der Nachbar akzeptieren (LG Stuttgart, 10 T 359/96). Das Amtsgericht Langen hat es als ortsüblich beurteilt, wenn am Wochenende in der Mittagszeit ein oder zwei Mal gegrillt wird. Das Amtsgericht Regensburg hat die Benutzung des Grills auf zwei Mal im Monat für jeweils 3 h begrenzt. Das Landgericht München war der Auffassung, man dürfe viermal im Jahr in seinem Garten grillen. Das Oberlandesgericht Hamm hält Grillaktivitäten an 15 Tagen im Jahr für zumutbar.
  • Wohnen Sie als Mieter in einem Mehrfamilienhaus, können Sie sich an dem Verständnis des Amtsgerichts Bonn orientieren. Dort durfte ein Mieter von April bis September auf seinem Balkon nur einmal im Monat grillen und sollte dies den Nachbarn 48 h vorher mitteilen (AG Bonn 6 C 545/96). Inwieweit diese Entscheidung praktikabel ist und der Lebenswirklichkeit entspricht, sei dahingestellt.
  • Letztlich kommt es auch darauf an, ob Sie in einem Einfamilien- oder Mehrfamilienhaus wohnen, im Garten oder auf dem Balkon grillen und wie der Abstand Ihrer Nachbarn zur Grillstelle ist. Auch die Windrichtung kann entscheidend sein. Wie oft Sie grillen, hängt also von vielerlei Umständen ab. Grillt Ihr Nachbar selbst auch, muss auch dieses berücksichtigt werden.

Beachten Sie das nachbarschaftliche Gebot der Rücksichtnahme

  • Alle diese Entscheidungen sind Einzelfallentscheidungen und lassen sich keinesfalls verallgemeinern. Es muss immer Ihrer persönlichen Einschätzung überlassen bleiben, ob Sie Ihr Grillbedürfnis Ihrem Nachbarn zumuten können. Beachten Sie das nachbarschaftliche Gebot der Rücksichtnahme und nutzen Sie Ihre Freiheit nur insoweit, als Sie dieses auch von Ihren Nachbarn erwarten dürfen.
  • Denken Sie daran, dass jede streitige Auseinandersetzung im Ergebnis wenig bringt und alle Beteiligten nur Nerven, Zeit und letztlich auch Geld kostet.
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