Wie mißt man den Wert eines Kunstwerkes?
- 31.08.2010 Sima Moussavian
Kunsthistorische Bedeutung eines Kunstwerkes - Symbolwert
Ein Aspekt, der über Jahre hinweg den Kunstmarkt geformt hat, ist der der kunsthistorischen Bedeutung des zu schätzenden Kunstwerkes. Hierbei spielt vor allem die Person des Künstlers selbst und dessen Einfluß auf die Kunstgeschichte eine tragende Rolle.
- Einem Bild, das eine ganze Epoche beeinflusst oder geformt hat, kommt dabei also ein höherer Wert zu als einem Werk, das innerhalb einer Epoche zum großen Strom gehört hat. Vor allem orginelle und innovative Motivneuerungen oder Strichführungen machen eine Gemälde kunsthistorisch teurer, wobei auch ein gewisser intellektueller Wert des Werks in die Schätzung seines Symbolwerts mit hinein spielt. Daneben existieren einige Kunstepochen, die für Historiker am interessantesten und nachhaltigsten scheinen. Ein Gemälde aus einer Epoche wie zum Beispiel der Rennaissance wird von Experten daher oft als wertvoller gehandelt als andere.
- Auch das Alter des Gemäldes und die Etabliertheit des Künstlers nehmen Einfluss auf die Schätzung seines Werts. Ältere Bilder sind dabei immer teurer, unbekannte Künstler immer billiger einzuschätzen, wobei die Bekanntheit eines Künstlers klar mit seiner Innovativität und Originalität zusammenhängt.
- Der wohl bedeutendste Punkt bezüglich des Symbolwerts eines Werkes bleibt dennoch die Singularität und vor allem Orginalität eines Werkes. Haben Sie es mit einem Orginalbild zu tun, so werden Sie es immer teurer schätzen als einen Druck. Geht es um einen Kupferstich, von dem 50 Auflagen existieren, so kann das zu schätzende Bild unmöglich genauso teuer sein wie ein Einzelwerk.
- Generell sind die kunsthistorischen Richtlinien zur Wertbestimmung eines Werks wohl objektiv leichter einzuschätzen und mehr oder weniger klar festgeschrieben und anwendbar. Um eine solche kunsthistorische Schätzung für ein bestimmtes Werk vornehmen zu lassen, können Sie daher studierte Kunsthistoriker aufsuchen, die in ihrem Studium das nötige Hintergrundwissen über Künstler und Epochen erworben haben sollten.
Den Marktwert eines Kunstwerkes messen
- Der Marktwert eines Kunswerks dagegen ist von keinem Kunsthistoriker bestimmbar, weil er immer wechselhaft und objektiv schwer zu beschreiben ist. Epochen- und motivabhängig kann der Marktwert eines Werks sich innerhalb kürzester Zeit ändern, sodass ein und dasselbe Kunstwerk immer wieder neu geschätzt werden muss.
- Im Allgemeinen richtet sich der Marktwert eines Werkes nach Angebot und Nachfrage. Der höchste Preis, den irgendjemand bereit ist für das Werk zu bezahlen, bedeutet den Marktwert. Damit bestimmen vor allem Sammler die Marktbedeutung eines Kunstwerks, indem sie die Kunst ihres eigenen Geschmacks zu unglaublich hohen Preisen ersteigern.
- Das künstlerische Können spielt für den Marktwert eines Werkes damit nicht die geringste Rolle. Allein der subjektive Geschmack der High Society und die Werbekampagnen von Galerien und Kunsthändlern legen fest, was in ist und was out. Derzeit scheinen vor allem Themen wie Tod, ethnische Zugehörigkeit und Materialismus wegen ihrer Provokation beliebte Motive für Sammler zu sein.
- Der tatsächliche Marktwert eines Werks wird schließlich durch Auktionen ermittellt. Der Höchstbietende auf ein bestimmtes Werk legt damit den Marktwert fest. Andere Werke, die sich ähnlicher Motive und Pinselführungen bedienen, bekommen oft einen ähnlichen Wert, ohne dass sie einzeln in einer Auktion vertreten gewesen sind.
- Der Grad der Bekanntheit eines Künstlers spielt auch für den Marktwert eines Werks eine Rolle, sodass überregional bekannte Künstler logischerweise eine höhere Nachfrage mit sich bringen als lokal bekannte. Im Zusammenhang damit steht die Zielgruppe, an die der Künstler sich mit seinem Werk wendet im Vordergrund des Marktwerts. Spricht ein Künstler mit dem von ihm gewählten Motiv die Arbeiterklasse an, so kann die auf einer Aktion nicht einmal am Rande soviel bieten wie ein betuchter Sammler. Je liquider die angesprochene Zielgruppe, desto höher ist also der Markltwert.
- Zuletzt steht fest, dass Kunstwerke von Verstorbenen in jedem Fall einer höheren Nachfrage unterliegen als Werke von Zeitgenossen. Zum einen mag der Hintergrund sein, dass ein Verstorbener nur eine bestimmte Menge an Werken geschaffen hat und damit nur eine begrenzte Masse eines seiner Werke erworben werden kann. Zum anderen scheinen Zeitgenossen oft vager einschätzbar und viele Sammler fürchten, der Künstler könne mit der Zeit seinen Stil vollkommen ändern und das gekaufte Werk damit wertlos werden lassen.
Zusammenfassend scheint einem Laien die Bestimmung von Marktwert und Symbolwert eines Kunstwerks wohl recht willkürlich und irgendwie ist sie das ja auch. Der einzelne Geschmack eines reichen Sammlers kann nämlich unmöglich einen Pauschalwert festlegen, der irgendeinem Kunstwerk auch nur am Rande gerecht werden würde.
