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Wegerecht über Privatgrundstück - das sollten Sie beachten

Wegerecht über Privatgrundstück - das sollten Sie beachten3:37
Video von Anna Schmidt3:37

Wenn man Ihnen ein Grundstück zum Kauf anbietet, das mit einem Wegerecht belastet ist, sollten Sie vorsichtig sein. Meist führt ein Weg über ein Privatgrundstück zu einem dahinterliegenden Grundstück. Ein solches Wegerecht beeinflusst den Verkehrswert des zum Verkauf stehenden Grundstücks.

Ein Wegerecht bezeichnet das Recht eines Grundstückseigentümers, das Grundstück eines anderen Grundstückseigentümers zu betreten, um zu seinem eigenen Grundstück zu gelangen. Das eigene Grundstück hat meist keinen öffentlichen Zugang, sodass dieser Grundstückseigentümer auf den Zugang und damit das Wegerecht über das Grundstück eines Nachbarn angewiesen ist.

Ein Wegerecht stammt oft aus alter Zeit

  • Die Entstehung eines solchen Wegerechts ist meist dadurch bedingt, dass ein großes zusammenhängendes Grundstück in zwei Grundstücksteile aufgeteilt wurde, ohne dass der Zugang zu beiden Grundstücken gewährleistet war.
  • Ein Wegerecht entsteht infolge der Erklärung des ursprünglichen Grundstückseigentümers durch die Eintragung einer Baulast im Baulastenverzeichnis. Auch kann dieser eine Grunddienstbarkeit notariell beurkunden und im Grundbuch eintragen lassen. Der dadurch entstehende Rechtszustand bleibt gewahrt, wenn die Grundstücke irgendwann veräußert werden. Jeder Erwerber muss diese Rechte anerkennen.
  • Im Übrigen kann ein Wegerecht durch eine vertragliche Vereinbarung zwischen zwei Grundstückseigentümern entstehen, in der der eine Grundstückseigentümer dem anderen ein Wegerecht über sein eigenes Privatgrundstück bewilligt. 
  • Eine rein vertragliche Vereinbarung ist weniger werthaltig als eine im Grundbuch eingetragene Grunddienstbarkeit. Nur die Grunddienstbarkeit sichert das Wegerecht auch über einen Verkauf des Grundstücks hinweg.
  • Egal, auf welchem Wege Sie ein Wegerecht bestellen, oder wenn Sie ein mit einem Wegerecht belastetes Grundstück erwerben wollen, achten Sie in jedem Fall darauf, welchen Inhalt das Wegerecht im Detail hat. Stellen Sie fest, ob Sie das Wegerecht nur zu Fuß nutzen dürfen oder ob Sie auch mit Ihrem Fahrzeug über das fremde Grundstück zu dem zugangslosen Grundstück fahren dürfen.
  • Ältere Wegerechte durften meist mit Fuhrwerken benutzt werden. Im Wege der Auslegung muss man das Wegerecht inhaltlich so interpretieren, dass der heutige Eigentümer auch mit dem eigenen Auto das Wegerecht nutzen darf.
  • Solange die Details unklar sind und man den konkreten Inhalt des Wegerechts durch Auslegung ermitteln muss, sind Probleme oft vorprogrammiert. Wurde das Wegerecht in früheren Zeiten bereits bestellt und die Grundstücke mehrfach verkauft, ist nicht immer gewährleistet, dass die neuen Eigentümer den Inhalt des Wegerechts kennen und auch anerkennen. 

Oft gibt es Streit über ein Privatgrundstück

  • Wenn Sie ein Grundstück mit Wegerecht kaufen möchten und das Grundstück nur durch den Zugang über ein Privatgrundstück zu nutzen ist, erkundigen Sie sich unbedingt nach der nachbarschaftlichen Situation. Wenn es seit Jahren und oder über Generationen bereits Streit wegen des Wegerechts gibt, riskieren Sie, als neuer Eigentümer auch in diesen Streit hineingezogen zu werden.
  • Der Eigentümer des belasteten Grundstücks hat Anspruch, dass das Wegerecht möglichst schonend ausgeübt wird. Er darf sein Grundstück einzäunen, teilweise muss er das nach Landesrecht auch, muss dann aber gewährleisten, dass der Wegerechtsberechtigte einen gesicherten Zugang zu seinem Grundstück hat und das Wegerecht nutzen kann.
  • Notfalls muss der Eigentümer des mit dem Wegerecht begünstigten Grundstücks sein Recht gerichtlich einklagen.
  • Soweit einer der Nachbarn versucht, das Wegerecht zu beeinträchtigen oder übermäßig zu nutzen, sollte die andere Partei ein Störungsprotokoll anfertigen, in dem alle Details eines jeden Vorfalls genau festgehalten werden. Ein solches Protokoll kann in einem Gerichtsverfahren verwendet werden.
  • Streitigkeiten über Wegerechte müssen meist im Vorfeld eines landesrechtlich geregelten Schiedsgerichtsverfahrens erörtert werden. Hier können Vergleiche geschlossen werden, auf dessen Grundlage die Rechte der jeweiligen Partei zwangsvollstreckt werden können.

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