- 09.12.2011 Sima Moussavian
Wie Sie eine Rede inhaltlich analysieren
Als Erstes beschäftigen Sie sich mit dem Gliederungshauptteil jeder Redeanalyse, dem Inhalt der Rede, unabhängig vom formalen Aufbau oder sprachlichen Mitteln.
- Zu bestimmen ist zuallererst die Redesituation. Überprüfen Sie, wo und wann die Rede gehalten wird und anlässlich welcher Hintergründe es zur Rede gekommen ist und wer hier eigentlich spricht. Legen Sie außerdem fest, auf welche Art und Weise die Rede vermittelt wird. Sehen Sie zum Beispiel nach, ob aus dem Text hervorgeht, welche Medien in die Rede mit einbezogen wurden und welche Wirkung der Redner damit bezweckt hat. Überlegen Sie sich, an wen sich der Redner richtet, also welches Publikum er ansprechen will und in welcher Beziehung er zum Publikum steht.
- Anschließend beschäftigen Sie sich mit dem Inhalt der Rede. Dazu gehört es vor allem, eine Hauptaussage festzuhalten und die inhaltliche Gliederung der Ansprache zu rekonstruieren. In der Hauptaussage sollte sich dabei in erster Linie wiederfinden, für oder gegen wen der Redner Partei ergreift und welche Sachverhalte verallgemeinert angesprochen werden.
- Haben Sie die Hauptaussage herausgefiltert, so halten Sie nun die Absicht fest, somit also die Wirkung, die der Redner mit der Ansprache erzielen will und inwiefern dies aus der Rede selbst hervorgeht. Überlegen Sie sich, ob der Redner seine Interessen offen legt oder, ob er sie eher verdeckt hält und damit auf Manipulation des Publikums aus ist. Zudem ist es wichtig, dass Sie jegliche Vorwürfe, Forderungen und Aufrufe einzelner Personen oder Personengruppen berücksichtigen und in die Redeabsicht mit einbeziehen.
Analyse der Ansprachenrhetorik als Untermauerung Ihrer Interpretation
Haben Sie Redesituation, Redeinhalt und Redeabsicht klar analysiert, so gilt es nun im zweiten Hauptteil der Redeanalyse, Ihre Feststellungen zu den einzelnen Bereichen zu belegen und das mit einer Anführung von eingesetzten, sprachlichen Mitteln.
- Nehmen Sie unter die Lupe, welche Nomen und Adjektive der Redner verwendet und fragen Sie sich, ob diese vielleicht eine positive oder negative Grundbesetzung zu eigen haben, mit der der Redner einen bestimmten emotionalen Effekt beim Publikum bezwecken könnte. Ihre Analyse verbinden Sie nun mit den zuvor festgelegten Analysepunkten von Redesituation und Redeabsicht, sodass diese Untermauerung findet. Beschäftigen Sie sich zudem mit der Frage, ob die Rede womöglich an einen bestimmten Stil angelehnt ist, welcher zweckgebunden sein kann oder einfach nur den Zeitpunkt der Rede durch epochenabhängige Ausdrücke bestätigt.
- Zur rein sprachlichen Analyse gehören vor allem Stilmittel wie Antithesen, Parallelismen oder Metaphern. Auch Alliterationen und Anaphern oder Ellipsen und Metonymien sollten Sie analysieren und im Rückschluss auf das Publikum und die Redeabsicht zur weiteren Belegung Ihrer Analyseergebnisse nutzen. Ein sehr wichtiger Punkt ist hier die Frage nach der Art des Satzbaus und der Satzart selbst. Nehmen Sie also genau Bezug darauf, ob Fragesätze oder Ausrufe verwendet werden und warum der Redner sich dafür entschieden hat.
- Nun gehen Sie auf die Redeweise, das heißt auf Lautstärke und Tempo des Vortrags ein, und Sie können so beispielsweise aufzeigen, dass ein Redner, der zu schnell redet, vielleicht gar nicht will, dass das Publikum ihm folgen kann. Auch Mimik und Gestik sollten Beachtung finden, darunter besonders solche Gesten, die sich ans Publikum richten. Überlegen Sie zudem, welche nonverbalen Handlungen sich erkennen lassen, die der Redner vielleicht gar nicht beabsichtigt hat und die beispielsweise auf Lügen hindeuten. Paralinguistisch ist dabei darauf zu achten, ob und warum der Redner womöglich flüstert, schreit oder lacht und an der einen oder anderen Stelle Pausen macht.
Zum Ende hin bietet es sich an, die Rede einem bestimmten Redetyp zuzuordnen, so zum Beispiel einer politischen Rede, und sie in einen Gesamtzusammenhang einzuordnen, aus dem neben dem Anlass auch ihre Folgen hervorgehen. Sie sehen also: Im Grunde ist die Redeanalyse kaum komplex und Sie werden sich wahrscheinlich nie wieder fragen, wie eine Rede gleich noch mal zu analysieren ist.